Pustel will fliegen – eine traurig-schöne Kinder-Erwachsenengeschichte

Es war einmal eine kleine Pusteblume, Pustel hieß sie. Pustel war eine sehr fröhliche Pusteblume, die sich gerne der Sonne entgegen streckte. Sie liebte es, die warmen Sonnenstrahlen auf ihren kleinen, einzelnen Schirmchen zu spüren.

Pustel lachte oft, selbst bei Regen; wenn der Regen auf ihre grau-weißen Schirmchen prasselte, fühlte es sich an, als ob der Regen sie massiere. Pustel konnte dabei wunderbar entspannen und einschlafen.

Pustel hatte viele Geschwister auf ihrer Wiese. Durch ihre freundliche und liebevolle Art hatte sie auch viele Tierfreunde. Oft unterhielt sie sich mit den Regenwürmern, die an ihr vorbei krochen oder den Hasen, die an ihr vorbei hoppelten. Manchmal kamen auch Menschen an ihrer Wiese vorbei. Pustel selbst hatte noch keine aus der Nähe gesehen.

Ihre Geschwister hatten ihr erzählt, dass Menschen gerne Pusteblumen pflücken, um ihre Schirmchen für einen Wunsch weg zu pusten. Pustel verstand zwar nicht, wie ihre Schirmchen Wünsche erfüllen konnten, doch fand sie diesen Gedanken schön. Pustel hatte auch davon gehört, dass der Wind Schirmchen davontragen würde. Dies sei wichtig, sagte man Pustel, damit weitere Geschwister von ihnen auf anderen Wiesen wachsen konnten.

Bis jetzt hatte der Wind noch kein Schirmchen von ihr davongetragen, was Pustel traurig machte, denn sie hatte einen eigenen, ganz besonderen Wunsch. Pustel wünschte sich, den ganzen Sommer lang zu leben, bevor man sie weg pusten oder sie mit ihren ganzen Schirmchen davonfliegen würde; sie wusste, dass Pusteblumen nur kurze Zeit auf Wiesen stehen.

Pustel liebte das Leben sehr; die Sonne, den Regen und auch den Geruch der Erde am Morgen und am Abend. Sie wünschte sich, diese Momente so lange wie möglich fühlen und wahrnehmen zu können. Ihre Geschwister verstanden ihren Wunsch nicht. Sie waren der Ansicht, dass es die Aufgabe von Pusteblumen ist, Menschen glücklich zu machen und anderen Pusteblumen das Leben zu schenken. Sie hatten keine Wünsche für sich. Pustel konnte ihre Geschwister nicht verstehen, sie hielt an ihrem Wunsch fest.

Es vergingen Monde und Sonnen, manche ihrer Geschwister waren schon gepflückt, weg gepustet oder ganz vom Wind davon getragen worden. Pustel lebte noch auf ihrer Wiese und genoss mit Freude die Momente, die ihr gegeben wurden. Sie hoffte, dass sie ihre Schirmchen noch lange behalten würde oder sie sich etwas vom Wind wünschen konnte; ihren Wunsch. Einen Menschen aus der Nähe hatte Pustel bis dahin immer noch nicht gesehen.

