Von Booten und Wegen

Mit meinem kleinen Boot bin ich auf’s weite Meer geschwommen,

hab‘ mich kreisend gedreht, die tiefsten Wellen mitgenommen.

Die Ruder hab‘ ich stets verloren, schnell und meistens unbewusst,

ich kannte das Ziel, doch den Weg dorthin, den hab‘ ich nicht gewusst.

Tage

Manche Tagen sind bunt, andere grau; dann gibt es die, die dazwischen sind.

Wir leben an allen Tagen, bunt oder nicht; dass ist so, weil mit jeder Farbe ein neues Bild beginnt.

Entschuldigungen und ihre Kultur

Aus dem Film „Love Story“, einer meiner Lieblingsfilme, stammt folgendes Zitat „Liebe bedeutet, niemals um Verzeihung bitten zu müssen“.

Zunächst fand ich dieses Zitat befremdlich. Eigentlich bin ich der Ansicht, dass man sich bei Fehlern entschuldigen sollte. So habe ich es gelernt.

Eine Entschuldigung soll dem anderen zeigen, dass man seinen Fehler einsieht und er nicht an dem verletzenden Verhalten Schuld hatte. Natürlich auch, dass man den anderen mag, ihn gern hat. Daher scheint es wichtig zu sein, sich für Fehler zu entschuldigen bzw. den anderen deswegen um Verzeihung zu bitten.

Dieses Zitat hat mich dazu bewogen, die bei uns herrschende „Entschuldigungskultur“ noch einmal zu überdenken. Den Begriff „Entschuldigungskultur“ habe ich übrigens gewählt, weil er ein wenig einen Teil meines früheren Ichs beschreibt.

Ich habe mich früher für fast alles entschuldigt; quasi für mein Sein. Furchtbar. Aber ich hatte immer Angst, „etwas falsch“ zu machen. Anstrengend. Heute verfalle ich nicht mehr in diese Gedankenkreisel. Ich habe gelernt, dass das Verhalten anderer zu 90% gar nichts mit mir als Person zu tun hat; eher mit deren Gedanken oder Sorgen. Natürlich wundere ich mich manches Mal noch über für mich seltsame Verhaltensweisen anderer, verweile in diesem Verwundern, komme dann aber am Ende meiner Überlegungen nicht mehr zu dem Ergebnis, dass ich etwas falsch gemacht habe. Oft überprüfe ich gedanklich noch einmal kurz meine Wortwahl und mein Verhalten, dann lasse ich den Gedanken wieder ziehen. „Meine“ Menschen können immer mit mir reden, wenn sie etwas auf dem Herzen haben. Jeder Zeit. Leider redet man aber generell zu wenig miteinander; zumindest über die wichtigen Dinge. Genug des Exkurs.

Kommen wir zu der Frage, wie eine Entschuldigung formuliert werden sollte, damit sie vom Gegenüber angenommen wird. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich Menschen auf unterschiedliche Art und Weise entschuldigen. Ein „adäquates“ um Verzeihung bitten gibt es demnach nicht.

Mit einem lieben Arbeitskollegen kracht es ab und an. Nach dem ersten Konflikt, den wir hatten, kam im Nachhinein eine Mail mit beruflichen Informationen von ihm. Kein Wort der Entschuldigung. War ich sauer. Heute weiß ich, dass dies seine Art ist, sich bei mir zu „entschuldigen“; indem er nach einem Konflikt wieder den Kontakt in beruflicher Hinsicht zu mir sucht.

Ich schätze meinen Arbeitskollegen ansonsten sehr, daher verzichte ich auch darauf, eine „formale“ Entschuldigung einzufordern und akzeptiere seine Art und Weise, mich um Verzeihung zu bitten. Weder lasse ich ihn also um Verzeihung betteln noch bestehe ich auf eine für mich angemessene Entschuldigung. Es würde nichts am Geschehen, am Konflikt selbst, verändern. Meine Beziehung zu ihm ändert sich dadurch ebenfalls nicht. Ich schätzte ihn trotzdem als Arbeitskollegen. Es ist also an mir, mich zu entscheiden, ob ich ihm verzeihen kann oder nicht. Mittlerweile kann ich das ganz gut, das mit dem Verzeihen. Auch, nicht alle Dinge persönlich zu nehmen. Darin liegt oft der Ursprung in Konflikten oder Meinungsverschiedenheiten, die vermeintliche Entschuldigungen mit sich ziehen.

