Abc.Etüde: Herzbuch / Crossover Myriades Impulswerkstatt

Die Abc.Etüden sind ein Schreibprojekt von Christiane: https://365tageasatzaday.wordpress.com/

Vielen Dank für die Wortspende / an alle Beteiligten des Projektes.

Beim Schreiben hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte auch gut zur aktuellen Runde von Myriades Impulswerkstatt passen würde: https://laparoleaetedonneealhomme.wordpress.com/die-impulswerkstatt/

Ich hoffe, keinen Stilbruch oder Regelverstoß begangen zu haben und es für beide Projektorganisatoren in Ordnung ist.

Sie schlug ein Kapitel ihres Herzbuches auf, um dem Erzählstoff aus ihrer Vergangenheit lauschen zu können; all den Geschichten, die von ihrem Herzen für ihn geschrieben worden waren.

Es waren Geschichten, die Liebe sanft malten und die Sehnsucht flüsterten; eine Sehnsucht, die in ihrem Inneren laut erklang, doch im Außen still blieb.

Er hatte niemals eine von ihren Geschichten gelesen und ihre versteckten Versuch, ihm diese vorzulesen, sein Herz mit ihrem Sein zu erreichen, scheiterten. Er hörte ihre Seele, ihr Herz nicht vibrieren.

Irgendwann hörte sie auf, Geschichten für ihn zu schreiben. In ihrem Inneren wurde es still. Sie versuchte, ihre Sehnsucht und ihre gemalten Bilder zu vergessen, wodurch sich ihr Herz veränderte. Es wurde grau und vertrocknete, da sie es nicht mehr mit Liebe goß.

Erst als sie all den vergessenen Geschichten erneut lauschte, fand ihr Herz in den Frieden und in die Liebe zurück. Ihr wurde bewusst, dass keine Geschichte umsonst geschrieben wird.

Er war es gewesen, der sie aufgeweckt hatte; der ihr Herz Lebendigkeit und Liebe fühlen ließ. Durch ihn war sie heute der Mensch, der sie war. Ein Mensch, mit einem Herzen, das liebt; sich selbst, das Leben und andere.

Sein

Lass alles einfach mal nur sein – vor allem dich.

Nackt

Nackt zeigt man sich nicht, wenn man seine Kleider auszieht; vielmehr dann, wenn man den anderen in seine Seele blicken lässt.

Bewusst

Jeder Tag, als kleines Leben,

heißt aufzuwachen, mit Gottes Segen –

solang‘ Atem deine Lungen trägt,

der in deinem Herzen schlägt,

hast du alles, was du haben musst,

sei dankbar dafür und leb‘ bewusst.

Wir alle

Wir alle sind nur zu Besuch, als Kinder einer Mutter – unserer Erde.

Farbe

Du fängst mich im Schlaf, färbst meine Träume, malst für mich ein Wunderland

und in all deinen Farben, flüstert dein Herz, „ich hab‘ dich erkannt.“

Frieden

Frieden erfährst du erst, wenn du aufhörst, Kriege gegen dich selbst oder dein Leben zu führen.

Stromausfall

Es war Sonntag. Benjamin und Annegret saßen vorm Fernseher. Tatort lief.

Licht schimmerte aus dem Fernseher, Stimmen hallte durch das Wohnzimmer. Zwischen den Eheleuten blieb es still. Sie sprachen nicht miteinander und verharrten bewegungslos vor dem Fernsehgerät.

Plötzlich ertönte ein Zischen und das Fernsehbild wurde schwarz. Verwundert sahen sich Benjamin und Annegret an.

„Das Kabel muss durchgeschmort sein“, sagte Benjamin. „Das habe ich ebenfalls bemerkt“, erwiderte Annegret schnippisch. „Du musst in den Keller gehen, ein neues Kabel suchen und die Sicherung wieder einschalten. Ich will weiter Fernsehen. Fürs Bett ist es noch viel zu früh.“ Mit forderndem Blick sah Annegret ihren Mann an. „Schon gut, schon gut. Ich gehe ja.“

Benjamin ging zur Garderobe, zog seine Jacke an und griff nach seinem Schlüsselbund. Annegret hörte, wie ihr Mann ein „immer willst du, immer muss ich“ vor sich hin brummte. „Was sagst du?“, fragte sie. „Ach nichts, schon gut.“ Die Haustür fiel krachend ins Schloss.

