Weißt du noch

Weißt du noch, wir waren Kinder, flogen träumend über’s Land,

trafen Elfen, sangen Lieder, Riesen waren uns bekannt.

Weißt du noch, wir waren Kinder, unbeschwert und voller Glück,

ich wünscht‘, ich könnt‘ so leicht mich fühlen, nur ein klitzekleines Stück.

Extraetüde abc.

Eine Extraetüde von mir, mit den 5 geforderten Begriffen in kleiner Reimform. Informationen zu dem Projekt findet ihr hier: https://365tageasatzaday.wordpress.com/2021/05/30/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-22-21-extraetueden/

Danke für die beiden letzten Wortspenden von Red Skies over Paradise und Bodenlosz-Archiv. Natürlich auch Dank an Christiane.

Sie ging zur Baracke, an den Ort zurück,

dort wo sie fand, einst ihr Glück.

Sie suchte sich selbst; was ihr widerfahren war,

zwar war der Tag hell, doch die Antwort unklar.

Sie sah Erinnerungen, farblos und lau,

sah sie schwach glitzern, wie schwindener Tau.

Sie fühlte, wie ihr Selbst langsam verdampfte;

der Name des Menschen, den sie früher noch kannte.

Sie fand nichts in sich, auch nicht rechtsdrehend;

ihr Selbst, weder ruhend noch am Boden fest stehend.

Ihr Herz atmete schwer, gepresst im Korsett

und es sang mit Schwermut ein leises Duett.

Großen Dank an alle, die meine Beiträge lesen, kommentieren und meinem Blog folgen!

Hafen und Boot

Es ist schön, zu fliegen; Freiheit zu verspüren, verschiedene Orte zu besuchen, sich zu erneuern und sich vom Leben treiben zu lassen.

Doch wir müssen uns auch erden; Wurzeln schlagen, an Orten und in uns, um Beständigkeit und Sicherheit erfahren zu können.

Manchmal finden wir Menschen, mit denen wir beides können; zusammen fliegen, aber auch erden.

Jemand, mit dem wir Freiheit verspüren, uns wandeln können; gleichzeitig, Wurzeln ineinander schlagen können.

Solche Menschen sind nicht nur unser Hafen, sondern auch unser Boot und wir sind es für sie.

In dir

All das, was du brauchst, hast du bereits; es liegt in dir.

Spaziergang am Rhein

Ich lass‘ mich treiben vom Leben, atme den Duft des Grün; umgeben von dem Schönen, dem Besonderen, was mich dieser Moment wahrnehmen und fühlen lässt.

Ich lass‘ mich streicheln, vom Wind, der mein Gesicht und mein Haar sanft umspielt; es sind diese Momente, in denen ich lebe, die Liebe in mir fühle, ganz bewusst im Ist.

Liebe fühlen

Liebe ist allgegenwärtig; in uns und um uns herum.

Sie ist in der Luft, in der Erde und in allem, das lebt oder von der Natur geschaffen worden ist.

Manchmal zeigt sie sich ganz offen, ein anderes Mal zeichnet sie ihre Symbole versteckt; beides können wir wahrnehmen und fühlen.

Alles was wir brauchen, um Liebe wahrnehmen zu können, haben wir bereits in uns; ein Herz, das offen liebt und fühlt – uns, die Menschen und das Leben mit seinen Wundern.

Bewusst

Menschen öffnen sich erst, wenn sie das Gefühl haben, dass ihr Selbst liebevoll angenommen wird.

Wenn wir aufhören, aus den Menschen etwas machen zu wollen, was sie nicht sind bzw. nicht mehr erwarten, dass sie wie wir sind, nehmen wir sie bewusst wahr.

Die bewusste Wahrnehmung des anderen eröffnet eine neue Sichtweise für uns: Dankbarkeit für den anderen und einen liebevollen Blick auf das individuelle Sein. Wir sehen den anderen bewusst und lieben ihn, wie er ist. Ohne ihn ständig verändern zu wollen oder kritisieren zu müssen.

Wir schaffen auf diese Weise Sicherheit für den anderen, laden ihn zum Austausch ein, vermitteln ihm Wertschätzung und das Gefühl, dass ihn jemand sieht.

Mit dieser Sichtweise werden wir in Beziehungen von dem anderen bewusst wahrgenommen und für das geliebt, was wir sind. Wir werden ebenfalls in Liebe angesehen.