Wir alle machen Fehler, sind an manchen Tagen schroff oder verletzend. Wegen Sorgen, Ängsten oder Sonstigem. Eine Entschuldigung „bügelt“ Fehler wie einen zu lauten Umgangston zwar aus, ist aber keine Garantie, dass zukünftig nicht wieder Selbiges geschieht. Oft liegt „der Fehler“ in der Kommunikation selbst; Sender und Empfänger verstehen einander nicht, da die Kommunikation unklar ist.

Würden wir unserem Gegenüber offen sagen, was wir für Bedürfnisse haben, uns von ihm wünschen bzw. was uns wichtig ist oder, dass wir heute einfach einen „blöden“ Tag haben, müssten wir uns erst gar nicht „so oft“ entschuldigen müssen, wenn wir „aus der Haut“ fahren; nur weil der andere „mal wieder“ nicht telepathisch errät, was genau mit uns los ist. Eine Entschuldigung ist bei einer offenen Kommunikation oft weniger notwendig, sie entfällt quasi, denn wir können das Verhalten unseres Gegenübers besser einschätzen, weshalb wir es nicht auf uns beziehen. Wissen wir beidseitig von den Bedürfnissen und Wünschen, entstehen im Endeffekt auch weniger Situation, für die eine Entschuldigung notwendig wäre. Eigentlich wäre es so einfach, ist es aber nicht. Daher braucht es wohl doch manchmal „die Entschuldigung“; in welcher Form auch immer.

Sich beim anderen zu entschuldigen kann je nach gezeigtem Verhalten manchmal notwendig und angebracht sein, man sollte jedoch beim anderen nie um Vergebung betteln müssen. Dieses Betteln um Vergebung kenne ich übrigens nur zu gut; von meiner letzten Beziehung. Ich musste fast zu Kreuze kriechen, bis mir „vergeben“ wurde. Ansonsten gab es halt Liebesentzug. Solch ein Verhalten hat für mich wenig mit Liebe zu tun; heute weiß ich das.

Entweder lieben wir den anderen, können ihm seine Fehler verzeihen und mit ihnen leben oder eben nicht. Eine Entschuldigung ändert am Geschehen, am Konflikt selbst, nichts; auch nicht an den vermeintlichen Fehlern unserer Mitmenschen. Selbst dann nicht, wenn eine Entschuldigung hundertmal mit Nachdruck wiederholt wird.

Eine offene Kommunikation und Aussagen anderer weniger persönlich zu nehmen, hätten zur Folge, dass man sich darüber weniger Gedanken machen müsste, wie man sich beim anderen entschuldigt bzw. ob man dem anderen verzeihen kann oder nicht. Beides möchte ich weiter verfolgen und diesbezüglich dazu lernen.

Natürlich werden die Zusammenhänge in diesem Beitrag etwas lapidar von mir dargestellt. Zur Kommunikation – jeder hört anders – könnte man ellenlange Analysen schreiben, in der kulturelle und soziale Aspekte berücksichtigt werden müssten. Es gibt hunderte Arten zu kommunizieren, manche wollen auch nur hören, was sie hören wollen. Ich wollte es trotzdem auf diese „einfache Ansichtsweise“ runterbrechen.

Manche Dinge können wir verzeihen, andere nicht, je nach Einstellung und Erfahrung des jeweiligen Menschen. In der Liebe – wie auch immer diese aussehen mag – sollte aber ein „bitten und betteln“ nicht notwendig sein, damit einem der andere verzeiht. Ich liebe die Menschen trotzdem um mich herum, so lange sie meine Tür nicht komplett kaputt treten oder unsanft aushebeln.

