Vielerlei


Dienstagsdrabble

Fieber, Wolken, Wimpern

Das Leben ist anstrengend für sie; wie ein Fieber, das sie ergreift und lahm legt: Sie fühlt zu viel, zu intensiv und wird von ihren Gefühlen umgeworfen. Sie seufzt, fragt sich, ob es immer so schwer für sie sein wird.

Dann blickt sie in die Wolken, spürt ihre Weichheit und lässt sich fallen. Ihr Herz schlägt ruhig, alles ist federleicht. Ihr wird klar, dass ihr intensives Fühlen eine wertvolle Fähigkeit ist. Wenn sie sich akzeptiert wie sie ist, wird es leichter für sie. Sie pustet eine herausgefallene Wimper mit einem Gedanken in die Luft: „Leben ist fühlen und ich bin.“


Er liegt neben ihr auf einer Picknickdecke. Beide teilen diesen Moment, der stille Nähe zwischen ihnen flüstert. Ihre Hände berühren sich leicht, spüren ein zartes Versprechen, das sehnsüchtig wartet. Sie fühlt seinen Herzschlag, es kribbelt in ihr. Als sie ihren Kopf zur Seite dreht und ihm in die Augen schaut, packt es sie wie Fieber: Beim Anblick seiner langen Wimpern und den fröhlichen Grübchen lächelt sie glücklich. Er zieht sie zu sich und küsst sie. Ihr wird heiß und kalt; sie begreift, dass sie zum allerersten Mal verliebt ist. Unter den Wolken küssen sie sich erneut. Die Zeit steht still.

Dienstagdrabble

Atem, Glas, Narbe

„Das sagst du immer. Ständig diese Vorwürfe von dir“, brüllt sie. Ihr Atem rast, sie ist auf Hundertachtzig. Er sagt nichts, dreht sich um und geht. Sie wird noch wütender und folgt ihm. Auf dem Weg bleibt ihr Blick am Spiegel hängen. Ihr Kopf ist purpurrot, ihre Augen blicken hasserfüllt. Sie erschreckt, dann wird ihr klar, was geschehen ist: Er hat ihre Narbe berührt und ihr Inneres ist wie Glas zersprungen. So kann es nicht weitergehen, sonst verliert sie sich in ihrem Gefühl nicht genug zu sein. Sie blickt in den Spiegel und sagt laut: „Ich sehe dich mein Kind.“


Sie ist empfindlich, zerbrechlich wie Glas: Bemerkungen anderer über sie lassen ihren Atem stocken und ihr Herz rasen. Das Leben ist wie ein Versteckspiel für sie. Sie läuft auf Zehenspitzen, damit sie keine Blicke auf sich zieht und ihre Narbe nicht getriggert wird. Wenn sie sich anpasst und nicht auffällt, nimmt niemand Notiz von ihr. Sie wird für andere unsichtbar; auch für ihre Ablehnung, die sie am meisten fürchtet. Tief in ihrem Inneren weiß sie, dass sie etwas ändern muss. Sie ist nicht glücklich und ihr ist klar, dass sie sich entscheiden darf: Für ein eindeutiges Ja zu sich selbst.

Die vier Kinder der Unendlichkeit und des Universums (Teil 2)

Teil 1:https://herzpoeten.com/2022/11/29/die-vier-kinder-der-unendlichkeit-und-des-universums-teil-1/

Wasser bemerkte, dass sie wie ein Mensch dachte und fühlte. Sie erinnerte sich an Purets Worte: „Gedanken sind der Anfang von allem. Wer unglücklich denkt, wird unglücklich sein“, sagte er einst zu ihr. „Wie meinst du das?“, hatte sie ihn gefragt. „Ein Gedanke ist wie ein Samen; er wächst, weil Menschen ihn immer wieder denken. Irgendwann ist er so groß, dass er ihnen die freie Sicht auf das Leben versperrt.“ „Und was bedeutet das für die Menschen?“ „Sie glauben ihrem Gedanken, weil sie die Welt nur noch durch seine Augen sehen. Schließlich werden sie eins mit ihm und vergessen, wer sie sind.“ „Was bedeutet das?“ „Sie fühlen sich wie ihre Gedanken, ohne zu wissen warum. Puret hatte Recht behalten. Wasser spürte, wie die Angst sie auffraß und sich ihre Erinnerungen an die Unendlichkeit und das Universum verloren. „Komm, wir müssen los. Die Schule wartet nicht auf uns“, rief Erde ihr zu. Zu viert verließen sie das Haus und machten sich auf den Weg.

