Verletzungen heilen erst, wenn du bereit dazu bist; mit Zeit, Geduld und Liebe. Eine Liebe von Menschen, die sanft über deine Wunden pustet, um Krusten behutsam lösen zu können – bis aus deiner offenen Wunde eine geschlossene Narbe geworden ist.
abc.Etüden – Herzkorsett –
Die abc.Etüden http://365tageasatzaday.wordpress.com/2021/05/02/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-18-19-21-wortspende-vom-bodenlosz-archiv/ sind eine Schreibeinladung von Christiane auf: irgendwas ist immer.
Die Wörter für die Textwochen 18/19 des Schreibjahres 2021 stiftete Nina mit ihrem Blog Das Bodenlosz-Archiv. Sie lauten:
Korsett
rechtsdrehend
dampfen (bei mir das Dampfen).
Wie immer an dieser Stelle der Verweis auf den Etüden-Disclaimer. Die Headline für die Etüden heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.
Erster Versuch, seid bitte gnädig. Ob die Verlinkung geklappt hat, weiß ich auch nicht.
Es hatte lange ihm gehört, ihr Herz; jeder Anruf, jede Mail hatte sich für sie wie ein Korsett angefühlt, das sich noch ein wenig enger um ihr Herz schnürte.
Sie gab sich Mühe, ihn nichts von ihren Gefühlen wissen zu lassen, sich ihm nicht zu offenbaren; sie hatte es bereits versucht, ihn durch kleine, versteckte Signalen zu zeigen, wie sie für ihn fühlte. Ihre Worte, von denen sie stets gehofft hatte, dass sie ihn berühren, blieben meistens ohne Antwort, wurden vom Nichts verschluckt.
Es gab nur schwammige Aussagen, uneindeutige Signale zwischen ihnen; oft hatten seine Worte, links- oder rechtsdrehend, manchmal auch auf den Kopf gestellt, keine Klarheit für sie geschaffen; es blieb bei Interpretationen, bei einem könnte, einem eventuell. Im Laufe der Zeit, sendete sie mit ihren Signalen selbst ein vielleicht, obwohl ihr dies zuwider wahr. Es war besser, als diesen schmerzhaften Druck auf ihrem Herzen zu spüren.
Ihr Telefon klingelte, sie schaute auf die Anzeige, um zu sehen, wer der Anrufer war. Es war nicht er, nur jemand anderes. Sie seufzte, erneut ein hätte, ein könnte.
Sie beschloss, den Anruf zu ignorieren, sich ihren Gedanken hinzugeben. Sie schaute aus ihrem Fenster. Der Regen war verzogen, sie nahm das Dampfen wahr; Reste von Nässe, trafen auf die Hitze der Sonne. Sie spürte förmlich, wie der Dampf als leichter Nebel verflog.
In ihrem Inneren lichtete sich ebenfalls der Nebel. „Ich bin kein vielleicht, sondern ein Ist“, sagte sie zu sich selbst. Sie beschloss, von nun an, klar in dem zu sein, was sie sich von ihm wünschte, keine Uneindeutigen mehr zwischen ihnen zuzulassen; für sich selbst, um sich von ihrem Druck zu befreien.
In diesem Moment klingelte ihr Telefon; es war er. Sie holte tief Luft, griff zum Hörer, bereit, aus einem vielleicht ein Ist zu machen.
Neubeginn
Die Stücke ihres Selbst lagen verteilt vor ihr; erneut war sie in 1000 Teile zersprungen. Sie wusste, dass es sie viel Kraft kosten würde, die einzelnen Stücke ihres Selbst zu suchen, um sie zu einem Bild zusammen setzen zu können; ihrem Bild.
Doch diesmal war es anders; ihre Stücke grinsten sie nicht wie sonst hämisch an, wenn sie in diese hineinsah. Sie waren auch nicht von neuen Rissen übersät oder schluckten das Licht, das auf sie herabstrahlte.