Im Endeffekt lernen wir voneinander, dass unser Selbst wertvoll ist. Wir lernen mit dem anderen, unser Selbst zu lieben, so wie es ist.

Verse und Klänge

Jede Liebe hat ihre eigenen Verse und Klänge. Mit vielen Menschen entstehen nur schräge Melodien, mit wenig Versen, die nur für kurze Zeit im Herzen klingen.

Doch manchmal finden wir ein Gegenüber, mit dem unsere Melodie harmonisch klingt. Es sind diese Menschen, mit denen wir zusammen Verse schreiben, die ein ganzes Leben lang in unseren Herzen stehen.

Eine Kinder-Erwachsenengeschichte: Dunkelrot und Glitzerrot

Es war einmal ein kleines Herz, das Dunkelrot hieß. Dunkelrot war anders, als andere Herzen. Sein Name kam von seiner tiefen, dunkelroten Farbe, die es fast komplett durchzog. Doch in Dunkelrot gab es auch schwarze Flecken, welche es im Laufe seines Herz-Lebens durch Enttäuschungen gesammelt hatte. Dunkelrot hatte sich ein einige Male unglücklich verliebt oder wurde von anderen Herzen enttäuscht.

Dunkelrot glaubte trotzdem an die Liebe; es konnte nicht anders. Auch, wenn es manchmal traurig war und dunkelrote Herz-Tränen weinte, da es sich ein anderes Herz an seiner Seite wünschte, hielt es an seiner Sehnsucht fest. Es wollte sich verlieben und glücklich werden.

Manchmal ging es Dunkelrot nicht so gut. Dann war es unglücklich.

Dunkelrot sah man an, wenn es unglücklich war; seine Farbe wurde dann ganz blass, die schwarzen Flecken dagegen tiefer. Dunkelrot mochte sich dann selbst nicht und versuchte alles, um seine Farbe zurückzugewinnen. Es war gerne „Dunkelrot“ und es mochte sich so, wie es ist; mit seinem offenen Herzen, dass das Leben und andere Herzen bedingungslos liebte. Dunkelrot gelang es immer wieder, tiefrot zu werden und hoffnungsvoll zu bleiben. Darauf war es sehr stolz.

Dunkelrot war bei anderen Herzen beliebt; vor allem wenn es dunkelrot war. Es kümmerte sich gerne um andere Herzen, wollte, dass es ihnen gut und hörte sich ihre Sorgen an. Es versuchte, Ratschläge zu geben, andere traurige Herzen mit einem Stück seiner Farbe glücklich zu machen. Dunkelrot hatte ein feines Gespür; es fühlte, wenn ein anderes Herz unglücklich war. Immer dann, wenn Dunkelrot einem anderen Herz ein Stück seiner Farbe gegeben hatte, war es glücklich. Es vergaß dann, dass es selbst Farbe brauchte; für seine schwarzen Flecken, von einem besonderem Herz.

Dunkelrot war gerne glücklich; das war es immer, wenn es mit anderen Herzen Zeit verbrachte oder auf Reisen ging. Es erlebte gerne Abenteuer, genoss den Moment, indem es sich vom Wind sowie der Sonne ins Leben tragen ließ. Dunkelrot mochte es auch, Menschen kennenzulernen und sich ihre Nöte anzuhören. Es war ein Herz, das gerne anderen half; vor allem in Herzens-Angelegenheiten.

Eines Tages beschloss Dunkelrot, nach einer Zeit mit weniger Farbe, dass es eine Reise machen möchte. Es wollte seinen eigenen Kummer vergessen und das Leben spüren; „Vielleicht kann ich auch jemandem bei einer Herz-Angelegenheit helfen“, sagte Dunkelrot zu sich.

Dunkelrot zog an einem frühen Morgen los. Es war ein schöner Frühlingstag, ein frischer Duft lag in der Luft und die ersten Sonnenstrahlen zogen über den Himmel. Erste, kleine grüne Sprösslinge traten aus dem Boden hervor und die Wolken, sonst grau, strahlten weiß über Dunkelrot. Dunkelrot atmete die Frische ein, wärmte sich an der Sonne und fühlte sich von den weißen Wolken umarmt. „So ein schöner Frühlingstag“, dachte Dunkelrot.

Dunkelrot zog los, um sich dorthin tragen zu lassen, wohin sein Herz es zieht.

