Eine Kindergeschichte – Pünktchen, der Marienkäfer

Es war einmal ein kleiner Marienkäfer, der Pünktchen hieß. Als Pünktchen geboren wurde, war er anders als seine Brüder und Schwestern. Auch wie seine Freunde. Er war sehr klein und schwach, doch er wuchs, wurde größer und stärker.

Doch trotz allem blieb Pünktchen immer anders als alle anderen Marienkäfer. Er war kleiner, schwächer als sie und das Fliegen fiel ihm sehr schwer. Seine Flügel waren zu klein dazu. So dachte Pünktchen zumindest. Er fühlte sich klein und schwach.

Pünktchen sah auch anders aus, als seine Geschwister und Marienkäfer – Freunde; das Leben hatte sein Kleid anders bemalt. Pünktchen waren nur 5 Punkte geschenkt worden, die sich unregelmäßig auf seinem Kleid verteilten. So sah er es zumindest.

Pünktchen war mit seinen Besonderheiten unzufrieden. Oft war er auch sehr traurig darüber. Er blickte neidisch auf seine Marienkäfer – Freunde, deren Kleider viele Punkte hatten und fühlte sich von ihnen ausgeschlossen, fast ausgegrenzt. Pünktchen fühlte sich einsam und unverstanden. Oft stand er am See und betrachtete traurig sein Spiegelbild. „Niemand mag mich leiden“, dachte er traurig. „Ich werde niemals echte Freunde finden, auch keinen anderen Käfer, der mich schön findet, denn ich sehe ganz anders aus; gar nicht wie ein Marienkäfer. Ich bin zu klein und zu schwach, um ein guter Käfer zu sein“. Pünktchen sonderte sich von seinen Geschwistern und Marienkäfer-Freunden ab. Er wurde immer einsamer und mürrischer. „Sie mögen mich sowieso nicht; nicht so wie ich bin“, sagte Pünktchen oft traurig zu sich selbst. Sein kleines Herz wurde im Laufe der Zeit so hart wie ein Stein. Pünktchen fühlte sich traurig und allein.

Eines Tages beschloss Pünktchen wegzufliegen, um Marienkäfer-Freunde zu finden, die wie er waren. „Diese Käfer mögen mich bestimmt, denn sie wissen, wie es ist, anders zu sein“, dachte Pünktchen sich. Ohne seiner Familie und seinen Marienkäfer – Freunden Aufwiedersehen zu sagen flog er davon.

Pünktchen kam nicht sehr weit, seine Flügel waren zu schwach um lange fliegen zu können. Er war nicht oft geflogen, denn Pünktchen dachte, seine Flügel seien zum Fliegen zu klein. Daher benutzte er sie nicht. Pünktchen beschloss, auf einer Wiese zu landen, damit seine Flügel ausruhen konnten.

Pünktchen betrachtete seine Umgebung, Mohnblumen blühten rot schimmernd im Licht um ihn herum. Solch ein schönes Rot hatte er noch nie gesehen. Plötzlich hörte Pünktchen ein Zirpen, mit unbekannten Tönen und Klängen. Er drehte sich um und sah eine Grille. „Hallo du, ich bin Pünktchen, wer bist du?“, fragte er. Die Grille antworte: „Ich bin Zirpie, schön dich kennenzulernen Pünktchen“.

„Ich freue mich auch, dich kennenzulernen Zirpie“, antworte Pünktchen. Er fragte: „Du, sag mal, du zirpst anders, als alle Grillen, die ich kenne. Darf ich fragen warum?“

„Natürlich darfst du das“, erwiderte Zirpie, „Ich bin so geboren worden, mit meinen Tönen und Klängen. Ich kann nur auf diese Weise zirpen“. „Bist du denn nicht traurig darüber, anders als alle anderen Grillen zu sein?“, fragte Pünktchen überrascht. „Nein, wieso? Alle meine Freunde freuen sich über mein Zirpen. Zusammen zirpen wir Melodien, die nur durch meine Töne und Klänge, möglich sind“, erklärte Zirpie.

