Wir leben in unseren Mauern und betrachten Leben von unserem Turm aus: Wann kommt der Prinz und wer tötet unsere Drachen? Und was ist, wenn uns niemand rettet? –
wir nennen es Schicksal und akzeptieren es, wenn sich unsere Träume nicht erfüllen; machen es uns warm und gemütlich in unserem Turm. Bis wir verstehen, dass wir Gottes Schöpfung sind und ein Funken von ihm in uns steckt: Wir können uns für das Leben entscheiden, unser Haar aus dem Fenster werfen, um aus unserem Turm zu klettern.
Wir sind unser Schicksal, Prinzen und Drachentöter – ein Funke, der leuchtet und Träume selbst entzündet.
Die Zeit vergeht und doch steht sie still. Zumindest für sie. Sätze ihrer Mutter bohren sich immer noch wie ein Schwert in ihr Herz: „Du bist nicht gut genug. Du bist eine Last.“ Noch heute stellen ihr diese Annahmen ein Bein: Zum Beispiel bei der Jobsuche oder ihrer Partnerwahl. Wie kann sie ihre Muster durchbrechen und zu einem Mensch werden, der sich selbst liebt und dem Leben vertraut?
Sie steht am Grab ihrer Mutter. Die Beerdigung ist vorbei. Dann nimmt sie Abschied von ihr und den alt bekannten Sätzen: Ihr wird klar, dass sie selbst entscheidet, welches Erbe sie antritt.
Sie blickt in den Spiegel: Erste graue Haare und Falten sind zu sehen. Wo sind die Jahre hin, die in ihrem Spiegelbild flüstern; der Wimpernschlag Zeit, der an ihr vorbeizieht: Arbeit, Verpflichtungen und dazwischen die Suche nach dem großen Glück. Doch wie sieht dieses Glück aus?
Die meisten suchen im Außen danach: In Anderen oder in einer Aufgabe. Doch was ist, wenn sie dieses Glück niemals findet? Und sieht eigenes, inneres Glück bloß aus?
Dann wird ihr klar, was sie glücklich macht: Die Tatsache, graue Haare und Falten zu haben. Ihr Glück ist es zu leben, an jedem einzelnen Tag.