Es lief schon eine Weile, als es auf eine kleine Wiese kam, auf der Mohnblumen standen. Dunkelrot liebte Mohnblumen und bestaunte ihre Schönheit; ihre Farben strahlten im Licht. Es schaute sich um und sah entfernt Holzbänke stehen. Dunkelrot beschloss, sich auf eine Holzbank zu setzen und sich auszuruhen. Es wollte auch die Mohnblumen bestaunen und seine Gedanken schweifen lassen. Als Dunkelrot zu den Bänken ging, sah es eine junge Frau auf einer Bank sitzen. Dunkelrot fand die junge Frau sehr schön; mit ihren lockigen Haare und ihren tiefen, dunkelbraunen Augen.

Dunkelrot war ein sensibles Herz; es sah oft die schönen Züge von Menschen und anderen Herzen, fühlte aber auch ihre grauen Gedanken. Auch die der jungen Frau; ihre schönen dunkelbraunen Augen strahlten nicht, sondern blickten, tief gesenkt, gedankenverloren auf die Wiese. Dunkelrot fragte sich, was die junge Frau so traurig machte. Es setzte sich neben sie und sprach sie an: „Hallo, ich bin Dunkelrot. Darf ich dir sagen, dass deine Augen eine schöne, tiefe dunkelbraune Farbe haben?“ Die junge Frau sah auf und lächelte gezwungen: „Hallo Dunkelrot, vielen Dank. Leider strahlen sie zurzeit nicht.“. Die junge Frau wandte sich wieder von Dunkelrot ab, ihr Blick verharrte wieder auf der Wiese. „Warum strahlen deine Augen nicht?“, fragte Dunkelrot. Die junge Frau seufzte: „Ich bin verliebt“. „Aber, das ist doch schön. Du solltest glücklich sein, auf Wiesen tanzen, die Welt umarmen; verliebt zu sein, ist doch das schönste Gefühl der Welt“, stellte Dunkelrot fest. „Nun“, antwortete die die junge Frau, „Normalerweise schon, doch ich bin unglücklich verliebt.“ „Das tut mir leid“, tröstete Dunkelrot die junge Frau, „Erwidert dein Gegenüber deine Gefühle nicht für dich?“ „Das weiß ich nicht“, erklärte die junge Frau, „Ich habe ihm nichts von meinen Gefühlen gesagt. Immer wieder habe ich ihm Signale gesendet, doch er scheint diese nicht zu verstehen. Er erwidert meine Gefühle wohl einfach nicht“. Dunkelrot schaute die junge Frau überrascht an, dann lächelte es: „Ja, aber wenn du ihm nichts von deinen Gefühlen gesagt hast, wie soll er dann von ihnen wissen können? Manche Menschen brauchen große Signale, da sie unsicher sind. Ich finde, du solltest mutig sein und ihm von deinen Gefühlen erzählen. Vielleicht geht es ihm wie dir und er traut sich nicht“.

„Dunkelrot, ich habe keinen Mut dazu. Was ist, wenn er meine Gefühle nicht erwidert? Was ist, wenn er sich über mich lustig macht? Dann geht es mir sehr schlecht, das möchte ich nicht. Es ist besser, wenn ich ihn einfach vergessen.“, entgegnete die junge Frau. „Schau,“, sagte Dunkelrot, „Ich kann dich gut verstehen. Es tut immer weh, wenn Gefühle nicht erwidert werden. Ich weiß das als Herz selbst nur zu gut. Doch, wenn man nicht mutig ist, verpasst man vielleicht die Chance auf ein Glück, mit einem besonderen Menschen. Ein Mensch, der für uns geschaffen wurde. Wir sollten Chancen nicht an uns vorbeiziehen lassen, nur weil wir nicht mutig genug sind“.