Sie sah sich in ihren einzelnen Stücken, spiegelte sich in ihnen; diesmal, ohne ein selbstverzerrtes Bild, funkelnd im Licht.
In diesem Moment begriff sie, dass sie ihre Stücke zum allerletzten Mal aufsammeln musste. Sie würde ein neues Bild aus ihnen zusammensetzen. Vielleicht eins, das es schon immer gegeben hatte, tief in ihrem Inneren; nur überlagert, von all dem Schmerz, der Trauer den sie von Kindheit an in sich gefühlt hatte.
Sie sammelte ihre Stücke ein, langsam und mit Bedacht. Sie war gespannt, aber auch nervös. Sie fragte sich, ob sie ihr neues Bild annehmen konnte; sie kannte nur das dunkle, mit Rissen durchgezogene Bild von sich.
Sie setzte die Stücke weiter zusammen, eins nach dem anderen. Mit jedem Stück, das sie in ihr Bild einfügte, wurde sie ruhiger, wurde ihr heller zumute. Als sie alle Stücke zusammengesetzt hatte, trat sie zurück, um ihr Bild sehen zu können. Zum allerersten Mal konnte sie erkennen, wer sie wirklich war, vielleicht auch immer gewesen ist. Sie nahm sich und ihr Spiegelbild vollkommen an; von diesem Moment an wusste sie es: „Dies war ein echter Neubeginn“.
…liebe
Es ist die Liebe, die Licht in dein Leben bringt; Liebe für dich selbst, für die Menschen um dich herum, für die Wunder des Lebens.
Was du mit Liebe betrachtest, strahlt mit Wärme und Licht auf dich zurück.
Liebe; du wurdest geboren, um einmalig das Leben mit all seinen Facetten fühlen zu können – nicht, um zu hassen.
Ich möcht‘
Behutsam möcht‘ ich dein Herz öffnen, deiner Vorsicht zart begegnen; möcht‘ dich im Ganzen sehen, ohne Panzer, dich erfassen, nicht durchdringen.
Geduldig möcht‘ ich dich entdecken, deiner Angst sorgsam entgegnen; möcht‘ dich vollends lieben, ohne Muss, dich sanft wiegen, doch niemals dich zur Liebe zwingen.
Tore
Verletzte Herzen lassen sich oft ungern lieben. Ihre Tore bleiben meist verschlossen, öffnen sich nur für kurze Zeit, einen Bruchteil von Sekunden; einen Spaltbreit, um bei Gefahr schnell wieder schließen zu können.
Will man behutsam diese Tore passieren, schließen sie sich sofort wieder; die Angst der Herzen ist zu groß.
Letztlich wissen diese Herzen nicht, wie sie Liebe zulassen können bzw. lieben sollen; sie haben es verlernt. Vielleicht haben sie auch vergessen, wie warm und frei sich Liebe ohne Angst anfühlt.
Durch ihre Angst begrenzen sich verletzte Herzen selbst; ihre Angst hindert sie, daran zu glauben, dass sie es wert sind, geliebt zu werden.
Verletzte Herzen fühlen sich nicht; vor allem nicht, wie schön sie eigentlich sind. Sie nehmen sich die Chance zu heilen, Liebe neu zu entdecken und sich zu fühlen; zu fühlen, wie wertvoll sie sind bzw., dass sie es wert sind, geliebt zu werden.
Fliegen
Hab‘ den Mut zu fliegen; ohne Fesseln aus Angst oder Unsicherheit.
Lass‘ dich vom Wind des Lebens tragen, frei und grenzenlos.
Flieg‘ nach oben, dem Himmel entgegen, durch weiße Wolken hindurch.
Ruh‘ dich auf deiner Wolke aus, um von oben zu sehen, wie wundervoll bunt das Leben ist.
Du
Liebes zukünftiges Du,
wenn wir uns treffen, dann möchte ich kein „vielleicht“ für dich sein; auch nicht ein „mal sehen“. Ich möchte von Anfang an ein „Ja“ für dich sein, ein „Ich mag dich“; so, wie du es für mich sein wirst.
