Heut‘

Heut‘ reimt sich der Schmerz so schön aufs Herz,

regnet mein Gemüt, wie ein Tag im März.

Heut‘ dämmert der Tag, scheint kein Licht,

fühlt sich der Satz, „das Herz zerbricht“.

Heut‘ ziehn Stunden schwer, weht kein Wind,

weil nicht alle Tage, die guten sind.

Haut

Deine Seele, legt sich wie eine zweite, warme Haut über mich; vor der Kälte beschützt sie mich. Wir zwei, du und ich, sind wie eine kleine, warme Welt voll von Liebe in sich.

Du darfst

Du darfst sein, mit deinem Körper; wahrnehmen, wie Wind leicht dein Haar durchfährt, Sonne wärmend deine Haut berührt.

Du darfst sein, mit deiner Seele; fühlen, wie Liebe behutsam dein Herz öffnet, Schmerz bitter-süß verletzt, dich manchmal auch verschließt.

Du darfst sein; mit deinem Körper und deiner Seele. Genieße dein Sein, mit all seinen Facetten, durch wahrnehmen und fühlen.

Sei einfach voll und ganz da, in diesen vergänglichen Momenten, die sich Leben nennen; unser Leben wirkt heilsam auf uns, wenn wir verstehen, wie reich wir durch unser Sein beschenkt worden sind.

Eine Kindergeschichte – Pünktchen, der Marienkäfer

Es war einmal ein kleiner Marienkäfer, der Pünktchen hieß. Als Pünktchen geboren wurde, war er anders als seine Brüder und Schwestern. Auch wie seine Freunde. Er war sehr klein und schwach, doch er wuchs, wurde größer und stärker.

Doch trotz allem blieb Pünktchen immer anders als alle anderen Marienkäfer. Er war kleiner, schwächer als sie und das Fliegen fiel ihm sehr schwer. Seine Flügel waren zu klein dazu. So dachte Pünktchen zumindest. Er fühlte sich klein und schwach.

Pünktchen sah auch anders aus, als seine Geschwister und Marienkäfer – Freunde; das Leben hatte sein Kleid anders bemalt. Pünktchen waren nur 5 Punkte geschenkt worden, die sich unregelmäßig auf seinem Kleid verteilten. So sah er es zumindest.

Pünktchen war mit seinen Besonderheiten unzufrieden. Oft war er auch sehr traurig darüber. Er blickte neidisch auf seine Marienkäfer – Freunde, deren Kleider viele Punkte hatten und fühlte sich von ihnen ausgeschlossen, fast ausgegrenzt. Pünktchen fühlte sich einsam und unverstanden. Oft stand er am See und betrachtete traurig sein Spiegelbild. „Niemand mag mich leiden“, dachte er traurig. „Ich werde niemals echte Freunde finden, auch keinen anderen Käfer, der mich schön findet, denn ich sehe ganz anders aus; gar nicht wie ein Marienkäfer. Ich bin zu klein und zu schwach, um ein guter Käfer zu sein“. Pünktchen sonderte sich von seinen Geschwistern und Marienkäfer-Freunden ab. Er wurde immer einsamer und mürrischer. „Sie mögen mich sowieso nicht; nicht so wie ich bin“, sagte Pünktchen oft traurig zu sich selbst. Sein kleines Herz wurde im Laufe der Zeit so hart wie ein Stein. Pünktchen fühlte sich traurig und allein.

Eines Tages beschloss Pünktchen wegzufliegen, um Marienkäfer-Freunde zu finden, die wie er waren. „Diese Käfer mögen mich bestimmt, denn sie wissen, wie es ist, anders zu sein“, dachte Pünktchen sich. Ohne seiner Familie und seinen Marienkäfer – Freunden Aufwiedersehen zu sagen flog er davon.

Pünktchen kam nicht sehr weit, seine Flügel waren zu schwach um lange fliegen zu können. Er war nicht oft geflogen, denn Pünktchen dachte, seine Flügel seien zum Fliegen zu klein. Daher benutzte er sie nicht. Pünktchen beschloss, auf einer Wiese zu landen, damit seine Flügel ausruhen konnten.

Pünktchen betrachtete seine Umgebung, Mohnblumen blühten rot schimmernd im Licht um ihn herum. Solch ein schönes Rot hatte er noch nie gesehen. Plötzlich hörte Pünktchen ein Zirpen, mit unbekannten Tönen und Klängen. Er drehte sich um und sah eine Grille. „Hallo du, ich bin Pünktchen, wer bist du?“, fragte er. Die Grille antworte: „Ich bin Zirpie, schön dich kennenzulernen Pünktchen“.