Eines Tages, an einem frühen Morgen, sah sie einen alten Mann kommen, der auf sie zuging. Der Mann hatte ein trauriges und blasses Gesicht. Er setzte sich neben Pustel und weinte bitterlich. Pustel beobachtete ihn, ihn weinen zu sehen, machte sie ganz traurig. Sie beschloss, ihn zu fragen, warum er so traurig ist: „Hallo, ich bin Pustel. Es tut mir leid, dass du so traurig bist. Kann ich etwas für dich tun, damit es dir wieder besser geht?“ Der alte Mann fuhr überrascht hoch und sah Pustel verwundert an. Er wischte sich die Reste seiner Tränen mit dem Ärmel seines Hemdes ab, lächelte und antwortete: „Hallo Pustel, du schöne kleine Pusteblume. Du hast recht, ich bin sehr traurig, doch ich glaube nicht, dass du etwas für mich tun kannst“. Der alte Mann tat Pustel leid, sie wollte ihm helfen, ihn wieder lachen sehen, daher fragte sie ihn: „Warum bist du so traurig, was ist passiert?“ Der alte Mann starrte ins Leere, er wirkte nachdenklich. „Meine Frau ist sehr krank“, erzählte er, „Ich tue alles, damit es ihr besser geht, doch sie wird immer schwächer. Ich habe große Angst sie zu verlieren. Keiner kann mir helfen. Ich wünsche mir so sehr, dass es ihr wieder besser geht“. Pustel lächelte, sie dachte an ihre Schirmchen und erklärte dem alten Mann: „Nun, ich bin doch eine Pusteblume, wenn du meine Schirmchen weg pustest und dir dabei etwas wünschst, wird deine Frau vielleicht wieder gesund“. Der alte Mann schaute Pustel an, seine Augen blitzten vor Freude auf. Zögerlich erwiderte er: „Pustel, wenn ich deine Schirmchen weg puste, dann hast du keine mehr. Ich möchte dir nicht all deine Schirmchen nehmen, nachher frierst du noch im Regen“. Pustel versuchte den alten Mann zu beruhigen: „Pusteblumen sind dafür da, Menschen glücklich zu machen und anderen Pusteblumen das Leben zu schenken. Es macht mir nichts aus, Schirmchen zu verlieren. Du darfst über meinen Schirmchen pusten, nur pflücke mich bitte nicht“. Der alte Mann strich liebevoll über die Schirmchen von Pustel, seine Augen glänzten voller Dankbarkeit. „Nun gut Pustel“, sagte er, „Ich puste ein paar von deinen Schirmchen weg, doch ich pflücke dich nicht“. Der alte Mann pustete sanft über Pustel, sein Atem kitzelte sie. Ein paar Schirmchen lösten sich und flogen davon. Pustel und der alte Mann schauten ihnen hinterher. „Pustel, ich danke dir. Mir geht es schon viel besser. Ich werde nun nach Hause zu meiner Frau gehen und darauf hoffen, dass sie wieder gesund wird. Ich komme dich besuchen, zusammen mit meiner Frau. Ich danke dir Pustel. Bis bald“; Pustel und der alte Mann verabschiedeten sich.

Pustel betrachtete ihr Kleid; mit weniger Schirmchen sah es anders aus als sonst, doch das störte sie nicht. Sie hatte nun verstanden, was ihre Geschwister ihr einst sagen wollten: „Anderen zu helfen, ihnen ihre Wünsche zu erfüllen, macht einen selbst glücklich. Glücklicher, als eigenen Wünschen nachzugehen“. Pustel freute sich, dem alten Mann geholfen zu haben. Sie lächelte. „Hoffentlich kann ich noch einem Menschen einen Wunsch erfüllen“, dachte Pustel bei sich. Sie schloss ihre Augen und sonnte sich.

Einige Zeit später, am frühen Nachmittag, hörte Pustel aus einiger Entfernung eine Frau laut schimpfen. Sie öffnete die Augen und drehte sich um. Die Frau kam näher. Sie sah verärgert aus. Ihre Augen waren verkniffen, ihr Mund wirkte hart und verbissen. Die Frau schimpfte weiter und ließ sich neben Pustel nieder. Pustel beschloss, die Frau zu fragen, was sie verärgert hatte. „Hallo, ich bin Pustel“, begrüßte sie die Frau, „Du schimpfst ganz laut und du wirkst verärgert. Was ist passiert, vielleicht kann ich dir helfen?“.

Die Frau hörte auf zu schimpfen, sah Pustel überrascht an und antwortete: „Hallo Pustel. Lieb, dass du fragst. Du hast recht, ich bin sehr wütend. Meine ganze Ernte ist durch eine Käferplage verdorben. Ich habe alles probiert, doch die Käfer hören nicht auf, meine Felder zu zerstören. Wenn das so weiter geht, verdiene ich den ganzen Sommer über kein Geld. Dann kann ich die Pacht nicht bezahlen und verliere meinen Hof. Doch, liebe Pustel, wie könntest du mir helfen?“