Du musst mir nichts versprechen; vor allem nicht, mich niemals verletzen zu wollen. Es wird Momente geben, in denen wir genau dies tun werden; einander bewusst oder unbewusst verletzen. Vielleicht, weil wir es in diesem Moment nicht besser wissen. Wichtig ist nur, dass wir trotz allem beieinander bleiben, uns nicht verlieren. Ich versichere dir, dass ich bleibe; selbst dann, wenn unser Himmel nicht rosa eingefärbt ist. Es ist das einzige Versprechen, das ich dir mit Garantie geben kann.
Du brauchst mir keine Honigworte zu schenken oder mich mit Liebesgesten zu überschütten; sei einfach da, wenn ich dich brauche. Halte dich an dein Wort, halte mich; vor allem dann, wenn ich es einmal selbst nicht kann. Sei zufrieden mit dir, mit uns und mit dem, was wir einander haben. Wenn du es nicht bist, dann rede mit mir und sage mir, was du dir von mir wünschst. Ich werde ebenfalls für dich da sein, mich um dich kümmern; dann, wenn du es nötig hast und brauchst, in der Form, die du zulassen kannst. Wenn ich unzufrieden bin, dann sage ich dir, was mich bewegt und was ich mir von dir wünsche. Ich habe gelernt, das es nichts bringt, sich in Schweigen zu hüllen, unterschwellige Zeichen zu versenden oder durch eine Brille zu interpretieren. Lass uns beide klar sein, indem was wir uns voneinander wünschen; für ein uns.
Du bleibst immer ein du und ich ein ich; wir müssen keine Symbiose eingehen, um miteinander verbunden zu sein. Lass uns Dinge mit- und füreinander tun, doch unser ich ebenfalls nicht vergessen. Ich möchte mit dir zusammen sein, dich aber weder besitzen noch verändern. Ich brauche dich, weil ich es will; nicht, weil ich es muss
Du musst keine Saltos für mich schlagen, lass uns auch mal ruhen, ohne Worte beieinander sein; in der Stille, ein Hafen für den anderen sein. Oft fühle ich lieber, anstatt zu reden; fühlen möchte ich dich, in den Momenten, in denen wir zusammen sind.
Liebes zukünftiges Du, ich hoffe wir erkennen einander, wenn wir uns finden; ohne Angst, dafür mit viel Mut. Ich glaube daran, dass es irgendwann soweit sein wird; ich freue mich auf dich, auf uns – darauf, mit dir zu lernen und auf all die Momente, die wir zusammen erleben werden.
Lebensbaum
Sei wie ein Baum; wurzel dich fest in deiner Erde.
Lass dich von den Stürmen des Lebens, die deine Blätter aufwirbeln, nicht durcheinander bringen. Manche Blätter wirst du in diesen Stürmen verlieren, andere nicht; das macht nichts, es kommen neue hinzu.
Scheue nicht den Regen, der deine Blätter durchnässt und danach schlapp wirken lässt. Regen bedeutet nicht nur Nässe und Kälte, sondern auch Wachstum; dann, wenn der Regen vorbeigezogen ist.
Warte auf die Sonne, die deine Blätter trocken lässt; dein Gelb oder Braun wird sich verlieren, dein Grün kommt zurück, wenn du dich der Sonne entgegen streckst.
Du wirst immer weiter wachsen, dich wandeln, in jeder einzelner Phase deines Lebens; bei jedem Sturm, Regenfällen und auch bei Sonnenschein – solange du nicht vergisst, dich fest in deiner Erde zu verwurzeln.
Du bist dein eigener Lebensbaum, der mit seinem Kleid den wechselnden Zeiten des Lebens begegnen muss.
Gedicht
Du bist wie Poesie, die auf meiner Seele Verse reimt; mit jedem Wort, Zeile für Zeile, lässt du mein Inneres erklingen –
wir, zusammen, sind ein Gedicht.