„Ich freue mich auch, dich kennenzulernen Zirpie“, antworte Pünktchen. Er fragte: „Du, sag mal, du zirpst anders, als alle Grillen, die ich kenne. Darf ich fragen warum?“

„Natürlich darfst du das“, erwiderte Zirpie, „Ich bin so geboren worden, mit meinen Tönen und Klängen. Ich kann nur auf diese Weise zirpen“. „Bist du denn nicht traurig darüber, anders als alle anderen Grillen zu sein?“, fragte Pünktchen überrascht. „Nein, wieso? Alle meine Freunde freuen sich über mein Zirpen. Zusammen zirpen wir Melodien, die nur durch meine Töne und Klänge, möglich sind“, erklärte Zirpie.

Pünktchen schaute Zirpie lange an, er dachte nach: Anders zu sein, schien gar nicht schlimm zu sein. Auch wenn man besonders ist, kann man echte Freunde finden, die mit der Besonderheit umgehen können. Anders zu sein, kann anderen sogar Freude bringen; sich selbst auch. „So habe ich es noch nie gesehen“, sagte Pünktchen zu Zirpie, „Es ist wohl gar nicht so schlimm, anders zu sein“. „Nein, das ist es nicht“, erwiderte Zirpie. „So, Pünktchen, ich muss nun weiter, meine Freunde warten auf mich. Wir wollen zusammen noch ein paar neue Melodien einzirpen. Es hat mich sehr gefreut, dich kennenzulernen zu dürfen. Pass gut auf dich auf Pünktchen. Vergiss nie, wie besonders du bist. Ich mag übrigens dein Kleid. Einen Marienkäfer wie dich, habe ich noch nie gesehen; so ein schönes Rot mit 5 schwarzen Punkten. Deine Punkte ergeben, wenn man genau hinsieht, ein gezeichnetes Herz. Wunderschön. Deine Freunde freuen sich bestimmt, wenn sie dein Kleid ansehen. Alle werden gerne an Liebe erinnert. Mach’s gut Pünktchen“. Zirpie hüpfte davon und ließ Pünktchen allein.

Pünktchen fühlte sich durch das Gespräch mit Zirpie gestärkt. Mit neuen Mut war Pünktchen bereit, weiter zu fliegen. Er hob ab. Es war ein seltsames Gefühl, das Fliegen fiel Pünktchen plötzlich viel leichter als sonst. Er flog so hoch wie nie und genoss die wärmende Sonne auf seinen Flügeln. „Ich sollte viel öfter fliegen“, dachte Pünktchen. „Ich kann es richtig gut“. Pünktchen freute sich sehr über diese neue Erfahrung und flog weiter, über grüne Wiesen und viele Felder. Irgendwann wurde er müde und beschloss, sich auf einem Stein an einem See auszuruhen.

Es war bereits später Nachmittag. Die Sonne stand tief und spiegelte sich im See. Pünktchen betrachtete sein Spiegelbild, doch er fand daran immer noch wenig, was ihm gefiel. „Zwar kann ich nun gut fliegen“, sagte er zu sich selbst, „doch, was bringt mir ein Herz auf meinem Keid, wenn ich immer noch zu klein und zu schwach bin, um ein echter Marienkäfer sein zu können. Ich bin einfach zu anders, zu besonders. Keiner mag mich so, wie ich bin“. Pünktchen wurde wieder traurig, er dachte an die anderen Marienkäfer, die er ohne ein Wort des Abschieds zurückgelassen hatte. „Ob sie schon bemerkt haben, dass ich weggeflogen bin?“, fragte er sich. Pünktchen vermisste sie.

Plötzlich hörte Pünktchen ein Geräusch im Wasser und drehte sich um. Er sah einen Frosch, der ebenfalls auf einen Stein saß, die letzten Sonnenstrahlen genoss und versuchte Fliegen zu fangen.

Der Frosch sah ganz anders aus, als alle Frösche, die Pünktchen jemals gesehen hatte. Er war nicht grün, sondern rot.

„Hallo du“, begrüßte Pünktchen den Frosch, „Ich bin Pünktchen, darf ich fragen, wie du heißt?“

„Natürlich darfst du das“, antwortete der Frosch. „Ich bin Quak, freut mich, dich kennenzulernen Pünktchen.

