abc.Etüde: Ihr Moment

Infos zum Projekt: https://365tageasatzaday.wordpress.com/2022/01/16/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-03-04-22-wortspende-von-stachelbeermond/

Großes Danke an alle, wie immer. Hier nun mein kleiner Beitrag.

Als Andrea die Tür öffnete und den Hausflur betrat, hörte sie ein leises Knistern. Unweigerlich stieg Wut in ihr hoch; Harald hatte sicherlich wieder ein Chipstüte geöffnet und war mampfend durch die Wohnung gerannt. „Schatz“, stieß es unverdrossen aus ihr heraus, „du wolltest doch heute Saugen“. Ohne eine Antwort abzuwarten, ging Andrea ins Wohnzimmer. Alles war dunkel, von Harald fehlte jede Spur. Entfernt sah sie Lichter auf dem Balkon brennen. Andrea trat einen Schritt nach vorn, dann stolperte sie über etwas Metallisches, das auf dem Boden lag. „Verdammter Mist“, schrie sie schmerzerfüllt.

„Schatz, was ist passiert?“, fragte Harald, der vom Balkon aus das Wohnzimmer betrat. „Ich bin gestolpert und auf meine Knie gefallen. Das ist los. Wieso brennt hier kein Licht und warum hast du nicht gesaugt, wie du es versprochen hast?“, erwiderte Andrea wütend. Harald kratzte sich verlegen am Kopf. Er ging zum Lichtschalter, knipste die Lampen an und holte einen Eisbeutel aus dem Kühlschrank. Andrea sah sich um. Auf dem Boden lagen getrocknete Rosenblätter, die Harald verteilt haben musste. Vor ihr lag ein Sektkübel, über den sie gestolpert sein musste. Auf dem Balkontisch standen zwei Sektgläser und eine Schale mit Wackelpudding; ihr Lieblingsnachtisch. Dann sah sie in Haralds Augen; er kniete mit einem Eisbeutel, auf dem eine offene Ringschatulle lag, vor ihr nieder. „Normalerweise kniet bei einem Antrag der Mann vor seiner Frau, doch wir beide haben schon immer alles anders gemacht. Wieso jetzt mit Traditionen brechen. Andrea, willst du mich heiraten?“

Andrea vergaß ihre schmerzenden Knie, nickte freudestrahlend und ließ sich in Haralds Arme fallen. Beide waren überglücklich in diesem Moment; ein typischer, leicht chaotischer Harald und Andrea Moment, der nur ihnen gehörte.

Mondscheinlicht

Ich seh‘ dein Gesicht,

im Mondscheinlicht,

deine Schönheit spiegelt sich,

ich frag‘ mich, wieso siehst du nicht,

wie viel Liebe aus dir spricht.

Träume und Wünsche

Wie viele Träume sterben, weil wir nicht mutig genug sind, sie fliegen lassen?

Wie viele Wünsche werden farblos, weil wir uns vom Grau des Lebens einfangen lassen?

Doch du bist der Schöpfer deines Lebens; denk‘ dich groß, mal‘ deine Gedanken bunt an, damit deine Träume und Wünsche fliegen können.

Myriade Impulswerkstatt: In deinen

Infos zum Projekt: https://laparoleaetedonneealhomme.wordpress.com/2022/01/03/einladung-zur-impulswerkstatt-janner-februar-2022/

Danke an Myriade und alle Mitschreiber.

In deinen Händen bin ich,

dein Atem trägt mich;

in deiner Seele ruh‘ ich,

dein Herz sieht mich.

Essenz

Streifen wir unser Ego ab, finden wir unser wahres Selbst, dessen Essenz Liebe ist.

Eislaufen

Unsicher betrat sie die Eisfläche; es war Jahre her, dass sie Schlittschuhlaufen war.

Als Kind hatte sie das Eislaufen für sich entdeckt; stundenlang drehte sie ihre Runden auf dem Eis und übte Sprünge, die sie sich im Fernsehen von Eiskunstläufern abgeschaut hatte.

Jedes Mal, wenn sie zu einem Sprung ansetzte oder ihre Runden drehte, fühlte sie sich frei und leicht. Sie war sie selbst, durfte einfach sein, was sie glücklich machte.

Ihre Eltern belächelten ihr Hobbie, während sie von einer Karriere als Eiskunstläuferin träumte. Sie verbrachte jede freie Minute auf der Eislaufbahn, zeichnete Skizzen eigener Kostüme und kreierte kleine Showläufe, die sie ihrer Mutter stolz präsentierte.

Dann wechselte sie zum Gymnasium und ihre Welt veränderte sich. Aus ihrem „durfte sein“ wurde ein „du musst und du sollst“.

Ihre Eltern lagen ihr damit in den Ohren, das Gymnasium mit einem guten Abitur abzuschließen; Sätze wie, „du musst mehr lernen“ oder „du sollst bessere Noten schreiben“ verdrängten ihr „du darfst sein“; sie wurden ihre neue Mantren. Da ihr das Lernen nicht leicht fiel, musste sie das Eislaufen einschränken. Irgendwann gab sie es ganz auf und brachte ihre Schlittschuhe in den Keller. Sie konnte ihren Anblick nicht mehr ertragen, der sie schmerzlich daran erinnerte, dass sie nicht mehr sein durfte und ihre Träume vergessen musste.

Sie schloss das Gymnasium mit einem Einser-Abitur ab; glücklich war sie darüber nicht, doch ihre Eltern waren es. Ihr durfte gab es nicht mehr und ihre Träume hatten aufgehört zu flüstern.

Auf Wunsch ihrer Eltern hatte sie angefangen zu studieren; Jura, wie ihr Vater. Sie war auf dem Weg zu ihrem ersten Seminar, als sie an einer Eishalle vorbeikam. Sie konnte nicht anders als stehen zu bleiben; vergessene Gefühle von Freiheit und Glück schienen sie magisch anzuziehen. Sie beschloss, Eislaufen zu gehen anstatt das Seminar zu besuchen.

Nachdem sie ein paar Schritte gefahren war, fühlte sie sich sicherer. Ihr Mut wuchs und sie fuhr immer schneller. Ihr „darf sein“ Selbst von Damals begann zu wachsen und alle „muss oder soll“ Gedanken verstummten. Es gab nur sie und das Eis. Ihre Träume begannen wieder zu flüstern; sie erzählten Geschichten über Freiheit und von Glück.

Sie beschloss, einen ihrer alten Sprünge auszuprobieren; einen Sprung, in ihr „ich darf sein“. Sie wusste nicht, ob sie auf dem Eis landen würde, doch das war ihr egal. Wichtig war ihr, einfach zu sein; in diesem Moment, mit ihrem wahren Selbst, das wieder zu fühlen begann.

Funken

Es war der Moment,

den man Liebe nennt –

was ich in dir fand,

hab‘ ich in mir erkannt:

Ein Funken meines Ich’s,

glitzerte in deinem Dich.

Denken

Alles ist, bis wir es denken.

Seelen

Körper verstummen auf ihren Weg,

ins ewige Sein, neues Leben entsteht –

Seelen sind Liebe, die niemals vergeht.

Liebe

Lass die Liebe in dir sprechen,

bis Mauern fallen und zerbrechen.

Lass die Liebe in dir schreiben,

um groß zu werden und zu heilen.

Lass die Liebe in dir blühen,

um Glück zu atmen und zu fühlen.