Pustel war ganz aufgeregt vor Glück, sie konnte einem Menschen einen Wunsch erfüllen. Sie erklärte der Frau: „Ich bin doch eine Pusteblume, meine Schirmchen erfüllen Wünsche, wenn du sie weg pustest“. „Pustel, dass ist eine tolle Idee“, sagte die Frau, „Doch, wenn ich deine Schirmchen weg puste, dann hast du keine mehr und verbrennst in der Sonne. Das möchte ich nicht“. Pustel überlegte, sie dachte an ihren Wunsch, den ganzen Sommer lang leben zu wollen zurück; doch sie entschied sich, der Frau zu helfen, denn sie war eine Pusteblume: „Puste nicht alle meine Schirmchen weg und pflücke mich nicht; so kann ich noch ein bisschen auf meiner Wiese stehen kann. Ich möchte die letzten Sonnenstrahlen meines Lebens genießen“, sagte Pustel zu der Frau. Die Frau war ganz gerührt, Tränen liefen über ihr Gesicht. „Nun gut Pustel, ich will ganz vorsichtig über deine Schirmchen pusten und mir etwas wünschen“, flüsterte sie. Die Frau beugte sich behutsam über Pustel, öffnete leicht ihren Mund und pustete über die Schirmchen von Pustel. Ein paar lösten sich und flogen davon. Pustel und die Frau schauten ihnen hinterher. „Vielen Dank Pustel, ich gehe jetzt nach Hause und versuche, die Käfer von meinen Feldern zu vertreiben. Ich besuche dich bald wieder. Pass gut auf dich auf“. Mit diesen Worten verabschiedete sich die Frau von Pustel.

Pustel betrachtete erneut ihr Kleid. Es hatte noch weniger Schirmchen als vorher. Pustel fühlte sich nackt und zum allerersten Mal bekam sie etwas Angst. Sie wusste, dass sie bald keine Schirmchen mehr hatte; dann würde sie nicht mehr auf ihrer Wiese stehen. „Doch ich habe andere glücklich gemacht, das ist alles was zählt“, dachte Pustel bei sich. Ihren eigenen Wunsch hatte Pustel vergessen. Sie schloss ihre Augen, um ihre letzten Sonnenstrahlen zu genießen. Pustel schlief in der Sonne, glücklich wie immer. Sie träumte davon, mit ihren letzten Schirmchen einem anderen Menschen einen Wunsch zu erfüllen oder vom Wind davon getragen zu werden, um anderen Pusteblumen das Leben schenken zu können.

Pustel wurde von einem lauten Lachen geweckt, schläfrig öffnete sie die Augen. Es war später Nachmittag, die Sonne stand tief. Pustel sah ein kleines Mädchen auf sie zu rennen. Das Mädchen lachte fröhlich, ihr Haar wippte beim Rennen hin und her. Pustel war von diesem Mädchen ganz entzückt. Daher wollte sie dem kleinen Mädchen mit ihren verbliebenen Schirmchen einen letzten Wunsch erfüllen. „Hallo“, sprach Pustel das Mädchen an, „Ich bin eine Pusteblume, wenn du an meinen Schirmchen pustest, dann kannst du dir etwas wünschen“. Das Mädchen sah Pustel neugierig an. Dann lächelte und beugte sich über Pustel. „Hallo Pustel, ich bin Isabell. Ich weiß, was eine Pusteblume ist. Du siehst aber ganz anders aus, wie die Pusteblumen, die ich kenne. Wo sind denn deine Schirmchen hin?“ Pustel antwortete: „Die sind von Menschen weg gepustet worden, die sich etwas von mir gewünscht haben. Einen Wunsch kann ich noch erfüllen, ich möchten ihn gerne dir schenken“. Isabell sah Pustel an, in ihren Augen sammelten sich kleine Tränen, sie flüsterte: „Aber Pustel, wenn ich mir jetzt etwas von dir wünsche und deine Schirmchen weg puste, dann hast du keine mehr. Dann bist du ganz nackt und du kannst nicht mehr auf deiner Wiese stehen, um die warme Sonne zu genießen“. Pustel dachte nach, Isabell hatte recht, doch sie wollte das Mädchen glücklich machen, denn das war ihre Aufgabe als Pusteblume. „Das macht mir nichts Isabell, ich habe viele Sonnen genossen und gerne gelebt. Ich bin bereit, mit meinen Schirmchen für einen Wunsch oder neues Leben davon zu fliegen. Pflück mich Isabell und wünsch dir was“.

Isabell sah Pustel an, sie dachte nach. Plötzlich lachte sie und sagte: „Pustel, ich habe eine Idee. Ich wünsche mir etwas für dich. Es gibt doch bestimmt einen Wunsch, den du hast. Ich brauche nichts und es würde mich glücklich machen, dir einen Wunsch erfüllen zu können. Pustel war von Isabells Mitgefühl ganz gerührt, ihr wurde ganz warm um ihre Schirmchen.

