Ich

Und mein ich,

steht für sich,

doch singt’s nicht,

ohne dich,

denn du liebst mich.

Bei dir

Ich bin vieles für viele,

manches für manche,

doch nur bei dir, bin ich.

Diener

Lass dich von deinen Gedanken nicht versklaven; sie erzählen dir bloß Geschichten, die du schon kennst.

Löse dich aus ihren Fesseln, mache sie zu deinem Diener; spreche bewusst, achtsam und liebevoll mit ihnen, um mit ihnen gemeinsam neue Geschichten schreiben zu können.

Frage

Ich schau‘ dich an, muss nichts suchen oder finden, um zu erkennen, wer du tief im Innren bist

und mein Herz fragt, willst du mit mir wachsen, vielleicht auch heilen, um zu fühlen, was Liebe wirklich ist.

Sternen-Ich

Meine Träume zerfielen in sich,

zu Sternenstaub und formten mich,

ich heilte in mir, fand das Licht;

es ward geboren, mein Sternen-Ich.

Hauch

Manchmal steht mein Herz Kopf, rieseln leise all die Erinnerungen an dich wie sanfter Sand durch mich hindurch.

Zeit verlangsamt sich, bleibt stehen, ich fühle dich und mich, lasse mich fangen, von unserem Hauch der Ewigkeit.

Abc.Etüde: Der Geburtstagskuchen

Informationen zum Projekt findet ihr hier: https://365tageasatzaday.wordpress.com/2022/04/17/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-16-17-22-wortspende-von-ludwig-zeidler/

Vielen Dank an Christiane, Ludwig Zeidler und alle Mitschreiber. Los geht’s.

Melanie betrachtete den Königskuchen, den sie gebacken hatte. Sie wollte Peter, der Morgen 50ig wurde, überraschen; ihm zeigen, dass er ihr König war. Bei ihrem Ehegelübde, hatten sie sich versprochen, sich immer wie „König und Königen“ zu behandeln; selbst in schlechten Zeiten. Dies war ihnen gelungen. Nun wollte sie Peter für ihre wunderbaren, gemeinsamen Jahre danken.

Als Melanie erneut auf ihren Backversuch blickte, war ihr zum Weinen zumute. Sie verstand nicht, was schief gelaufen war. Akribisch hatte sie sich an alle Backschritte gehalten, hatte aber als Ergebnis ein zermatschtes etwas erhalten, das in keinster Weise an einen König erinnerte. Peter würde beim Anblick des Kuchens nichts ins Träumen geraten, sondern lauthals lachen.

Es klackte an der Tür. Peter kam nach Hause, betrat den Flur, dann die Küche. „Hallo mein Schatz, wie war dein Tag? Was ist das denn auf unserer Arbeitsplatte? Hast du mit einem der Nachbarkinder gebacken?“

Melanie druckste herum, dann antwortete sie: „Das ist ein Kuchen, den ich für dich gebacken habe. Es sollte ein Königskuchen werden. Erinnerst du dich an unser Ehegelübde? Leider ist er nicht sonderlich königlich geworden. Vielleicht kaufen wir für Morgen lieber eine Torte.“

Peter erwiderte liebevoll: „Schatz, du braucht mir keinen Kuchen backen, um mich an unser Gelübde zu erinnern oder mir zu beweisen, dass ich dein König bin. Du zeigst mir jeden Tag, wie sehr du mich liebst; durch die Art und Weise, wie du mich behandelst.“

Beide blickten sich an, dann umarmten und küssten sie sich. „Weißt du was mein Schatz, der Kuchen ist wunderbar, so wie er ist.“ „Wie das?“, fragte Melanie. „Selbst ein König durchläuft schwierige Zeiten an der Seite seiner Königin. Nichts strahlt immerzu. Es ist unser Königskuchen, ich hätte ihn nicht anders haben wollen. Er erinnert mich an Liebe und damit an uns.“

Liebe

Wir fallen, ohne Masken, hüllenlos, in das pure Sein des anderen, bis auf seinen Grund und erkennen, wer oder was wir wirklich sind: Liebe.

Ist

Es sind unsere Ängste und Zweifel, die etwas zu Ende denken, bevor es wirklich ist.

Denken

Wir sind zu verkopft,

in unserem ich,

mit Herzen verstopft,

fühlen wir nicht,

wie schön unser Leben ist,

wenn das Denken mal vergisst.