„Mich auch Quak“, erwiderte Pünktchen. „Sag mal Quak, du hast eine ganz andere Farbe, als alle Frösche, die ich kenne. Es ist doch bestimmt nicht immer leicht für dich, besonders zu sein. Bist du nicht traurig darüber, anders auszusehen?“

Quak sah ihn mit seinen dunklen, große Augen an und antworte: „Nein, wieso Pünktchen. Ich bin so geboren worden und ich mag mich so wie ich bin. Trotz meiner Farbe bin ich ein vollwertiger Frosch. Meine Freunde beneiden mich sogar um meine rote Haut; im Sonnenlicht spiegelt sie sich ganz anders, als die von ihnen. Sie lieben es, sie im Sonnenspiel zu beobachten und erfreuen sich an den vielen Farben, die sie dann sehen“.

Pünktchen konnte es plötzlich verstehen, er sagte zu Quak: „Vielen Dank für deine Antwort Quak. Du hast mir geholfen, zu erkennen, wer und was ich bin“. „Das freut mich Pünktchen, gern geschehen. So, ich muss nun weiter. Meine Freunde warten auf mich. Wir wollen zusammen noch ein paar Fliegen fangen. Ich mag übrigens deine Flügel, sie schimmern glitzernd im Licht. Du wirkst stark und mutig auf mich, besonders. So einen Marienkäfer wie dich, habe ich noch nie gesehen. Pass gut auf dich auf Pünktchen. Aufwiedersehen“. Quak hüpfte davon, Pünktchen sagte ihm Lebewohl. Er schaute ihm noch einige Zeit nach.

Dann drehte sich Pünktchen herum, er wollte sein Spiegelbild im See ansehen. Er war erstaunt, es sah ganz anders aus, als er es in Erinnerung hatte. Zum allerersten Mal konnte Pünktchen sein Spiegelbild so sehen, wie es wirklich war. Es zeigte keinen kleinen, schwachen Marienkäfe, denn seine Flügel schimmerten im Licht. Pünktchen wirkte stark und mutig. Er drehte sich herum, er wollte auch sein Herz auf seinem Kleid ansehen. Sein Kleid hatte wirklich ein aufgemaltes Herz, was Pünktchen sehr gefiel. Vorher war es ihm nie aufgefallen. „Wie schön ich doch bin“, dachte Pünktchen sich. Er drehte sich wieder herum und betrachtete erneut sein Spiegelbild. Pünktchen lächelte, er war glücklich und zufrieden mit sich. „Ich bin so geboren worden, stark und mutig. Ich bin gut so wie ich bin. Selbst mit meinem Kleid, das besonders ist“, flüsterte Pünktchen stolz.

Pünktchen begriff, dass er sich selbst klein und schwach gesehen hatte, durch ein Spiegelbild in seinem Kopf, das es nicht gab. Er war besonders, anders, doch die anderen Marienkäfer haben ihn trotzdem gemocht; so wie er ist. Er selbst hatte sich leiden können, weil er anders war. Er war grob gewesen, hatte die anderen abgewiesen, da er dachte, dass seine Geschwister und seine Marienkäfer-Freunde ihn so wie er ist nicht mögen würden.

Pünktchen beschloss, zu seiner Familie und zu seinen Marienkäfer-Freunden zurückzufliegen. Der Weg war lang, es dämmerte bereits. Doch Pünktchen wusste, dass er es schaffen würde. Er fühlte sich mutig und stark genug dazu. Seine Flügel würden ihn tragen, überall hin.

Pünktchen hob ab, dem Himmel entgegen. Er freute sich darauf, seine Familie und seine Freunden wiederzusehen, um sie mit seinem Herz-Kleid zu erfreuen. Pünktchen würde sich nun nicht mehr einsam fühlen, er gehörte dazu.

Pünktchen lächelte beim Fliegen, er wusste nun, wer er war: Ein mutiger Marienkäfer, mit einer Besonderheit; zwei großen Herzen, eins von innen und eins von außen.

Tinte

Mut ist unsere Tinte, um die Worte auszusprechen, die bereits in unserem Herzen geschrieben sind; wir müssen sie nur benutzen.

Farbe

Zeige deine Liebe, lass‘ sie andere fühlen und spüren. In rot, gelb oder grün; in kleinen Worten, Taten oder Gesten für dein Gegenüber – so, wie du es kannst und es dir möglich ist.