Pustel wurde klar, dass sie durch Isabell etwas Wichtiges gelernt hatte. Sie hatte gedacht, dass es ihre Aufgabe sei, andere glücklich zu machen; dass sie eigene Wünsche dafür zurückstellen muss. Doch Glück entsteht durch ein Geben und ein Nehmen; es macht glücklich, anderen etwas zu geben, doch man darf auch Dinge von anderen nehmen, sich selbst etwas vom Leben wünschen.

Pustel dachte über ihren Wunsch nach. Sie wollte ihn nicht länger zurückhalten und beschloss, Isabell von ihrem Wunsch zu erzählen: „Ich habe einen großen Wunsch. Ich möchte einen Sommer lang auf meiner Wiese stehen, um das Leben zu fühlen; die Sonne, den Regen und auch den Wind. Das Leben ist so wunderbar, ich liebe es.“ Isabell lachte und klatschte in ihre Hände. „Pustel, so machen wir es. Ich puste sanft deine letzten Schirmchen weg und ich wünsche mir etwas für dich, doch ich pflücke dich nicht. Bist du bereit Pustel?“, fragte Isabell. Pustel nickte.

Isabell öffnete leicht den Mund und flüsterte leise „Pustel, ich wünsche mir für dich deine Schirmchen zurück, damit du einen Sommer lang auf deiner Wiese stehen kannst“. Dann pustete Isabell ganz leicht über ihre Schirmchen. Pustel schloss die Augen. Sie spürte, wie der sanfte Hauch von Isabell ihre letzten Schirmchen davon trug. Pustel war in diesem Moment glücklich; so, wie sie es in allen anderen auch gewesen war. Sie war dankbar, für all die Momente, die sie erlebt hatte und, dass sie gelernt hatte, was Glück bedeutet. Pustel wusste nun, dass sie auf einer anderen Wiese in ihren Geschwistern weiterleben würde – darauf freute Pustel sich, denn sie hatte sehr gerne gelebt; Pustel hatte ihr Leben geliebt.

Entscheidung

Du sagst: „Ich habe Angst, dich nicht glücklich machen zu können; dass ich dir nicht genüge, wie ich bin. Liebe hat mir meistens Schmerz zugefügt, nun bin ich selbst zu diesem Gefühl geworden. Oft füge ich anderen Menschen Schmerzen zu; ungewollt, am ehesten denen, die mein Herz berühren. Anderen Menschen zeige ich ungern meine Gefühle, ich kann so etwas einfach nicht gut. Auch dir werde ich nicht zeigen können, was ich für dich fühle. Sag mir, wie ich dich dann glücklich machen soll?“

Ich sage: „Es ist nicht deine Aufgabe, mich glücklich zu machen. Dafür muss ich selbst sorgen. Doch vielleicht können wir in unserer Zweisamkeit ein bisschen Glück finden; indem wir unser Leben teilen, die guten und die schlechten Momente. Ich weiß, dass du Angst hast, denn ich fühle dich. Auch ich habe Angst. So wie du, bin ich ebenso oft verletzt worden. Doch ich habe gelernt, dass ich mich nur selbst verletze, wenn ich meinen Schmerz unbewusst an andere Menschen weitergebe. Es macht mich einsam und stimmt mich traurig; etwas, was ich mir für dich nicht wünsche. Ich mag dich so wie du bist und ich möchte dich lieben dürfen, wenn du es zulassen kannst. Zeig mir deine Zuneigung auf deine Art und Weise, so wie du es kannst. Rede mit mir, über das, was dich bewegt. Es würde mich freuen, wenn du mir einen Platz in deinem Leben geben kannst; einen warmen Raum, für uns zwei.