Pünktchen schaute Zirpie lange an, er dachte nach: Anders zu sein, schien gar nicht schlimm zu sein. Auch wenn man besonders ist, kann man echte Freunde finden, die mit der Besonderheit umgehen können. Anders zu sein, kann anderen sogar Freude bringen; sich selbst auch. „So habe ich es noch nie gesehen“, sagte Pünktchen zu Zirpie, „Es ist wohl gar nicht so schlimm, anders zu sein“. „Nein, das ist es nicht“, erwiderte Zirpie. „So, Pünktchen, ich muss nun weiter, meine Freunde warten auf mich. Wir wollen zusammen noch ein paar neue Melodien einzirpen. Es hat mich sehr gefreut, dich kennenzulernen zu dürfen. Pass gut auf dich auf Pünktchen. Vergiss nie, wie besonders du bist. Ich mag übrigens dein Kleid. Einen Marienkäfer wie dich, habe ich noch nie gesehen; so ein schönes Rot mit 5 schwarzen Punkten. Deine Punkte ergeben, wenn man genau hinsieht, ein gezeichnetes Herz. Wunderschön. Deine Freunde freuen sich bestimmt, wenn sie dein Kleid ansehen. Alle werden gerne an Liebe erinnert. Mach’s gut Pünktchen“. Zirpie hüpfte davon und ließ Pünktchen allein.

Pünktchen fühlte sich durch das Gespräch mit Zirpie gestärkt. Mit neuen Mut war Pünktchen bereit, weiter zu fliegen. Er hob ab. Es war ein seltsames Gefühl, das Fliegen fiel Pünktchen plötzlich viel leichter als sonst. Er flog so hoch wie nie und genoss die wärmende Sonne auf seinen Flügeln. „Ich sollte viel öfter fliegen“, dachte Pünktchen. „Ich kann es richtig gut“. Pünktchen freute sich sehr über diese neue Erfahrung und flog weiter, über grüne Wiesen und viele Felder. Irgendwann wurde er müde und beschloss, sich auf einem Stein an einem See auszuruhen.

Es war bereits später Nachmittag. Die Sonne stand tief und spiegelte sich im See. Pünktchen betrachtete sein Spiegelbild, doch er fand daran immer noch wenig, was ihm gefiel. „Zwar kann ich nun gut fliegen“, sagte er zu sich selbst, „doch, was bringt mir ein Herz auf meinem Keid, wenn ich immer noch zu klein und zu schwach bin, um ein echter Marienkäfer sein zu können. Ich bin einfach zu anders, zu besonders. Keiner mag mich so, wie ich bin“. Pünktchen wurde wieder traurig, er dachte an die anderen Marienkäfer, die er ohne ein Wort des Abschieds zurückgelassen hatte. „Ob sie schon bemerkt haben, dass ich weggeflogen bin?“, fragte er sich. Pünktchen vermisste sie.

Plötzlich hörte Pünktchen ein Geräusch im Wasser und drehte sich um. Er sah einen Frosch, der ebenfalls auf einen Stein saß, die letzten Sonnenstrahlen genoss und versuchte Fliegen zu fangen.

Der Frosch sah ganz anders aus, als alle Frösche, die Pünktchen jemals gesehen hatte. Er war nicht grün, sondern rot.

„Hallo du“, begrüßte Pünktchen den Frosch, „Ich bin Pünktchen, darf ich fragen, wie du heißt?“

„Natürlich darfst du das“, antwortete der Frosch. „Ich bin Quak, freut mich, dich kennenzulernen Pünktchen.

„Mich auch Quak“, erwiderte Pünktchen. „Sag mal Quak, du hast eine ganz andere Farbe, als alle Frösche, die ich kenne. Es ist doch bestimmt nicht immer leicht für dich, besonders zu sein. Bist du nicht traurig darüber, anders auszusehen?“

Quak sah ihn mit seinen dunklen, große Augen an und antworte: „Nein, wieso Pünktchen. Ich bin so geboren worden und ich mag mich so wie ich bin. Trotz meiner Farbe bin ich ein vollwertiger Frosch. Meine Freunde beneiden mich sogar um meine rote Haut; im Sonnenlicht spiegelt sie sich ganz anders, als die von ihnen. Sie lieben es, sie im Sonnenspiel zu beobachten und erfreuen sich an den vielen Farben, die sie dann sehen“.

Pünktchen konnte es plötzlich verstehen, er sagte zu Quak: „Vielen Dank für deine Antwort Quak. Du hast mir geholfen, zu erkennen, wer und was ich bin“. „Das freut mich Pünktchen, gern geschehen. So, ich muss nun weiter. Meine Freunde warten auf mich. Wir wollen zusammen noch ein paar Fliegen fangen. Ich mag übrigens deine Flügel, sie schimmern glitzernd im Licht. Du wirkst stark und mutig auf mich, besonders. So einen Marienkäfer wie dich, habe ich noch nie gesehen. Pass gut auf dich auf Pünktchen. Aufwiedersehen“. Quak hüpfte davon, Pünktchen sagte ihm Lebewohl. Er schaute ihm noch einige Zeit nach.