Die junge Frau blickte nachdenklich auf Dunkelrot, dann antwortete sie: „Dunkelrot, warst du denn je mutig? Wurden deine Gefühle denn nicht auch schon einmal enttäuscht? Was soll ich machen, wenn er mein Herz nicht will? Dann ist es verletzt und weint vor Kummer.“ Dunkelrot überlegte, es fand keine passende Antwort. Es wusste selbst, wie weh es tut, wenn der andere ein Herz nicht will. Dunkelrot hatte dies ebenfalls erlebt und viel Kummer deswegen gehabt. Doch, es glaubte immer noch an die Liebe; dass für jeden auf der Welt ein Gegenstück erschaffen wurde, was es zu finden gilt. Daher sagte Dunkelrot zu der jungen Frau: „Siehst du meine schwarzen Flecken? All diese Flecken habe ich durch Enttäuschungen und Verletzungen erworben. Ich kenne das Herzschmerz-Gefühl also nur zu gut. Es tut weh, dein Herz weint und dennoch ist es wert, für die Liebe schwarze Flecken zu riskieren. Kummer gehört dazu, daran wächst unser Herz. Alle unsere Herzen haben schwarze Flecken. Wir müssen nur unser Gegenstück treffen, mit dem unsere Flecken wieder farbig werden. Jemand, der uns liebt und annimmt, so wie wir sind. Dafür lohnt es sich, Risiken einzugehen und mutig zu sein. Es ist besser, einmal wegen einer zerbrochenen Liebe oder einer Enttäuschung Kummer zu haben, als sich ein Leben lang zu fragen, ob der anderen doch das passende Gegenstück gewesen wäre“. Dunkelrot lächelte die junge Frau aufmunternd an, sie nickte. „Du hast recht Dunkelrot, ich versuche mein Glück. „Doch, ich will mich nicht blamieren oder mich lächerlich machen, wenn ich ihm gestehe, wie ich für ihn fühle. Wie soll ich ihm sagen, was ich für ihn fühle?“, fragte die junge Frau Dunkelrot. „Überlege nicht so viel. Erlebe den Moment mit ihm. Sei einfach da. Du, mit deinem Gefühl für ihn. Du wirst die richtigen Worte in diesem Moment mit ihm finden, wenn du auf dein Herz hörst“, antwortete Dunkelrot der jungen Frau. Die junge Frau hatte die Worte von Dunkelrot verstanden, sie stand auf und verabschiedete sich. Beide wünschten sich Glück.

Dunkelrot saß noch eine Weile auf der Holzbank. Es dachte an seine eigenen Enttäuschungen, an Situationen, in denen es selbst nicht mutig gewesen war und an all den erlebten Kummer deswegen. Dunkelrot seufzte. Anderen konnte es immer gute Ratschläge geben, doch diese selbst zu beherzigen, das schaffte es nicht. Dunkelrot wurde traurig, es vergoss eine dunkelrote Herz-Träne. Es sehnte sich selbst nach einem anderen Herzen; einem Gegenstück. Manchmal, da glaubte es nicht, solch eines zu finden.