Was ich auf keinen Fall will, ist ständig um dich kämpfen zu müssen, dir meine Liebe beweisen zu müssen. Ich zwinge dich nicht, mich zu lieben und ich überrede dich auch nicht, einen Schritt auf mich zuzugehen. Du bist frei, in deiner Entscheidung. Ich bin bereit für die Liebe, dazu dich zu lieben. Ob du das Wagnis eingehen willst, kannst nur du wissen, nicht ich. Ich kann dir nur zeigen, wie wichtig du bist. Doch eine Entscheidung für uns, für mich, die triffst du, nicht ich.“

Zeitfenster – Throwback –

Dieses Gedicht ist über zehn Jahre alt; jede Woche werde ich unter der Rubrik Throwback ein älteres Werk von mir veröffentlichen. Auch, wenn die Reime holprig sind. Liebe Grüße m, eure Lene.

Im Frühling weht ein Blatt vom Wind,

es lächelt am Fenster ein kleines Kind.

Farben wechseln, Jahre vergehen,

es kommt am Fenster eine Frau zum Stehen.

Es weht ein Blatt, doch sie lächelt nicht,

sie hat es verloren, ihr Glück in sich.

abc.Etüden – Das schöne Haus –

Die abc. Etüden https://365tageasatzaday.wordpress.com/2021/05/16/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-20-21-21-wortspende-von-red-skies-over-paradise/ sind eine Schreibeinladung von Christiane, Blog: irgendwas ist immer.

Die Wörter für die Textwochen 18/19 des Schreibjahres 2021 stiftete Red Skies over Paradise. Sie lauten:

Baracke
lau
widerfahren (umgekehrte Reihenfolge bei mir)

Wie immer an dieser Stelle der Verweis auf den Etüden-Disclaimer. Die Headline für die Etüden heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.

Christa saß auf ihrer Terrasse; in der linken Hand ein Glas Wein, in der rechten eine Zigarette. Es war ein schöner Sommerabend, der Wind wehte lau und mild über ihr Gesicht. Christa war eiskalt. Sie nippte an ihrem Wein, der wie bittere Medizin schmeckte und zog an ihrer Zigarette. Thorsten hatte sie verlassen. Einfach so, nach 15 Jahren Ehe. Er hatte sich verliebt, in seine Arbeitskollegin Sabine. Mit Sabine sei alles unkomplizierter, einfacher als mit ihr. Kein ständiges Gemecker, kein Gezeter, wie Thorsten sagte.

Christa und Thorsten hatten sich in den Zwanzigern kennengelernt, beide gerade mit dem Studium fertig. Die Welt stand ihnen offen. Sie reisten, gingen Essen, hatten Spaß zusammen. Sie dachte an die zertanzten und verquatschten Abende zurück, die voller Glück und Freude waren; an denen sie sich gegenseitig von ihren Träumen erzählt hatten. Sie waren glücklich zusammen, innig miteinander.

Die Zeit verging, die glücklichen Abende wurden weniger; beide eingespannt im Beruf und gestresst vom Alltag. Sie verloren sich, redeten nicht mehr miteinander und ab einem gewissen Zeitpunkt träumten beide nur noch für sich. Irgendwann fingen die Streitereien an; um Geld, den unerfüllten Kinderwunsch. Ihre Ehe veränderte sich. Von ihrem ehemals schönen Haus mit Rosengarten, blieben nur noch Reste zurück, die mit der Zeit immer mehr zerfielen – am Ende blieb eine Baracke zurück.

Christa starrte gedankenverloren auf die Hollywoodschaukel, in der sie abends oft mit Thorsten zusammen gesessen hatte; der Sternenhimmel funkelte über ihnen. Christa schluckte. Ihr wurde klar, dass beiden nur das Leben widerfahren war; Liebe verändert sich mit der Zeit, manchmal verlieren Menschen sich, einer bleibt eben zurück.

Christa weinte bitterlich. Sie dachte an Thorsten und an ihr gemeinsames Haus mit dem Rosengarten; beides wünschte sie sich zurück.

Heut‘

Heut‘ reimt sich der Schmerz so schön aufs Herz,

regnet mein Gemüt, wie ein Tag im März.

Heut‘ dämmert der Tag, scheint kein Licht,

fühlt sich der Satz, „das Herz zerbricht“.

Heut‘ ziehn Stunden schwer, weht kein Wind,

weil nicht alle Tage, die guten sind.

Haut

Deine Seele, legt sich wie eine zweite, warme Haut über mich; vor der Kälte beschützt sie mich. Wir zwei, du und ich, sind wie eine kleine, warme Welt voll von Liebe in sich.