Nachdem sie sich im Sekretariat gemeldet hatten, wurden sie in ihre Klasse geschickt. Die Lehrerin forderte sie auf, sich vorzustellen: „Nun, ja (…)“, druckste Feuer herum und sah Erde hilfesuchend an. „Das ist Farina, neben ihr steht Lulu, ich bin Erda und das ist Walisa. Wir vier sind Geschwister und freuen uns, euch kennenlernen.“ Das Herz von Wasser bekam einen Sprung. Ihr göttlicher Namen war durch einen weltlichen ersetzt worden. Sie fühlte sich verloren und einsam, ohne ihren göttlichen Funken, der sie an ihr Zuhause erinnerte. „Na dann Willkommen, ich weise euch eure Plätze zu“, sprach ihre Lehrerin.

Während all ihre Schwestern Sitzpartner erhielten bekam Wasser einen Einzelplatz. Niemand sprach mit ihr oder würdigte sie eines Blickes. Im Gegensatz dazu unterhielten sich ihre Geschwister angeregt mit ihren Sitzpartnern. Dann klingelte es zur Pause. Wasser war erleichtert. Sie wollte mit Erde über ihre Gefühle sprechen, um sie an ihren göttlichen Funken zu erinnern. Vielleicht konnte sie sich mit ihrer Geschwistern auf diese Weise wieder vereinen und nach Hause finden. Sie stand auf und bemerkte, dass sie alleine war. Ihre Schwestern waren ohne sie in die Pause gegangen. Ein großer Eiskristall zerschmolz auf ihrer Wange, sie zitterte vor Kälte. Weinend verließ sie das Klassenzimmer und ging auf die Toilette. Den Rest des Tages zog Wasser sich zurück. Nach dem Unterricht schlossen sich ihre Schwestern ihren Mitschülern an, während sie alleine nach Hause ging.

Beim Abendessen lauschte sie den oberflächlichen Gesprächen von Feuer und Luft über Jungs und Tanzveranstaltungen. Erde las in einem Mathematikbuch. Wasser stocherte in ihrem Essen rum und blieb still. Sie spürte eine Fremde zwischen sich und ihren Schwestern, die immer lauter wurde. Auch nach dem Abendessen blieb für sich, wälzte sich in ihren Kissen und fand keinen Schlaf. Ihr war eiskalt und sie dachte mit Schaudern an den nächsten Schultag.

Die Tage bis zum Schuljahr vergingen schnell. Die Schwestern entwickelten sich auseinander und sprachen kaum noch miteinander. Anstatt ihren Auftrag ihrer Eltern zu erfüllen, wurden sie zum Menschen: Sie verloren sich in ihren Gedanken und Gefühlen, die nicht der Liebe folgten, sondern dem Ego. Feuer war einzig und allein damit beschäftigt, Jungs um den Finger zu entwickeln. Stundenlang stand sie in ihrem Zimmer, schminkte sich oder probierte Kleider an. Sie fühlte sich allen überlegen und spottete über sie. Luft folgte Feuer, mit weniger Erfolg. Daher bemühte sie sich um andere und versuchte ihnen zu gefallen. Sie gab ihre Persönlichkeit auf und wurde unsichtbar. Im Gegensatz dazu hatte sich Erde dem Lernen verschrieben. Ihr Ziel war es Klassenbeste zu werden. Koste es, was es wolle. Dafür übernahm sie Extraaufgaben und nahm an kleinen Wettbewerben teil. Ständig verbesserte sie ihre Schwestern oder hielt ihnen vor, ihre Zeit nicht sinnvoll zu nutzen. Wasser bestand nur noch aus Angst und Wut. Alles was sie wahrnahm, verstand sie als Angriff gegen sich. Sie verhärtete immer mehr und blieb für sich. Ihr war ständig kalt und sie zitterte oft. An die Worte von Puret erinnerte sie sich nicht mehr. Auch nicht an die Unendlichkeit und das Universum. Sie hatte, wie ihre Geschwister, ihren ursprünglichen Namen vergessen. Jeder lebte für sich, mit dem Ziel, geliebt zu werden. Nicht um ihrer selbst willen, sondern für das, was sie taten.