Dunkelrot beschloss, seinen schwarzen Gedanken keinen Raum mehr zu geben und seine Reise fortzusetzen. Es stand von der Bank auf und zog weiter; in tiefe Wälder mit hohen Bäumen. Die Luft roch nach Holz und Grün. Dunkelrot zog diesen Duft tief in sich ein; mit jedem Atemzug, wurden seine dunklen Gedanken ein wenig heller und Dunkelrot selbst, ein Stück hoffnungsvoller. „Ich finde mein anderes Herz“, sagte Dunkelrot zu sich. Es zog weiter und kam zu einem großen See. Das Wasser des Sees war klar, eine Quelle sprudelte darin. Dunkelrot hatte Durst und beschloss, von der Quelle zu trinken. Als es zu der Quelle kam, sah es dort einen jungen Mann am Ufer sitzen. Der junge Mann war sehr groß und hatte einen schönen Mund. Doch der Mund lachte nicht, die Winkel hingen herunter. Gedankenverloren warf er Steine ins Wasser. Er bemerkte Dunkelrot nicht, als es aus der Quelle Wasser trank. „Hallo, ich bin Dunkelrot“, sprach es den jungen Mann an: „Du bist wirklich wundervoll groß und hast einen schönen Mund. Er sieht bestimmt toll aus, wenn er lacht“. Der junge Mann drehte sich zu Dunkelrot und antworte: „Danke für deinen netten Worte, Dunkelrot. Du hast recht, eigentlich lache ich sehr gerne und viel. Doch zurzeit habe ich keinen Grund zu lachen“. Dunkelrot machte diese Antwort traurig, es wollte dem jungen Mann dabei helfen, sein Lachen wiederzufinden. „Warum hast du denn dein Lachen verloren?“, fragte Dunkelrot. „Nun“, meinte der junge Mann, „Ich habe mich in jemanden verliebt. Dieser Mensch ist toll und er liebt mich zurück, doch ich merke, dass ich es nicht kann; mich von jemanden lieben lassen und selbst bedingungslos lieben. Es macht mir Angst, jemanden so nah an mein Herz zu lassen. Jedes Mal, wenn mir der Mensch näher kommt, möchte ich nur wegrennen. Dabei mag ich diesen Menschen gern, doch die Angst ist größer. Ich habe Angst, mich auf jemanden einzulassen, ihn in mein Herz zu lassen, verlassen zu werden. Wieder verlassen zu werden, das ertrage ich nicht“, erklärte der junge Mann. Dunkelrot betrachtete den jungen Mann, seine Worte hatten es berührt. Es kannte diese Angst nur zu gut, hatte sie oft selbst verspürt; seine eigene Herzfamilie war nicht immer liebevoll zu ihm gewesen. Dunkelrot wusste, dass seine Angst daher kam. Oft dachte es, das es für die Liebe von einem anderen Herzen nicht gut genug war, sie nicht verdient hatte. Dunkelrot war deswegen auch einige Male vor Herzen davongelaufen, die es sehr gern hatte. Danach war es sehr traurig gewesen und hatte seinen Beschluss bereut. Es weinte deswegen viele dunkelrote Herzens-Tränen, da es gerne anders entschieden hätte. Dunkelrot wollte nicht, dass es dem jungen Mann genauso ergeht; er von der Liebe und Menschen, die er mag, davonläuft, um sich vermeintlich sicher zu fühlen. „Ich verstehe dich sehr gut“, sagte Dunkelrot zu dem jungen Mann, „Ich hatte auch oft Angst, jemanden in mein Herz zu lassen, denn ich bin oft enttäuscht worden. Zweimal bin ich deswegen auch vor der Liebe weggerannt, um mich wieder sicher zu fühlen. Damals dachte ich, dass dies die richtige Entscheidung ist, doch das war sie nicht. Siehst du meine schwarzen Flecken? Diese habe ich durch Enttäuschungen erworben, aber auch durch die Verletzungen, die ich mir selbst zugefügt habe“. „Wie meinst du das?“, fragte der junge Mann. „Nun“, meinte Dunkelrot, „Herzen und auch Menschen wollen lieben; das Leben und die Menschen. Sie wollen auch ein besonderes Gegenüber finden, dem sie nahe sein wollen. Mit dem sie ihr Leben teilen wollen, damit es leichter wird. Wenn wir aus Angst vor der Liebe, vielmehr vor Enttäuschung und Verletzung davonlaufen, handeln wir zuwider unserer Herz-Bedürfnisse. Es macht uns krank, einsam und nimmt uns die Farbe. Irgendwann ist unser Herz ganz schwarz, nicht mehr rot, einsam und leer. Dann trauen wir uns nicht mehr zu lieben oder uns lieben zu lassen und verpassen so die Erfahrung, ein Gegenstück zu treffen, mit dem das Leben herziger wird.“ Der junge Mann sah Dunkelrot an, er überlegte. Dann blickte er auf seinen Stein in der Hand und warf ihn ins Wasser. „Doch Dunkelrot, wie soll ich meine Angst besiegen? Wie kann ich Liebe zulassen, wenn sich mein Herz an den Gedanken daran bloß eingeschnürt fühlt? Ich glaube, ich bin nicht stark genug dazu“, stellte der junge Mann fragend fest. „Ich denke, dass es einen Versuch wert ist“, sagte Dunkelrot. „Wir können mit unserem Gegenüber reden. Es gibt kein richtig oder falsch und auch kein Herzrezept. Wichtig ist, dass wir es versuchen wollen; zu lieben und Liebe zuzulassen. Wenn wir lieben wollen, es zulassen wollen, können wir mit unserem Gegenüber darüber reden, was uns Angst macht, um Wege zu finden, die unsere Ängste lindern. Wenn sich beide darauf einlassen, erfährt das Herz mit Zeit und Geduld Stück für Stück, dass Liebe auch schön sein kann; heilsam sein kann, für Menschen, die verletzt worden sind. Es geht nicht darum, sich als Mensch zu verändern; vielmehr, neue Wege zu gehen, die andere Erfahrungen ermöglichen. Dafür müssen wir uns öffnen, gegenüber Menschen, die wir gern haben oder lieben. Ob es klappt, kann dir keiner sagen. Manchmal funktioniert es trotzdem nicht. Doch es ist besser, es zu versuchen, als vor der Liebe davonzurennen; hinterher bereut man es nur, weggelaufen zu sein“.