Du darfst

Du darfst sein, mit deinem Körper; wahrnehmen, wie Wind leicht dein Haar durchfährt, Sonne wärmend deine Haut berührt.

Du darfst sein, mit deiner Seele; fühlen, wie Liebe behutsam dein Herz öffnet, Schmerz bitter-süß verletzt, dich manchmal auch verschließt.

Du darfst sein; mit deinem Körper und deiner Seele. Genieße dein Sein, mit all seinen Facetten, durch wahrnehmen und fühlen.

Sei einfach voll und ganz da, in diesen vergänglichen Momenten, die sich Leben nennen; unser Leben wirkt heilsam auf uns, wenn wir verstehen, wie reich wir durch unser Sein beschenkt worden sind.

Eine Kindergeschichte – Pünktchen, der Marienkäfer

Es war einmal ein kleiner Marienkäfer, der Pünktchen hieß. Als Pünktchen geboren wurde, war er anders als seine Brüder und Schwestern. Auch wie seine Freunde. Er war sehr klein und schwach, doch er wuchs, wurde größer und stärker.

Doch trotz allem blieb Pünktchen immer anders als alle anderen Marienkäfer. Er war kleiner, schwächer als sie und das Fliegen fiel ihm sehr schwer. Seine Flügel waren zu klein dazu. So dachte Pünktchen zumindest. Er fühlte sich klein und schwach.

Pünktchen sah auch anders aus, als seine Geschwister und Marienkäfer – Freunde; das Leben hatte sein Kleid anders bemalt. Pünktchen waren nur 5 Punkte geschenkt worden, die sich unregelmäßig auf seinem Kleid verteilten. So sah er es zumindest.

Pünktchen war mit seinen Besonderheiten unzufrieden. Oft war er auch sehr traurig darüber. Er blickte neidisch auf seine Marienkäfer – Freunde, deren Kleider viele Punkte hatten und fühlte sich von ihnen ausgeschlossen, fast ausgegrenzt. Pünktchen fühlte sich einsam und unverstanden. Oft stand er am See und betrachtete traurig sein Spiegelbild. „Niemand mag mich leiden“, dachte er traurig. „Ich werde niemals echte Freunde finden, auch keinen anderen Käfer, der mich schön findet, denn ich sehe ganz anders aus; gar nicht wie ein Marienkäfer. Ich bin zu klein und zu schwach, um ein guter Käfer zu sein“. Pünktchen sonderte sich von seinen Geschwistern und Marienkäfer-Freunden ab. Er wurde immer einsamer und mürrischer. „Sie mögen mich sowieso nicht; nicht so wie ich bin“, sagte Pünktchen oft traurig zu sich selbst. Sein kleines Herz wurde im Laufe der Zeit so hart wie ein Stein. Pünktchen fühlte sich traurig und allein.

Eines Tages beschloss Pünktchen wegzufliegen, um Marienkäfer-Freunde zu finden, die wie er waren. „Diese Käfer mögen mich bestimmt, denn sie wissen, wie es ist, anders zu sein“, dachte Pünktchen sich. Ohne seiner Familie und seinen Marienkäfer – Freunden Aufwiedersehen zu sagen flog er davon.

Pünktchen kam nicht sehr weit, seine Flügel waren zu schwach um lange fliegen zu können. Er war nicht oft geflogen, denn Pünktchen dachte, seine Flügel seien zum Fliegen zu klein. Daher benutzte er sie nicht. Pünktchen beschloss, auf einer Wiese zu landen, damit seine Flügel ausruhen konnten.

Pünktchen betrachtete seine Umgebung, Mohnblumen blühten rot schimmernd im Licht um ihn herum. Solch ein schönes Rot hatte er noch nie gesehen. Plötzlich hörte Pünktchen ein Zirpen, mit unbekannten Tönen und Klängen. Er drehte sich um und sah eine Grille. „Hallo du, ich bin Pünktchen, wer bist du?“, fragte er. Die Grille antworte: „Ich bin Zirpie, schön dich kennenzulernen Pünktchen“.

