Es ist Sonntag, das Wochenende ist vorbei Was hat sie in den letzten zwei Tagen gemacht? Nichts, außer Haushaltstätigkeiten nachzugehen, einzukaufen und ins Fitnessstudio zu gehen. Alles allein, alles wie immer. Sie seufzt: In ihrer Komfortzone ist es warm, gemütlich und ziemlich einsam.
Sie hat keine Familie, keinen Partner und keine Kinder. Von ihren Freundinnen hat sie sich entfernt. Dafür hat sie ihre Karriere. Nur bringt ihr die keinen Kaffee ans Bett; sie ruft sie auch nicht an um zu fragen, wie es ihr geht oder ob sie ausgehen will. So bleibt sie allein zu Hause. Wochenende für Wochenende. Doch wie ist es überhaupt soweit gekommen?
Früher ging sie viel mit Freunden aus. Ob Tanzen, Essen gehen oder Barbesuche. Sie war immer unterwegs. Doch als ewiger Single, bei dem es einfach nicht mit der Liebe klappen wollte, wurde sie zum Einhorn, das irgendwann allein auf der Weide graste: Sie sah zu, wie ihre Freundinnen Partnerschaften eingingen, heirateten und Kinder bekamen. Man lebte sich auseinander. Jeden Tag ein bisschen mehr. Aus regelmäßigen Treffen wurden jährliche Zusammentreffen an Geburtstagen, die ein schales Gefühl bei ihr hinterließen. Sie stellte fest, dass Erinnerungen Menschen nicht für immer aneinander bindet, vor allem wenn keine neuen hinzukommen. Ein „Weißt du noch damals (…).“ reichte ihr irgendwann nicht mehr, um sich verbunden zu fühlen.
Damals gibt es nicht mehr. Sie ist ein anderer Mensch und sucht nach Verbindung, die über Erinnerungen hinausgeht; die durch Austausch und gemeinsame Erlebnisse wächst und sich vertieft. Doch obwohl sie weiß was sie will, wird es nicht einfacher für sie. Sie macht es sich selbst unnötig schwer.
Ihr Antrieb etwas an ihrer Situation zu verändern ist verloren gegangen. Sie muss sich eingestehen, dass sie still geworden ist und es sich bequem gemacht hat. Ihr Suchen hat sie aufgegeben und ihre Fragen an ihre Freunde sind verstummt. Sie nimmt ihre Einsamkeit hin. Obwohl sie nicht glücklich damit ist. Tief im Inneren weiß sie, dass sie selbst etwas verändern muss. Sie muss aktiv werden, das Gespräch suchen und sich für Neues öffnen. Die Gefahr ist zu groß, dass die Komfortzone zur dunklen Ecke wird, in der sie sich versteckt. Lebenslang. Dabei lebt Leben von Verbindung mit anderen. Und sie will leben. Lieber heute als Morgen.
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