Dann drehte sich Pünktchen herum, er wollte sein Spiegelbild im See ansehen. Er war erstaunt, es sah ganz anders aus, als er es in Erinnerung hatte. Zum allerersten Mal konnte Pünktchen sein Spiegelbild so sehen, wie es wirklich war. Es zeigte keinen kleinen, schwachen Marienkäfe, denn seine Flügel schimmerten im Licht. Pünktchen wirkte stark und mutig. Er drehte sich herum, er wollte auch sein Herz auf seinem Kleid ansehen. Sein Kleid hatte wirklich ein aufgemaltes Herz, was Pünktchen sehr gefiel. Vorher war es ihm nie aufgefallen. „Wie schön ich doch bin“, dachte Pünktchen sich. Er drehte sich wieder herum und betrachtete erneut sein Spiegelbild. Pünktchen lächelte, er war glücklich und zufrieden mit sich. „Ich bin so geboren worden, stark und mutig. Ich bin gut so wie ich bin. Selbst mit meinem Kleid, das besonders ist“, flüsterte Pünktchen stolz.

Pünktchen begriff, dass er sich selbst klein und schwach gesehen hatte, durch ein Spiegelbild in seinem Kopf, das es nicht gab. Er war besonders, anders, doch die anderen Marienkäfer haben ihn trotzdem gemocht; so wie er ist. Er selbst hatte sich leiden können, weil er anders war. Er war grob gewesen, hatte die anderen abgewiesen, da er dachte, dass seine Geschwister und seine Marienkäfer-Freunde ihn so wie er ist nicht mögen würden.

Pünktchen beschloss, zu seiner Familie und zu seinen Marienkäfer-Freunden zurückzufliegen. Der Weg war lang, es dämmerte bereits. Doch Pünktchen wusste, dass er es schaffen würde. Er fühlte sich mutig und stark genug dazu. Seine Flügel würden ihn tragen, überall hin.

Pünktchen hob ab, dem Himmel entgegen. Er freute sich darauf, seine Familie und seine Freunden wiederzusehen, um sie mit seinem Herz-Kleid zu erfreuen. Pünktchen würde sich nun nicht mehr einsam fühlen, er gehörte dazu.

Pünktchen lächelte beim Fliegen, er wusste nun, wer er war: Ein mutiger Marienkäfer, mit einer Besonderheit; zwei großen Herzen, eins von innen und eins von außen.

Veröffentlicht von Lene

Ich würde mich als emphatische und entspannte Person bezeichnen, die versucht, ihre Erlebnisse in Wort und Schrift darzustellen. Also alles was mein Herz in irgendeiner Art und Weise berührt, verarbeite ich schriftlich. Ich bin kein Meister der Poesie. Manches mag sich holprig anhören, aber so ist mein Schreibstil. Ich bin auch nicht festgelegt auf eine Art von Text, jedenfalls noch nicht. Ich probiere gerne mal aus, dass merkt man auch an meiner Website: Sie ist recht bunt. Ich denke gerne bunt, denn für mich ist es das Leben auch. Mich freut es einfach, wenn der ein oder andere etwas mit meinen Texten anfangen kann oder sich vielleicht sogar darin wiederfindet. Viel Spaß beim Lesen. Und danke für euren Abstecher in meine kleine, bunten Welt. Vielleicht bis bald. 🤗 Lene

12 Kommentare zu „Eine Kindergeschichte – Pünktchen, der Marienkäfer

    1. Huhu 😊
      Danke für deinen Kommentar. Ich stehe eben selbst auf dem Schlauch oder der Flasche. 🙈 Weiß nicht, was du meinst. Hoffe, habe mich nicht verschrieben. Mit dem Handy ist das Schreiben manchmal etwas umständlich. Liebe Grüße!

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      1. Ach so, sorry. 😂😂
        Der steht hier auf meinen Wohnzimmertisch und erinnert mich daran, optimistisch zu bleiben; manchmal schüttel ich ihn, um ihn glitzern zu sehen. Er ist mein Anker, dankbar für das Leben zu sein.

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  1. Das ist gut möglich …

    Ich weiß nicht, wie ich reagiert hätte, wenn mir vor Kurzem jemand erzählt hätte, dass der nächste Charakter, in dem ich mich wiederfinden werde, ein Marienkäfer namens Pünktchen in einer Kindergeschichte ist … 😀

    Ich bin bald in Deutschland und werde die Geschichte meinem kleinen Neffen vorlesen. Ich erstatte dir dann Bericht. 🙂

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