„Ich freue mich auch, dich kennenzulernen Zirpie“, antworte Pünktchen. Er fragte: „Du, sag mal, du zirpst anders, als alle Grillen, die ich kenne. Darf ich fragen warum?“

„Natürlich darfst du das“, erwiderte Zirpie, „Ich bin so geboren worden, mit meinen Tönen und Klängen. Ich kann nur auf diese Weise zirpen“. „Bist du denn nicht traurig darüber, anders als alle anderen Grillen zu sein?“, fragte Pünktchen überrascht. „Nein, wieso? Alle meine Freunde freuen sich über mein Zirpen. Zusammen zirpen wir Melodien, die nur durch meine Töne und Klänge, möglich sind“, erklärte Zirpie.

Pünktchen schaute Zirpie lange an, er dachte nach: Anders zu sein, schien gar nicht schlimm zu sein. Auch wenn man besonders ist, kann man echte Freunde finden, die mit der Besonderheit umgehen können. Anders zu sein, kann anderen sogar Freude bringen; sich selbst auch. „So habe ich es noch nie gesehen“, sagte Pünktchen zu Zirpie, „Es ist wohl gar nicht so schlimm, anders zu sein“. „Nein, das ist es nicht“, erwiderte Zirpie. „So, Pünktchen, ich muss nun weiter, meine Freunde warten auf mich. Wir wollen zusammen noch ein paar neue Melodien einzirpen. Es hat mich sehr gefreut, dich kennenzulernen zu dürfen. Pass gut auf dich auf Pünktchen. Vergiss nie, wie besonders du bist. Ich mag übrigens dein Kleid. Einen Marienkäfer wie dich, habe ich noch nie gesehen; so ein schönes Rot mit 5 schwarzen Punkten. Deine Punkte ergeben, wenn man genau hinsieht, ein gezeichnetes Herz. Wunderschön. Deine Freunde freuen sich bestimmt, wenn sie dein Kleid ansehen. Alle werden gerne an Liebe erinnert. Mach’s gut Pünktchen“. Zirpie hüpfte davon und ließ Pünktchen allein.

Pünktchen fühlte sich durch das Gespräch mit Zirpie gestärkt. Mit neuen Mut war Pünktchen bereit, weiter zu fliegen. Er hob ab. Es war ein seltsames Gefühl, das Fliegen fiel Pünktchen plötzlich viel leichter als sonst. Er flog so hoch wie nie und genoss die wärmende Sonne auf seinen Flügeln. „Ich sollte viel öfter fliegen“, dachte Pünktchen. „Ich kann es richtig gut“. Pünktchen freute sich sehr über diese neue Erfahrung und flog weiter, über grüne Wiesen und viele Felder. Irgendwann wurde er müde und beschloss, sich auf einem Stein an einem See auszuruhen.

Es war bereits später Nachmittag. Die Sonne stand tief und spiegelte sich im See. Pünktchen betrachtete sein Spiegelbild, doch er fand daran immer noch wenig, was ihm gefiel. „Zwar kann ich nun gut fliegen“, sagte er zu sich selbst, „doch, was bringt mir ein Herz auf meinem Keid, wenn ich immer noch zu klein und zu schwach bin, um ein echter Marienkäfer sein zu können. Ich bin einfach zu anders, zu besonders. Keiner mag mich so, wie ich bin“. Pünktchen wurde wieder traurig, er dachte an die anderen Marienkäfer, die er ohne ein Wort des Abschieds zurückgelassen hatte. „Ob sie schon bemerkt haben, dass ich weggeflogen bin?“, fragte er sich. Pünktchen vermisste sie.

Plötzlich hörte Pünktchen ein Geräusch im Wasser und drehte sich um. Er sah einen Frosch, der ebenfalls auf einen Stein saß, die letzten Sonnenstrahlen genoss und versuchte Fliegen zu fangen.

Der Frosch sah ganz anders aus, als alle Frösche, die Pünktchen jemals gesehen hatte. Er war nicht grün, sondern rot.

„Hallo du“, begrüßte Pünktchen den Frosch, „Ich bin Pünktchen, darf ich fragen, wie du heißt?“

„Natürlich darfst du das“, antwortete der Frosch. „Ich bin Quak, freut mich, dich kennenzulernen Pünktchen.

