Neue Geschichten

Ich setze den Stift an, um neue Geschichten zu schreiben. Die Tinte ist noch ganz frisch; ein dunkles kraftvolles blau. Noch es sind nur erste Worte, ohne Zusammenhang; Ideen für ein erstes Kapitel. Weder kenne ich die genauen Inhalte dieser Geschichten noch die Personen, die in ihnen vorkommen werden. Doch ich hoffe, dass es gute Geschichten werden, mit Menschen darin, die mich über mehrere Kapitel hinweg begleiten.

Keine Ahnung

So vieles habe ich zur Liebe geschrieben, meine Ansichten und Gedanken zu ihr; wie sie sich anfühlen könnte oder sollte – doch wenn ich ehrlich bin, habe ich eigentlich „gar“ keine Ahnung von der Liebe bzw. wenig Erfahrung mit ihr. Letztlich sind es nur wage Ideen, Hoffnungen und Wünsche, die ich von der Liebe habe oder mit ihr verbinde.

Mittlerweile bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass es nur wichtig ist, offen für die Liebe zu bleiben; dass es kein „Muss“ oder „Soll“ gibt, wenn sich beide miteinander wohl fühlen und glücklich sind; trotz aller Regenwolken. Ich habe keine Prämisse, außer dieser einen. Weder ist es mein fester Wunsch zu heiraten noch Kinder zu kriegen. Sicherlich wäre es schön, vor den Traualtar zu treten oder eine Familie zu gründen; doch beides garantiert keine „lang anhaltende“ Liebe. Es gibt keine Garantie für ein „ewig“ in der Liebe.

Ich glaube, dass es wichtig ist, von- und miteinander lernen zu wollen, was Liebe mit dem anderen bedeuten kann, was nur möglich ist, wenn man „offen“ bleibt; für all das, was noch kommen möge.

Vielleicht ist es „das“, worauf es in der Liebe ankommt.

Worte

Deine Worte sind laut, dennoch leer. Ich spüre keine Seele darin.

Die „Schönheit“ in deinen Worte klingt, doch strahlt sie nicht. Deine Worte sind nicht echt, nicht du;

sie erreichen mich auf diesem Wege nicht.

Mutig

Das Leben trägt mich; von Moment zu Moment. Mir wachsen Flügel, ich gleite mit dem Wind, dem Licht entgegen. Stürme bringen mich nicht ins wanken, ich bleibe mutig; steige empor, auch alleine – solange, bis ich „oben“, dort wo ich hin will, angelangt bin.

Erkannt

Dann haben wir uns „gesehen“; das Herz des anderen, seine Seele. Wir haben einander erkannt, ein Zuhause im Anderen gefunden.

Danach waren nie wieder dieselben; auf eine gute Weise.

Chaostage

Eine meiner, wie ich finde, charmantesten Eigenschaften, ist meine Tollpatschigkeit, die immer dann auftritt, wenn in meinem Inneren Chaos herrscht. Ich habe mittlerweile begriffen, dass ich in diesen Zeiten mein inneres Chaos nach Außen trage. Ich habe die Theorie, dass ich dadurch meinen inneren Zustand auszugleichen versuche; sicher bin ich mir nicht. Feststeht, dass ich mit dieser Eigenschaft nicht nur mich, sondern auch manchmal andere mit ins Chaos stürze; da wären wir dann doch wieder beim Ausgleich.

In den Zwanzigern war mein inneres Chaos, verbunden mit seinen Auswirkungen auf mein näheres Umfeld, mein prägendstes Markenzeichen.

An meinem ersten Arbeitsplatz war ich dafür bekannt, überall „meine“ Wasserflaschen zu verteilen. Meine Arbeitskollegen mussten demnach keine Ausbildung im Fährtenlesen absolviert haben, um mich finden zu können. Eine angebrochene Wasserflasche in einem Raum bedeutete, dass ich zeitnah in diesem gewesen sein musste; folgte man dieser „Spur“, gelangte man zu dem Raum ohne Wasserflasche und somit zu mir. Dort war ich dann; wahrscheinlich durstig, auf der Suche nach meiner „nächsten“ Flasche.

Mit zunehmendem Alter nahm mein inneres Chaos ab; Chaoswochen wandelten sich zu Chaostagen. Von einigen meiner Chaostage berichte ich; es wird sozusagen mein persönliches „best of“.

Nach einer Fortbildung habe ich stundenlang mein Auto gesucht. Ich lief alle möglichen Wege immer wieder ab; irgendwann sahen alle Straßen gleich aus. Auf meiner Odyssee bin ich abermals an ein und derselben Baustelle vorbeigekommen; die Verzweiflung in meinem Gesicht muss von mal zu mal zugenommen haben. Wahrscheinlich wussten die dort arbeitenden Menschen irgendwann nicht mehr, ob sie über mich lachen oder mit mir weinen sollten; dies wusste ich ab einem gewissen Zeitpunkt selbst nicht mehr. Als ich mich gedanklich schon von meinem Auto verabschiedet hatte, folgte ich meiner inneren Eingebung; plötzlich stand ich vor meinem Auto. Die Freude war groß; so, als hätte ich zum allerersten Mal in meinem Leben ein Auto gesehen. Wir hatten uns wieder, mein Auto und ich.

