Abc.Etüde: Der Waldlauf

Informationen zum Projekt finden sich hier: https://365tageasatzaday.wordpress.com/2022/03/20/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-12-13-22-wortspende-von-ich-lache-mich-gesund/

Danke an Christiane, an die Wortspenderin und an alle Beteiligten.

Nach einem langen Arbeitstag beschloss sie, spazieren zu gehen. In letzter Zeit hatte sie das Gefühl, keine Luft zu bekommen; der Druck in ihrem Herzen stieg von Tag zu Tag und abends kam ihr Kopf nicht mehr zur Ruhe. Sie hoffte, in der Stille Ruhe zu finden und Atemluft für ihr Herz sammeln zu können.

Nachdem sie eine zeitlang gelaufen war, kam sie vor einer Birke zum Stehen. Beim Anblick des Baumes, spürte sie Frieden und Leichtigkeit; ihr Herz begann gleichmäßig zu schlagen und ihr Kopf hörte auf, Schwarz-Weiß-Geschichten zu erzählen.

Sie trat einen Schritt nach vorne, umarmte die Rinde, legte ihre linke Wange ab, schloss die Augen und atmete.

Plötzlich bemerkte sie, dass ihre Wangen nass waren. Sie weinte. Mit jeder Träne, nahm ihr innerer Druck ab und ihre Leichtigkeit zu. Es fühlte sich an, als ob sie ihren Körper entgiften würde.

Sie öffnete ihre Augen und sah sich um. Es dämmerte bereits, doch sie lächelte. Ihrem Herzen war blumig zumute und ihr Kopf war still. Ihr wurde bewusst, dass sie ihren Gefühlen zu wenig Raum gegeben hatte. Sie hatte sich angestrengt, um alle Herausforderungen in ihrem Beruf meistern zu können, intensiv an sich gearbeitet und krampfhaft versucht, im Negativen das Gute zu sehen und für jede Situation dankbar zu sein; auch für solche, die sie verletzt oder enttäuscht hatten. Sie hatte alle negativen Gefühle ausgesperrt, um sich nicht wieder in ihnen zu verlieren.

Heute hatte sie sich daran erinnert, dass alles sein darf; dass das Gute nicht ohne das Schlechte existierte, weshalb es wichtig ist, das zu fühlen, was gefühlt werden soll. Es war diese Erkenntnis, die ihr ihr ein Gefühl von Dankbarkeit weckte; eine Dankbarkeit, die echt war und nicht erzwungen.

Veröffentlicht von Lene

Ich würde mich als emphatische und entspannte Person bezeichnen, die versucht, ihre Erlebnisse in Wort und Schrift darzustellen. Also alles was mein Herz in irgendeiner Art und Weise berührt, verarbeite ich schriftlich. Ich bin kein Meister der Poesie. Manches mag sich holprig anhören, aber so ist mein Schreibstil. Ich bin auch nicht festgelegt auf eine Art von Text, jedenfalls noch nicht. Ich probiere gerne mal aus, dass merkt man auch an meiner Website: Sie ist recht bunt. Ich denke gerne bunt, denn für mich ist es das Leben auch. Mich freut es einfach, wenn der ein oder andere etwas mit meinen Texten anfangen kann oder sich vielleicht sogar darin wiederfindet. Viel Spaß beim Lesen. Und danke für euren Abstecher in meine kleine, bunten Welt. Vielleicht bis bald. 🤗 Lene

14 Kommentare zu „Abc.Etüde: Der Waldlauf

  1. Sie ist an/mit der Birke in ihr inneres Gleichgewicht gekommen. Möge sie eine Lehre daraus ziehen können, möge es ihr damit gut ergehen, und vor allem: Ich wünsche ihr, dass sie es wiederholen kann, denn einmal ist (oft) nicht keinmal, aber zu wenig.
    Vielen Dank, das kann ich mir so gut vorstellen. Ich mag es sehr. 🌳🌳🌳
    Abendgrüße 😁🧡☁️🍷🍪🌼👍

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    1. Lieben Dank Christiane für deinen Kommentar. Ich habe mich sehr darüber gefreut. ❤️ Wie immer steckt ein Teil meines Ich’s darin. Wie wunderbar, dass wir darüber schreiben dürfen. Es befreit so sehr. Und ja, sie wird die Birke immer wieder aufsuchen, um sich daran zu erinnern, dass alles sein darf, was ist; letztlich bringt nur die Akzeptanz von allem den wahren Frieden und die Liebe zu uns. Hab einen schönen Abend 🌷😀🤍

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  2. Wer würde nicht gerne alle negativen Gefühle einfach aussperren? Meist stehen sie allerdings ziemlich schnell wieder vor der Tür. Uns wird gerne suggeriert, dass es nur bestimmter Techniken bedürfe, und schon würden wir diese Gefühle los. So, als wäre es unsere „Schuld“, dass wir diese Gefühle überhaupt haben. Unser Unterbewusstsein wird gerne mit „Schuld“ assoziiert.

    Da sich vieles, was aus dem Unterbewusstsein zu kommen scheint, für uns schlecht anfühlt, möchten wir es möglichst nicht an die Oberfläche kommen lassen. Oft sind es Themen, die wir auch deshalb nicht an die Oberfläche kommen lassen können, weil wir das Gefühl haben, dass uns dies von unseren Vorfahren „verboten“ wurde. Wir haben dieses Gefühl, weil wir dort eine „Schuld“ vermuten – und einerseits meinen, die Vorfahren vor einer Offenlegung „beschützen“ zu müssen, und andererseits meinen, uns für sie „schämen“ zu müssen. Diese Bewertung wurde uns beigebracht. Wir sollen urteilen und richten, denn das hält uns in der Vorstellung, dass die Welt schlecht ist und die Menschen „böse“. Und diese Vorstellung macht uns traurig und ängstlich und manipulierbar. Genau deshalb werden wir in dieser Vorstellung gehalten.

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    1. Hallo Maren
      Ja, da hast du absolut recht. Zurzeit ist ein Trend zu sehen, der auf toxische Positivität abzielt. Dies halte ich ebenso für gefährlich. Niemand ist immer glücklich. Es ist wichtig, den Schmerz zu fühlen, um heilen und wachsen zu können. Wer verdrängt, nimmt sich diese Chance und belügt sich in meinen Augen selbst.
      Ich denke, es ist wichtig, dass wir alles fühlen, anstatt zu verdrängen oder es zu refraimen.

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  3. Danke dir liebende Lene
    inmitten meines Garten Eden
    steht eine Birke hold und zart
    wer hat sie wohl gepflanzet
    schwarz weiß nach ihrer Art
    ein bunter Hund ein Gartenzwerg
    jenseits von „Böse & Gut“
    ist aller Lebens Liebesmut…lächelnd der Mann mit buntem Hut

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  4. Hallo Lene,
    ja, es ist keine gute Idee, in allem das Gute sehen zu wollen, für alles dankbar sein zu wollen, solange man dabei die negativen Gefühle einfach übergeht. Das weiß ich, aber trotzdem passiert es mir immer wieder.
    Gefühle wie Wut, Angst, Groll, etc. wollen genauso gespürt und respektiert werden. Erst danach kann man sie ziehen lassen.
    Danke für deine Birke. Ich hoffe, ihre Schwestern werden mich immer mal wieder daran erinnern, dass es da keine „Abkürzung“ gibt.
    Stefan

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    1. Ich schicke dir gerne ihre Schwestern. 🙌😊 Ich weiß, was du meinst. Doch letztlich muss ich sagen, dass ich am Schmerz gewachsen bin. Liebe Grüße an dich

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