„Mich auch Quak“, erwiderte Pünktchen. „Sag mal Quak, du hast eine ganz andere Farbe, als alle Frösche, die ich kenne. Es ist doch bestimmt nicht immer leicht für dich, besonders zu sein. Bist du nicht traurig darüber, anders auszusehen?“

Quak sah ihn mit seinen dunklen, große Augen an und antworte: „Nein, wieso Pünktchen. Ich bin so geboren worden und ich mag mich so wie ich bin. Trotz meiner Farbe bin ich ein vollwertiger Frosch. Meine Freunde beneiden mich sogar um meine rote Haut; im Sonnenlicht spiegelt sie sich ganz anders, als die von ihnen. Sie lieben es, sie im Sonnenspiel zu beobachten und erfreuen sich an den vielen Farben, die sie dann sehen“.

Pünktchen konnte es plötzlich verstehen, er sagte zu Quak: „Vielen Dank für deine Antwort Quak. Du hast mir geholfen, zu erkennen, wer und was ich bin“. „Das freut mich Pünktchen, gern geschehen. So, ich muss nun weiter. Meine Freunde warten auf mich. Wir wollen zusammen noch ein paar Fliegen fangen. Ich mag übrigens deine Flügel, sie schimmern glitzernd im Licht. Du wirkst stark und mutig auf mich, besonders. So einen Marienkäfer wie dich, habe ich noch nie gesehen. Pass gut auf dich auf Pünktchen. Aufwiedersehen“. Quak hüpfte davon, Pünktchen sagte ihm Lebewohl. Er schaute ihm noch einige Zeit nach.

Dann drehte sich Pünktchen herum, er wollte sein Spiegelbild im See ansehen. Er war erstaunt, es sah ganz anders aus, als er es in Erinnerung hatte. Zum allerersten Mal konnte Pünktchen sein Spiegelbild so sehen, wie es wirklich war. Es zeigte keinen kleinen, schwachen Marienkäfe, denn seine Flügel schimmerten im Licht. Pünktchen wirkte stark und mutig. Er drehte sich herum, er wollte auch sein Herz auf seinem Kleid ansehen. Sein Kleid hatte wirklich ein aufgemaltes Herz, was Pünktchen sehr gefiel. Vorher war es ihm nie aufgefallen. „Wie schön ich doch bin“, dachte Pünktchen sich. Er drehte sich wieder herum und betrachtete erneut sein Spiegelbild. Pünktchen lächelte, er war glücklich und zufrieden mit sich. „Ich bin so geboren worden, stark und mutig. Ich bin gut so wie ich bin. Selbst mit meinem Kleid, das besonders ist“, flüsterte Pünktchen stolz.

Pünktchen begriff, dass er sich selbst klein und schwach gesehen hatte, durch ein Spiegelbild in seinem Kopf, das es nicht gab. Er war besonders, anders, doch die anderen Marienkäfer haben ihn trotzdem gemocht; so wie er ist. Er selbst hatte sich leiden können, weil er anders war. Er war grob gewesen, hatte die anderen abgewiesen, da er dachte, dass seine Geschwister und seine Marienkäfer-Freunde ihn so wie er ist nicht mögen würden.

Pünktchen beschloss, zu seiner Familie und zu seinen Marienkäfer-Freunden zurückzufliegen. Der Weg war lang, es dämmerte bereits. Doch Pünktchen wusste, dass er es schaffen würde. Er fühlte sich mutig und stark genug dazu. Seine Flügel würden ihn tragen, überall hin.

Pünktchen hob ab, dem Himmel entgegen. Er freute sich darauf, seine Familie und seine Freunden wiederzusehen, um sie mit seinem Herz-Kleid zu erfreuen. Pünktchen würde sich nun nicht mehr einsam fühlen, er gehörte dazu.

Pünktchen lächelte beim Fliegen, er wusste nun, wer er war: Ein mutiger Marienkäfer, mit einer Besonderheit; zwei großen Herzen, eins von innen und eins von außen.

Tinte

Mut ist unsere Tinte, um die Worte auszusprechen, die bereits in unserem Herzen geschrieben sind; wir müssen sie nur benutzen.

Farbe

Zeige deine Liebe, lass‘ sie andere fühlen und spüren. In rot, gelb oder grün; in kleinen Worten, Taten oder Gesten für dein Gegenüber – so, wie du es kannst und es dir möglich ist.

Liebe zu spüren, an Menschen weiter zu geben, die du liebst bzw. magst, macht dein Leben ein stückweit heller und bunter, ist Nahrung für deine Seele und dein Herz; zu lieben und zurück geliebt zu werden, ist eine der schönsten Erfahrung, die man im Leben fühlen darf.