Es scheint wohl so, als hätten wir noch länger etwas vom Lockdown. Nicht wirklich überraschend. Schade, dass ich diesmal keine Wette abgeschlossen habe. Einmal im Leben hätte ich etwas gewinnen können. Bezüglich „pessimistischer“ Ansichten habe ich immer ein gutes Gefühl. Bitte interpretiert anhand dieses Satzes nicht meine Persönlichkeit. Er steht für sich selbst; höchstens als ein Anteil dieser.
Der einzige Lichtblick daran ist, dass ich dieses Jahr eine Ausrede habe, warum ich am Valentinstag wieder alleine auf der Couch liege. Wie ihr seht, bin ich durchaus ein positiver Mensch, der die Situation für sich positiv zu deuten weiß.
Die jetzige Situation macht uns alle müde, die ganze Welt ist müde „davon“. Was macht diese Müdigkeit bloß bis Mitte Februar mit uns?
Neben der Müdigkeit steigt auch das Aggressionspotential. Die Masken fallen sozusagen; lustigerweise werden diese Züge durch eben diese verdeckt. Medizinisch, versteht sich.
Ich bemerke dieses steigende Agressionspotential an meinen Mitmenschen. Vor ein paar Wochen habe ich es sogar deutlich zu spüren bekommen. Mein Wagnis im Freien zu nah an jemanden vorbeizulaufen wurde mir zum Verhängnis. Ich wurde wild beschimpft, man schrie mir sozusagen noch meilenweit hinterher. Sicherlich konnte man es auch noch im nächsten Viertel hören; sicher ist sicher, dachte sich die Dame. Am liebsten hätte ich mich zu ihr umgedreht, um ihr Folgendes zu sagen: „Holde Maid, mögest du von dannen ziehen“. Nein, natürlich hätte ich gerne etwas anderes gesagt, aber da man hier nicht „piepsen“ kann, lasse ich es, diese (un)angebrachte Äußerung zu publizieren.
Dieses Verhalten zu ignorieren, dachte ich, ist die bessere Strategie. Irgendwann ist sie heiser oder hat vergessen, worüber sie sich eigentlich aufgeregt hat. Soll passieren. Dieses „Monsterverhalten“ ist mir eine Weile hinterher gelaufen, ich bin eher ein freundlicher Mensch. Kann gut sein, dass dies der Grund gewesen ist. Wer weiß das schon. Apropos Monster, zurzeit gibt es sie wirklich überall.
Lebt man alleine, ist man mit seinen eigenen Monstern beschäftigt. In einer Partnerschaft mutiert das Gegenüber auf einmal zum Monster. Viel freie Zeit, um sich mit dem anderen auseinandersetzen. „Ihh“, so war das aber nicht gedacht.
In diesem Fall habe ich jedoch durchaus Verständnis; ein Lockdown mit meinem letzten Freund hätte dazu geführt, dass einer von beiden auf dem Balkon geschlafen hätte. Dies wäre wahrscheinlich noch die harmloseste Variante gewesen. Gott sei Dank ist mir dies erspart geblieben. Wieder etwas Positives, dass ich bemerke. Ich sprühe förmlich vor positiver Energie. Kaum auszuhalten.
Die „Königsmonster“ Disziplin ist übrigens eine Partnerschaft / eine Ehe mit Kindern. Wie schrecklich muss es sein, wenn man feststellt, dass die eigenen Kinder ebenfalls Monster sind. Eigentlich wusste man von schon die ganze Zeit von dieser schrecklichen Wahrheit; jetzt kann man sie nur nicht mehr verdrängen. Wenn nun noch ein „Monster“ Partner dazukommt bedeutet dies, dass man die doppelte Arschkarte gezogen hat. Überall nur noch Monster, da kann man schnell selbst zu einem werden.
Ich lebe alleine. Kein „Partner Monster“, keine „Kinder Monster“, nur meinen eigenen. Nun, die können beizeiten auch sehr erschreckend sein. Doch, Trommelwirbel, trotz allem bin ich (noch) kein Monster geworden.
Mich nervt die jetzige Situation ebenfalls. Meine Haare stehen auf Halbmast, mein Pony ähnelt dem eines Lamas und mein Rücken bricht bald auseinander. Ich hatte schon überlegt, ob ich mir einen Novalgin Vorrat anschaffe; Novalgin müsste schneller zu besorgen sein, als FFP2 Masken.
Neben dem Agressionsmonster, gibt es übrigens auch das Jammermonster. Ich persönlich finde, dass es auf hohem Niveau jammert. Manche von ihnen geben es immerhin zu.
Natürlich ist Home-Office mit Kindern scheiße und kaum durchführbar, ein Partner, der ständig etwas will, kann nerven. Aber immerhin will er noch etwas. Andersherum wäre es schlimmer. Keine Arbeit zu haben, übrigens auch oder kein Geld; denke ich zumindest.
Diese Zeit ist für uns alle schwierig, jeder darf und soll jammern. Ist menschlich. Wütend oder genervt zu sein auch; aber dieses Verhalten muss sich nicht in einem Monster manifestieren.
Ich möchte einfach nicht in einer Welt voll von Monstern leben; egal, ob sie aggressiv sind oder andauernd jammern. Das Leben selbst ist oft schon „Monster“ genug, Weitere brauchen wir nicht.
Ich weigere ich mich vehement, ein Monster zu werden und bleibe weiterhin freundlich und weitestgehend positiv eingestellt.
Wenn dies nicht helfen sollte, die Monster einzudämmen, werde ich ihnen bei der nächsten Begegnung sagen:
„Weichet davon – hinfort mit euch“. So oder so ähnlich.
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