In meiner Tätigkeit als Familienhelferin musste ich mit „meinen“ Familien Termine für Hausbesuche etc. vereinbaren. Diese habe ich immer in einem „old school Buchkalender“ eingetragen. Irgendwann las ich in meinem Kalender eine Uhrzeit, jedoch keinen Namen. Es blieb mir daher nichts anderes übrig, als bei all meinen Familien telefonisch nachzufragen, ob wir an diesem Tag, zu dieser Uhrzeit, einen Termin vereinbart hatten. Die Familie habe ich gefunden, zu Ihrem Leidwesen; trotz dieses „Erfolgs“ rief diese Situation verständlicherweise keine positiven Gefühle in mir hervor. In Erinnerung ist mir auch geblieben, dass ich einmal meine eigene Geburtstagskarte, die ich von Arbeitskollegen geschenkt bekommen hatte, an eine meiner Familien als Weihnachtspost verschickt habe. Ehrlich gesagt, habe ich dieses Missgeschick nur durch Zufall aufgedeckt; die „Weihnachtskarte“ fiel aus meinen Kalender heraus. Die Familie hat es mit Humor genommen; man kannte mich halt.

Doch auch auf meiner jetzigen Arbeitsstelle habe ich schon Chaos verbreiten dürfen. An einem schönen Tag habe meinen Autoschlüssel gesucht. Er fand sich einfach nicht; weder in einer Seitentasche meiner Tasche noch in einer Schublade meines Schreibtisches. Ich habe alle Anwesenden verrückt gemacht, weshalb mein damaliger Chef den Parkplatz einer bekannten Supermarktkette nach meinem Schlüssel abgesucht hat; der Schlüssel fand sich schließlich in einer Seitentaschen meiner Tasche. Sicherlich hat ihn dort einer meiner Arbeitskollegen heimlich versteckt; anders kann ich mir das ganze nicht erklären.

Ich bin übrigens auch schon ohne Laptop auf die Arbeit gefahren; ich auf der Arbeit, der Laptop zu Hause. Wäre es umgekehrt gewesen, hätte ich mehr davon gehabt; es war zumindest ein ruhiger Arbeitstag.

Mein „letztes“, aktuelles Chaos, brach vorletzte Woche aus. Mein Morgen begann damit, dass ich mal wieder mein Auto gesucht habe. Als ich es endlich gefunden hatte, stand ich ohne Eiskratzer und Schneebesen vor einem eingefrorenen Schneeberg; diesen habe ich mit einer CD-Hülle, die mir beim Kratzen in Einzelteile zersprang, bezwungen. Ich kam an diesem Morgen reichlich spät zur Arbeit. Gestresst war ich nicht. Situationen dieser Art sind mir bekannt; sie beeinflussen meinen Pulsschlag nur noch kurzfristig.

Ich habe mich an mein inneres Chaos, das nach Außen will, gewöhnt. Mein Umfeld ebenfalls. Es gibt immer etwas zu lachen; dabei lache ich meistens erst hinterher, meine Mitmenschen schon währenddessen. Solange mein „Chaos“ keine schädlichen Auswirkungen hat, darf es bleiben. Mittlerweile habe ich es sogar lieb gewonnen; ich bin nicht „das Chaos“ in Person, es gehört einfach an manchen Tagen zu mir – immer dann, wenn Herz und Verstand keine Übereinkunft in mir finden.

Mein Herz

Könnte man in mein Herz sehen, würde man all die blauen Flecken und Narben entdecken; meistens kam ein neuer Fleck hinzu, wenn ich mich jemandem geöffnet habe. Mein Herz kann sich nicht mehr „schnell“ öffnen; es ist vorsichtig geworden, braucht Zeit, Vertrauen und Geduld. Oft hat mein Gegenüber weder etwas von dem einen noch von dem anderen; es geht ihm nicht schnell genug. Daher wendet er sich ab, weil ich auf ihn kühl und distanziert wirke. Dabei wünsche ich mir, wie (fast) jeder andere auch, einen Menschen an meiner Seite, der mein Herz, meine Seele, (an)erkennt und liebt, wie sie beide nun mal sind. Jemand, der das Tempo meines Herzens mitgeht und sich nicht abwendet, weil es ihm nicht „sofort“ zu Füßen liegt; der ihm Wärme gibt, anstatt sie nur zu nehmen.

Ob ich jemals auf solch einen Menschen treffe, weiß ich nicht; doch die Hoffnung gebe ich niemals auf.

Warme Brise

Und dann, an den kalten Novembertagen, hoffe ich, dass du dich an mich erinnerst, mich noch einmal spürst. Ich bin die warme Brise, die dich umhüllt, die flüsternd mit Worten voll von Liebe an deinem Ohr vorbeizieht.

Einst

Die Rosen, einst rot, heute verblasst und ausgeblichen,

die Sterne, vom Himmel geholt, liegen zerbrochen auf dem Boden,

der Tag, früher von der Sonne erstrahlt, wurde zur lang anhaltenden Nacht,

aus einem Wir wurde ein Du und Ich,

ein Ich ohne dich, ein Du ohne mich.

(Er)leben

Im „Hier und Jetzt“ gibt es weder ein „war“ noch ein „wird“, nur ein „ist“; dieses „Ist“ gilt es vollumfänglich zu (er)leben und wahrzunehmen.

Leben findet in Momenten der Gegenwart statt; all die „wars“ oder die „wirds“, sind Erinnerungen oder gedanklich konstruierte Vorstellungen, doch niemals das Leben selbst.