Der junge Mann und Dunkelrot blickten einander an; zum ersten Mal sah Dunkelrot ein kleines Lächeln auf seinen Lippen. Er nickte. „Ich will es versuchen“, meinte der junge Mann. Beide verabschiedeten sich und wünschten sich Glück.

Dunkelrot schaute dem jungen Mann noch eine Weile nach. Es blieb am See sitzen und blickte ins Wasser. Dunkelrot geriet erneut in dunkle Gedanken und wurde traurig. Wieder hatte es jemanden einen Ratschlag gegeben, den es selbst oft nicht beherzigt hatte. „Warum sage ich anderen, dass sie mutig sein sollen, keine Angst zu haben brauchen, wenn ich doch selbst oft nicht mutig bin und vor Angst ganz schwarz werde“, dachte Dunkelrot traurig. Dunkelrot weinte viele dunkelrote Herz-Tränen, seine Farbe wurde ganz blass und seine schwarzen Flecken noch tiefer. Es dachte an all die verpassten Gelegenheiten, es zweifelte an sich und an seine Ansicht zur Liebe. Es dachte immer, dass man sich verlieben muss, in ein anderes Herz. Vielleicht ist Liebe ganz anders, praktischer und nicht so rot. Nur blass und klein. Dunkelrot wusste es nicht. Irgendwann beruhigte Dunkelrot sich und hörte auf zu weinen. Seine Farbe kam allmählich zurück. Es war müde vom Weinen und beschloss, sich noch eine Weile am Ufer des Sees auszuruhen.

Es war bereits Nachmittag, Dunkelrot saß immer noch am Ufer und blickte auf den See. Da hörte es entfernt eine Melodie klingen, die seine schwarzen Flecken streichelten, sie berührten. Seine tiefe dunkelrote Farbe kam zurück. Dunkelrot lächelte, es wollte wissen, wer so schön sang. Der Gesang kam näher. Dunkelrot drehte sich suchend um; da sah Dunkelrot es. Ein anderes Herz. Es war ebenso wie Dunkelrot tiefrot und es glitzerte im Licht. Wie Dunkelrot hatte es schwarze Flecken; aber an den Stellen, an denen Dunkelrot selbst mit tiefer Farbe durchzogen war. Das andere Herz war wunderschön, Dunkelrot fühlte Wärme in sich und in seinen schwarzen Flecken. Dunkelrot fühlte sich ganz leicht, als fliege es; in die Arme des anderen Herzen. Dunkelrot lächelte das andere Herz an. Es beschloss, dieses Mal mutig zu sein und keine Angst zu haben. Es wollte das andere Herz kennenlernen, denn es spürte eine Verbindung zu ihm. „Hallo“, begrüßte das glitzernde Herz Dunkelrot, „Ich bin Glitzerrot. Ich mag deine dunkelrote Farbe, ich erkenne mich in ihr. Auch in deinen schwarzen Flecken, kann ich mich sehen. Ich habe ebenso welche, nur an anderen Stellen; so ist das, wenn man liebt. Sie machen uns erst zu einem Herzen, gehören dazu, bis wir das Herz gefunden haben, mit denen wir unsere schwarzen Flecken wieder einfärben können. Kann ich mich ein wenig zu dir an den See sitzen. Ich glaube, dass wir uns viel zu erzählen haben“. Glitzerrot lachte Dunkelrot freudig an. Dunkelrot nickte und Glitzerrot näherte sich vorsichtig. Es setzte sich neben Dunkelrot. Beide betrachteten den See, er funkelte. Sie kamen einander näher, die Farben, der Glitzer verteilten sich auf auf ihrer beider Herzen; auf ihre schwarzen Flecken. Dann schauten sich beide tief in die Augen und lächelten sich an. In diesem Moment, ohne Worte, fühlten beide Nähe und Wärme füreinander. Dunkelrot und Glitzerrot spürten, wie ihre schwarzen Flecken blasser wurden; sie wussten, sie hatten ihr Herz gefunden.

Ich bin

Ich bin im Wind; das leise Rauschen, das dich umgibt, dich tragen will, hinein in das Leben.

Ich bin in der Sonne; die wohlige Wärme, die dich berührt, dich wärmen will, tief in deinem Herzen.

Ich bin im Regen; die leisen Tropfen, die auf dich niederfallen, dich mit Leben benetzen, damit du wachsen kannst.

Ich bin immer da; dort wo du bist, bin ich, in deinem Herzen lebe ich, bis du am Ende deines Weges angekommen bist.