Wenn wir Menschen auf ein Podest stellen oder selbst auf einen Thron gesetzt werden, ist ein Blickkontakt auf Seelenebene nicht möglich – denn nur auf Augenhöhe können wir in das Herz des anderen sehen und somit seine wahres Ich erkennen.
Suchende
Wir bleiben Suchende im Außen, wenn wir unser Glück in uns selbst nicht finden.
November
November im Regen und mir ist kalt,
die Tage vergehen und Zeit wird alt.
Wieder ein Jahr, dass ohne dich ist,
meinem Herz ist klar, was meine Seele vermisst.
Fragen
Fragen, die dich in deiner Persönlichkeitsentwicklung weiterbringen können:
Welchen Nutzen ziehst du aus deinen negativen Gedanken über dich und die Welt? Schützen sie dich vor vermeintlich negativen Erfahrungen oder bestätigen sie dein aktuelles Selbstbild?
Liegt dein Fokus auf den Dingen, die gut für dich laufen oder nur dem Negativem in deinem Leben?
Vertraust du dem Leben oder nimmst du es als Kampf wahr?
Wovor hast du Angst und warum? Fühlst du dich sicher in deiner Angst oder vermeidest du Situationen, in denen dieses Gefühl aufkommt?
Was ist Liebe für dich? Meidest du sie, aus Angst vor Verletzungen oder springst du von Mensch zu Mensch, weil du Intimität nicht aushalten kannst? Fühlst du dich eingeengt in Partnerschaften oder unter Druck gesetzt, weil du deiner Ansicht nach Erwartungen erfüllen musst?
Was ist Freundschaft und Nächstenliebe für dich? Liebst du Menschen dafür, dass sie etwas für dich tun oder für das, was sie sind?
Bist du nach Außen gerichtet, damit du von anderen Liebe erhältst oder ruhst du in deinem Inneren, da du bereits weißt, dass du liebenswert bist?
Erlebst du das Leben bewusst, wach und präsent oder schläfst du noch in deinen unbewussten Mustern?
Was ist Glück für dich? Wonach sehnst du dich? Was beseelt dich so sehr, dass dein Herz lacht und vor Freude springt?
Was möchtest du am Ende deines Lebens erreicht haben, um sagen zu können: „Ich habe gelebt.“
Das Halloween-Gesicht
„Meinst du Bea kommt wieder als Presswurst verkleidet zur Halloween-Party?“ Isabell lachte, dann blickte sie in den Spiegel, um ihr Make-up zu überprüfen; wie immer, gefiel ihr was sie sah. Sie war wirklich eine Schönheit, mit ihren dunkelbraunen Haaren, ihren stahlblauen Augen und….
„Ach Isabell, sei doch nicht wieder nicht so zynisch. Nicht jeder kann Kleidergröße 34 haben so wie du“; die Antwort von Tina brachte Isabell in den jetzigen Moment zurück. „Ach komm‘ schon Tina. Du weißt genau, dass sie immer viel zu enge Kleidung trägt. Genau wie ihre Freundin Martina. Sie ist selbst Schuld, wenn andere sich über sie lustig machen. Bea müsste einfach weniger essen und mehr Sport machen oder einfach passende Kleidung tragen. Auch ein wenig Schminke und ein Friseurbesuch wären nicht schlecht.“ „Hmm, wie du meinst. Sagen wir dann um 21:00 Uhr vor dem Eingang?“ „Ok, bis später.“ „Ja.“, antwortete Tina und legte auf. Isabell lauschte noch einigen Sekunden dem Tuten ihres Telefons. Ein mulmiges Gefühl stieg in ihr hoch. Am Ende ihres Gesprächs war Tina kurz angebunden und ihr Ton klang verärgert. Isabell verstand nicht warum. Was konnte sie dafür, dass ihre äußere Erscheinung wie ein Magnet auf andere Menschen wirkte und ihr Türen öffnete, die anderen verschlossen blieben? Isabell verwarf den Gedanken und griff zum Lippenstift, um ihren Look zu vollenden.
Gegen 20:30 Uhr verließ Isabell ihre Wohnung; nicht, ohne einen weiteren Blick in den Spiegel zu werfen. Der Kauf ihres Kostüms hatte sich gelohnt, dachte sie. Sie sah spitze aus. Jeder Mann würde später nur Augen für sie haben. Isabell lächelte ihr Spiegelbild an, dann machte sie sich auf den Weg.
Tina stand bereits vor dem Eingang, als Isabell eintraf. Beide begrüßten sich, betraten den Club und gingen zur Garderobe, um ihre Jacken abzugeben „Toll siehst du aus, Isabell.“ „Danke, ich weiß. Mega Kostüm oder? Alle Männer werden umfallen, wenn sie mich sehen. Warum hast du dir denn nicht auch etwas heißeres gekauft? So wird dich niemand beachten.“ Tina lief rot an. Isabell fühlte erneut dieses mulmige Gefühl von eben. „Ach, du hast ja mich. Neben mir wirst du nicht untergehen.“
Der Club war voll. Es lief laute Musik. Menschen tanzten und hatten Spaß. Tina sang lauthals mit. Isabell stand gelangweilt in einer Ecke. Keiner der Männer kam ansatzweise in Frage für sie und niemand beachtete sie, obwohl sie die schönste Frau im Club war. Naja, das kann sich ändern. Es ist noch früh am Abend, sagte sie zu sich. „Tina, ich werde mal mein Make-up auffrischen.“ „Echt, aber es ist doch so heiß hier. Es verläuft sowieso wieder. Du siehst gut genug aus.“ „Es geht noch besser. Ich beeile mich.“
Der Gang zu den Toiletten war verspiegelt, was Isabell nutzte, um ihr Aussehen kurz zu überprüfen. Sie blieb stehen, blickte in die Spiegel und erschrak. Eine grüne, grauenvolle Fratze mit verzerrter Mimik starrte sie an. Von ihrem Make-up und ihrem Kostüm fehlten jede Spur. Isabell war entsetzt. Das kann doch nicht wahr sein. Ist das ein Helloween Trick?, schoss ihr durch den Kopf. Panisch drehte sie sich um und lief zu Tina zurück.