Liebe zu spüren, an Menschen weiter zu geben, die du liebst bzw. magst, macht dein Leben ein stückweit heller und bunter, ist Nahrung für deine Seele und dein Herz; zu lieben und zurück geliebt zu werden, ist eine der schönsten Erfahrung, die man im Leben fühlen darf.

abc.Etüden – Befreiung –

Die abc.Etüden http://365tageasatzaday.wordpress.com/2021/05/02/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-18-19-21-wortspende-vom-bodenlosz-archiv/ sind eine Schreibeinladung von Christiane auf: irgendwas ist immer.

Die Wörter für die Textwochen 18/19 des Schreibjahres 2021 stiftete Nina mit ihrem Blog Das Bodenlosz-Archiv. Sie lauten:

Korsett
rechtsdrehend
dampfen

Wie immer an dieser Stelle der Verweis auf den Etüden-Disclaimer. Die Headline für die Etüden heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.

Sie stand vor dem Spiegel und betrachtete sich. Ihr weißes, glitzerndes Prinzessin – Kleid wirkte wie eine Verkleidung an ihr. Heute war ihr großer Tag. Sie würde ihre Jugendliebe Christian heiraten. Sie sollte glücklich sein, vor Freude zerspringen; doch, das tat sie nicht. Sie erkannte sich nicht, in diesem überdimensionalen Kleid, das sie fast begrub. Der Anblick schnürte ihr die Luft ab; nicht das Korsett, das unter ihrem Brautkleid ihre Taille formte.

Sie dachte an ihre Träume zurück; reisen, Menschen, andere Kulturen kennenlernen. Sie war schon immer anders gewesen; ein rechtsdrehendes Molekül unter all den linksdrehenden.

Während all ihre Freundinnen von Hochzeit und Kinder träumten, war es ihr Wunsch, die Welt zu bereisen, Eindrücke zu sammeln, in Freiheit zu leben. Dann lernte sie Christian kennen, alles veränderte sich. Sie passte sich seinen Vorstellungen vom Reihenhaus mit Kindern an. Ihre Träume gerieten in Vergessenheit. Nun lebte sie in dieser eintönigen Struktur, die keine Freiheit mehr zuließ; in diesem Reihenhaus, in dem alles durchdacht und eingeplant war, selbst das spätere Kinderzimmer. Ihr schnürte es erneut die Luft ab, wenn sie an ihr weiteres Leben mit Christian dachte. Es war ihr, als ob sie gleich zu Boden fallen würde.

Das Pfeifen des Teekessels brachte sie zurück. Sie drehte sich um, sah ihn dampfen. Zur Beruhigung hatte sie sich einen Tee aufgesetzt. Sie wusste nun, dass er ihr keine Ruhe schenken würde. Es gab nur eins, was sie tun konnte, um wieder Ruhe empfinden zu können. Niemand würde sie verstehen; vor allem Christian nicht. Doch, das war ihr egal.

Sie würde nicht heiraten; heute nicht, vielleicht auch nie. Die einzige Ehe, die sie momentan eingehen wollte, war eine mit ihr.

Sie betrachtete sich erneut im Spiegel, erkannte sich und lächelte. Heute war ihr großer Tag, denn sie befreite sich.

Wunsch

Träumend, im Wind, der mich sanft umwiegt,

flüsternd, vom Wunsch, der in mir aufblüht:

Ein Mensch, mit Herz, mit dem er mich sieht,

ein Herz, das bleibt, weil es mich liebt.

Oasen

Es ist wichtig, sich eigene Oasen des inneren Glücks zu schaffen; unabhängig von anderen Menschen oder einem außen.

Finde Dinge, die du an dir liebst, die du gerne tust. Halte dir deine positiven Eigenschaften vor Augen, nutze deine freie Zeit für Aktivitäten, die dein Herz erfüllen, deiner Seele Licht und Kraft spenden.

Selbstwert und Selbstliebe heißt, sich um sich selbst zu kümmern; je mehr du dies praktizierst, um so besser wirst du dich fühlen; unabhängig von Signalen andere Menschen oder einem außen.

Bereit

Ein Herz, nun frei und leicht,

Fesseln, Grenzen aufgeweicht,

hat Ängste, Sorgen, abgegeben,

um zu fliegen, hinein ins Leben,