Zehn Minuten später kam Benjamin aus dem Keller zurück. Nachdem er Jacke und Schlüssel abgelegt hatte, betrat er das Wohnzimmer. „Die Sicherung ist wieder eingeschaltet, ein Ersatzkabel haben wir leider nicht.“ Enttäuscht und vorwurfsvoll sah Annegret ihren Mann an. „Und was sollen wir nun den ganzen Abend machen?“, fragte sie. „Was weiß ich, Annegret. Ich kann mir kein Kabel aus den Rippen schneiden. Am besten gehst du schlafen. Vielleicht hast du dann morgen wieder bessere Laune.“ Benjamin setzte sich auf die Couch, nahm sein Handy, öffnete Instagram und scrollte durch seinen Verlauf. Annegret starrte vor sich hin. Beide schwiegen.

„Wie geht’s dir eigentlich?“, fragte Annegret nach einer Weile. „Du hattest doch erzählt, dass dir dein Chef ein neues Projekt geben will. Weißt du schon, wann es losgeht?“ Benjamin fuhr hoch, blickte seine Frau überrascht an und legte sein Handy auf den Tisch. „Momentan stelle ich noch ein Team zusammen. Ich denke in einem Monat geht es los.“ „Ach das hört sich doch gut an. Du wirst bestimmt ein gutes Team zusammenstellen. So etwas liegt dir doch. Da hast du ein Händchen für“, sagte Annegret aufmunternd. „Dankeschön“, erwiderte Benjamin. „Was machen eigentlich deine Fortbildungspläne? Hattest du nicht überlegt, eine Yoga Ausbildung zu machen? Du wolltest doch gerne deinen Bürojob aufgeben, weil er dich langweilt.“

„Danke, dass du fragst. Ich habe zwar im Internet nach Yoga Ausbildungen recherchiert, hatte aber nicht den Mut, mich irgendwo anzumelden. Mittlerweile bin ich mit 40 zu alt für solche Sachen. Ich sollte dankbar sein, einen sicheren Job zu haben. Das hat auch nicht jeder.“ „Ach Annegret, du kannst doch was. Wie du dich immer verbiegst. Mir wird davon schlecht. Es macht dir doch Spaß und du kannst gut mit Menschen umgehen. Man ist nie zu alt, seinen Träumen nachzugehen.“ „Danke. Du, hast recht. Ich muss einfach mutiger sein.“ Annegret strahlte Benjamin an.

„Sag mal, wie lange haben wir uns eigentlich gegenseitig nicht mehr gefragt, wie es uns geht?“, fragte Benjamin plötzlich. „Wenn du mich so fragst, ist es wohl zu lange her. Ich weiß auch nicht, was mit uns passiert ist. Irgendwie funktionieren wir nur noch. Samstags erledigen wir alles, was wir unter der Woche nicht geschafft haben und sonntags sitzen wir vorm Fernseher. Wir reden nicht mehr miteinander, sondern leben nebeneinander her. Ich scheuche dich die meiste Zeit herum oder bin unzufrieden. Du gehst auf Distanz oder bist abwesend.“ „Das stimmt Annegret, wir sollten aufpassen, dass unsere eigene Ehe nicht zum Tatort wird.“ Beide lachten.

Auf einmal blendete sie grelles Licht und Stimmen ertönte. Der Fernseher war wieder angegangen. „Ach sieh mal, es war wohl doch nur die Sicherung. Ein Kurzschluss und nicht das Kabel. Willst du deinen Tatort weiter anschauen?“, fragte Benjamin. Annegret antworte nicht, sondern nahm die Fernbedienung in die Hand und schaltete den Fernseher aus. „Weißt du, du könntest mir doch noch erzählen, was du genau in deinem neuen Projekt machen musst. Es interessiert mich.“ Benjamin lächelte. „Gerne und danach sprechen wir noch einmal über deine Fortbildung und darüber, wie wir wieder unsere Ehe in den Mittelpunkt rücken können.“ „Gute Idee. Ich habe gehört, dass man Serien auch aufnehmen kann und, dass um die Ecke ein neues Restaurant aufgemacht hat. Dort konnten wir anfangen, wieder ein wir zu werden; nicht nur ein du und ich.

April

Und wie der April,

fühlt mein Herz was es will;

fliegt in Stürmen, mit Regen,

sehnt der Sonne entgegen,

verliert sich, im Suchen,

in Träumen, die rufen.

Zauber

Jede Seele umgibt ein einzigartiger Zauber, der magisch ist und Wunder bewirkt; wir müssen nur fühlen, um ihn zu sehen.