Drabble: Am Ende

Komet, Wolf, Wurzel (hier Wurzeln)

Noch zweihundertvierzig Minuten bis der Komet einschlägt und das Ende der Welt einläutet. Annette überlegt, ob sie ihre letzten Stunden allein wie ein einsamer Wolf verbringen soll oder mit ihm zusammen. Sie greift zum Telefon.

Tom und Annette sitzen am Fenster und blicken zum Himmel. „Warum haben wir uns getrennt?“, fragt sie ihn. „Unser Ego war größer als die Liebe“, antwortet er. Annette seufzt und nickt.

Kurz vor dem Einschlag nimmt sie seine Hand und blickt ihn an: „Ich hoffe, wir treffen uns wieder, erinnern uns an die Liebe und schlagen Wurzeln.“ „Im nächsten Leben“, flüstert er und küsst sie.

Verschiedenes

Verschiedenes

Drabble: Glücksfinder

Drabble: Bambus, Seele, Balance

Leben

Haiku

Drabble: Blutmond

Blinker, Blutmond, Hölle

Anne schaut in den frühen Abendhimmel. Es ist Blutmond. Sie denkt an ihn und fühlt den Schmerz, der mittlerweile wie eine Droge für sie ist: Anne will immer mehr, auch wenn er sie verletzt. Das alles ist nichts Neues für sie.

Anne setzt die Blinker falsch, bleibt bei Männern stehen, die sie benutzen und mit ihr spielen. Sie sucht nach Liebe und verliert sich immer mehr: Blutrote Küsse bringen ihr keine Erlösungen, dafür wage Versprechungen, die ihr Lebel zur Hölle machen.

Am Nachthimmel leuchten die Sterne. Kahler Acker liegt vor ihr; so viel Land, das darauf wartet, bepflanzt zu werden.


Verschiedenes

Einsamkeit

Es ist Sonntag, das Wochenende ist vorbei Was hat sie in den letzten zwei Tagen gemacht? Nichts, außer Haushaltstätigkeiten nachzugehen, einzukaufen und ins Fitnessstudio zu gehen. Alles allein, alles wie immer. Sie seufzt: In ihrer Komfortzone ist es warm, gemütlich und ziemlich einsam.

Sie hat keine Familie, keinen Partner und keine Kinder. Von ihren Freundinnen hat sie sich entfernt. Dafür hat sie ihre Karriere. Nur bringt ihr die keinen Kaffee ans Bett; sie ruft sie auch nicht an um zu fragen, wie es ihr geht oder ob sie ausgehen will. So bleibt sie allein zu Hause. Wochenende für Wochenende. Doch wie ist es überhaupt soweit gekommen?

Früher ging sie viel mit Freunden aus. Ob Tanzen, Essen gehen oder Barbesuche. Sie war immer unterwegs. Doch als ewiger Single, bei dem es einfach nicht mit der Liebe klappen wollte, wurde sie zum Einhorn, das irgendwann allein auf der Weide graste: Sie sah zu, wie ihre Freundinnen Partnerschaften eingingen, heirateten und Kinder bekamen. Man lebte sich auseinander. Jeden Tag ein bisschen mehr. Aus regelmäßigen Treffen wurden jährliche Zusammentreffen an Geburtstagen, die ein schales Gefühl bei ihr hinterließen. Sie stellte fest, dass Erinnerungen Menschen nicht für immer aneinander bindet, vor allem wenn keine neuen hinzukommen. Ein „Weißt du noch damals (…).“ reichte ihr irgendwann nicht mehr, um sich verbunden zu fühlen.

Damals gibt es nicht mehr. Sie ist ein anderer Mensch und sucht nach Verbindung, die über Erinnerungen hinausgeht; die durch Austausch und gemeinsame Erlebnisse wächst und sich vertieft. Doch obwohl sie weiß was sie will, wird es nicht einfacher für sie. Sie macht es sich selbst unnötig schwer.

Ihr Antrieb etwas an ihrer Situation zu verändern ist verloren gegangen. Sie muss sich eingestehen, dass sie still geworden ist und es sich bequem gemacht hat. Ihr Suchen hat sie aufgegeben und ihre Fragen an ihre Freunde sind verstummt. Sie nimmt ihre Einsamkeit hin. Obwohl sie nicht glücklich damit ist. Tief im Inneren weiß sie, dass sie selbst etwas verändern muss. Sie muss aktiv werden, das Gespräch suchen und sich für Neues öffnen. Die Gefahr ist zu groß, dass die Komfortzone zur dunklen Ecke wird, in der sie sich versteckt. Lebenslang. Dabei lebt Leben von Verbindung mit anderen. Und sie will leben. Lieber heute als Morgen.

Leben