Eines Tages kam es wegen des Abschlussballes zum großen Streit zwischen ihnen. „Du wusstest genau, dass ich mit Robert zum Ball gehen wollte“, giftete Luft. „Hast du dich mal im Spiegel angesehen? Ist doch klar, dass er mich gefragt hat“, erwiderte Feuer lachend. „Ach, jetzt hört doch auf. Ich kann es nicht mehr hören. Dieser blöde Ball. Ihr solltet lieber etwas Sinnvolles tun“, mischte sich Erde ein. Wasser spürte, wie ihr Zittern immer stärker wurde. Sie konnte die Kälte in sich nicht mehr aushalten und schrie: „Immer geht es nur um euch. Keiner von euch kümmert sich um mich. Ihr schließt mich ständig aus. Ihr seid entsetzlich, ich hasse euch und wünschte, ihr wärt nicht meine Schwestern.“ Plötzlich stritten alle laut miteinander: Sie schrien sich gegenseitig an, warfen sich lauthals Dinge vor und ließen kein gutes Haar am anderen. Wasser spürte wie die Kälte sie auffraß. Sie blickte auf ihre Hand, die zu Eis geworden war und erschrak. Dann bemerkte sie, dass Feuer in Flammen stand, während Luft kaum noch zu sehen war und Erde in sich zusammen fiel. Bevor es dunkel wurde spürte sie, dass ihr Herz zu Eis wurde.

Als Wasser die Augen öffnete, erblickte sie die Unendlichkeit und das Universum sowie ihre Geschwister. Sie erinnerte sich wieder an ihre Herkunft und ergriff das Wort: „Liebe Eltern, ich freue mich euch zu sehen. Ihr seid sicherlich enttäuscht von uns. Wir haben euren Auftrag nicht erfüllt, sondern sind dem Ego gefolgt und sind zum Menschen geworden. Bitte verzeiht uns.“ „Es gibt nichts zu verzeihen. Wir haben euch zur Erde geschickt, damit ihr das Leben kennenlernt und versteht, was es heißt, ein Mensch zu sein, der die reine Liebe sucht.“ „Sich in Gedanken und Gefühle zu verlieren, ohne es zu bemerken“, ergänzte Erde. Feuer senkte den Kopf: „Es tut mir leid, ich habe mich wirklich nicht gut benommen.“ „Das haben wir alle nicht“, sagte Luft. Wasser wurde neugierig: „Warum ist es euch wichtig, dass wir verstehen, was es heißt ein Mensch zu sein?“ Ihr habt so oft über die Menschen gelacht und ward der Ansicht, dass ihr es besser machen würdet als sie. Nun habt ihr gelernt, was es bedeutet zu leben und wie schwierig es ist, der reinen Liebe im Herzen zu folgen. Ohne den Gedanken und den Gefühlen des Egos zu verfallen. Wisst ihr, wir alle sind die Eltern der Menschen. Wenn ihr irdisches Leben endet, werden sie ein Teil der Unendlichkeit und des Universums. Wir geben ihnen ein Zuhause, bis sie wiedergeboren werden; in ein neues Leben, das erneut versucht, der reinen Liebe zu folgen. Wenn wir ihnen Wärme und Verständnis entgegenbringen wird ihnen das irgendwann gelingen.“ Die Geschwister nickten, umarmten sich und ihre Eltern. Sie würden sich daran erinnern, was es heißt ein Mensch zu sein und niemals wieder ihren Namen vergessen.

Juniverse

Die letzten Juniverse

Zyklop, Levianthan, Medusa, Golem, Irrlicht, Walküre, Feuergeist, Ungeheuer, fließen, Einhorn, Feuergeist

Juniverse

Faun, Waldschrat, Zentaur, Wölfe

Juniverse

Hydra, Sirene, Glühschwanz

Drabble: Ein früher Morgen

Tau, Smaragd, Melodie

Sie legt ihr Handy weg und öffnet die Terrassentür: Es ist früher Morgen: Tau glitzert im Gras, alles ist friedlich und still. Barfuß betritt sie den Holzboden, schließt die Augen und atmet die Luft des neuen Tages. Als sie die ersten Sonnenstrahlen auf ihrer Haut spürt, blickt sie auf den Eichenbaum, den ihre Mutter für sie gepflanzt hat; seine Blätter leuchten im Licht wie kleine Smaragde und flüstern Ewigkeit.

Plötzlich ergreift eine Melodie ihr Herz. Leise summt sie „Somewhere over the rainbow“, blickt in den Himmel und verabschiedet sich von ihrer Mutter. Sie weiß, dass sie sich eines Tages wiedersehen.

Juniverse

Pegasus, Gargoyles, Domnervogel

Zeilenliebe

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