„Tina, wie sehe ich aus?“ „Wie immer, gut. Warum willst du das andauernd hören? Ehrlich gesagt nervt mich deine Selbstverliebtheit.“ „Wie meinst du das? Ich bin doch nicht selbstverliebt.“ „Ach vergiss‘ es Isabell. Schau mal, da ist Bea.“ Isabell drehte sich um und sah Bea, die umringt von Männern an der Theke stand. Ihr Kostüm war nichts Besonderes, doch ihr Lachen war es. Es klang ehrlich, herzlich und hell. Isabell verstand die Welt nicht mehr. Sie beschloss ihr Spiegelbild erneut zu überprüfen. Isabell griff in ihre Tasche, holte ihr Handy heraus und schaltete die Kamera auf Portrait-Modus. Erneut erblickte sie die Fratze, die ihr eben im Gang begegnet war. Isabell wurde schlecht. Wieder spürte sie das mulmige Gefühl, nur diesmal intensiver und lang anhaltender. „Du Tina, mir geht’s nicht gut. Ich gehe besser nach Hause. Es tut mir leid.“ „Wie bitte? Bist du wegen meinem Kommentar zu deiner Selbstverliebtheit beleidigt? Ich kenne dich nur so. Es ist in Ordnung. Manchmal nervt es mich halt.“ „Nein, alles gut. Ich habe nur das Bedürfnis, mich abzuschminken und in mein Inneres zu sehen.“ Tina blickte sie fragend an.
Auf dem Weg nach Hause dachte Isabell nach. Über die Aussage von Tina, ihre eigenen, die sie oft herablassend über andere Menschen traf und über Bea; eine Frau, die trotz Kleidergröße 44 anziehender auf Männer wirkte als sie. Isabell wagte erneut einen Blick; sie spiegelte sich in den Fenstern der Straßenbahn. Ihre Fratze hatte sich leicht verändert. Das Grün war etwas verblasst und die Mimik wirkte weniger verzerrt. Dennoch grinste sie Fratze immer noch höhnisch an. Isabell schluckte. War dieses Gesicht ein Abbild ihres Inneren? Hatten sich ihre schlechten Gedanken über andere in Form einer Fratze an ihr manifestiert, damit ihr wahres Ich heute zu Halloween zum Vorschein kam? Wenn ja, dann war dies eine Chance für sie, ihre Gedankenwelt zu verändern. Isabell begriff, dass es nicht darum ging, sich ihr Gesicht abzuschminken, sondern ihr Inneres. Zu Hause angekommen würde sie Tina eine Nachricht schreiben und sich für ihr Verhalten in den letzten Monaten entschuldigen. Es war ein erster Schritt, das wusste sie. Doch vielleicht würde sie irgendwann ebenso ehrlich, herzlich und hell lachen wie Bea; dann, wenn ihr Inneres gelernt hatte, was wahre Schönheit ist.
Versuch
Jede Partnerschaft ist ein Versuch, seinem wahren Selbst ein Stück näher zu kommen. Mal gelingt dieses Unterfangen, ein anderes Mal nicht. Dennoch ist jeder Versuch heilsam und wichtig für uns. Wir wachsen an ihm, finden Liebe in uns, lernen uns selbst besser kennen; bis wir wissen, was wir wollen bzw. was uns gut tut und was nicht.
Alte Kleider
Es zwickte und zwackte überall; die Kostüme ihres alten Ichs legten sich wie ein Korsett um ihr wahres Selbst und schnürten ihren Lebensatem ab.
Sie warf sie ab; die alten Kleider, die ihr zu klein geworden waren. Nackt, ohne Kostümierung, stellte sie sich vor dem Spiegel und betrachtete sich.
Sie gefiel sich, ganz ohne Kostüm. Ihr Spiegelbild reflektierte die Liebe, die in ihr gewachsen war. In diesem Moment wurde ihr bewusst, dass ihr wahres Selbst zum Vorschein trat. Sie benötigte keine Kleider mehr, die ihr wahres Ich verhüllten.
Gedankenimpuls
Unsere Gedanken über uns und die Welt werden zu Stolpersteilen auf unserem Lebensweg – wenn wir nicht lernen, dass wir für ihre Beschaffenheit, ihre „Höhe“ und „Schwere“, verantwortlich sind.
Herz aus Eis
Ein Herz aus Eis,
traf ein anderes;
dies flüsterte leis‘
und wärmte es.
aus Eis wurde Mut,
der lauter sprach,
„Liebe tut gut“,
auch wenn ich einst brach.
Morast
Dein Schiff wird trotz voller Segel nicht vorankommen, wenn dein Anker im Geröll stecken bleibt und alten Morast aufwirbelt, der dich bewegungsunfähig macht.