Ausschweifende Entschuldigungen brauche ich nicht, ein „es tut mir leid“ reicht mir vollkommen aus. Ein vorsichtiges Herantasten ist für mich ebenfalls vollkommen in Ordnung. Jeder Mensch ist anders. Für mich ist nur wichtig, dass man nach einem Konflikt „neu“ beginnt und das Eigentliche nicht vergisst: Dass man den Menschen trotz allem liebt/schätzt und wir alle Fehler machen.

Übrigens, wer den Film noch nicht gesehen hat, ein Blick auf ihn lohnt sich. Wer wie ich auf eher melodramatische, aber nicht kitschige Liebesfilme steht, dem wird der Film „Love Story“ gefallen. Ich mag die Darstellung der Beziehung durch die beiden Protagonisten sehr; ihre Liebe wird unverfälscht, offen und ehrlich ohne viel Trara dargestellt. So etwas wünsche ich mir für mich auch irgendwann einmal; das Ende weniger. Aber ich verrate zu viel.

Habt ein schönes, entschuldigungsfreies Wochenende mit viel oder mit wenig Kommunikation. So wie es euch gut tut.

Bis bald. Liebe Grüße, Madeleine

Worte

Es sind selten die gesprochenen Worte, die entzweien; sie verletzen derweil, doch können reinigend wirken. Wie ein Sturm oder ein Gewitter. Die Worte, die man sich nicht sagt, sich nicht wagt auszusprechen, aus Angst vor Unverständnis oder Ablehnung, – diese Worte entzweien. Sie schaffen Distanz, „ganze Ozeane“ zwischen den Menschen. Man redet einander vorbei, verstrickt sich in belanglosen Sätzen, versteht einander scheinbar nicht; bis die Distanz irgendwann unüberbrückbar wird. Traurig daran ist, dass es „so“ einfach gewesen wäre, diese gefühlte Distanz gar nicht erst entstehen zu lassen; indem man Menschen sagt, was man für sie fühlt, was man von ihnen möchte und was sie einem bedeuten. Nach einem Sturm lässt sich oft neu beginnen, Ozean sind schon schwieriger zu überqueren, vor allem wenn einem das passende Boot dazu fehlt.

Angesehen

Dann hast du deine Maske abgenommen, dass, was ich sah, war für mich wunderschön;

du hättest sie nie tragen müssen, dich hab‘ ich immer so wie du bist ganz in Liebe angesehen.

Grenzen

Unsere „Soll“ oder „Muss“ Vorstellungen zu Menschen, Beziehungen oder Lebensläufen setzen uns nur Grenzen; im Geiste und im Herzen.

Es ist wichtig, dass wir uns mit uns und den Menschen um uns herum wohl fühlen; Wärme mit ihnen verspüren, an ihnen wachsen und mit, aber auch ohne sie, glücklich sind. Trotz oder gerade wegen den grauen Tagen dazwischen.

Mit sich, seinem Leben zufrieden bzw. im Reinen mit sich selbst zu sein, egal wie sich der Lebenslauf gestaltet, sollte eine „Muss“ / „Soll“ Vorstellung sein. Oder Beziehungen zu führen, die beidseitig bereichern; mit Menschen die du liebst wie sie sind und die dich lieben wie du bist – ohne wenn und aber.

Zuhause

Dann sprach meine Seele zu mir:

„Ich bin dein Zuhause,

deine Ruhe, deine Kraft,

deine Farbe und dein Licht;

wenn du dich mit mir wohl fühlst, dann bist du ganz nah bei dir, denn du bist in dir selbst Zuhause. Überall.“

Da

Liebe – wie auch immer sie aussehen mag – für andere Menschen braucht keine großen Worte oder große Taten. Sie ist manchmal einfach da.

Du kannst sie wahrnehmen und fühlen; in Momenten, in denen du mit diesen Menschen zusammen bist, in ihre Augen blickst oder ihr euch berührt – im Geiste oder körperlich.

Manchmal wird die Liebe beantwortet, ein anderes Mal nicht; es gibt Zeiten, in denen man nicht mutig genug dazu ist, „seine Liebe“ zu zeigen. Manchmal ist man auch einfach nicht bereit dazu.

Dennoch ist die Liebe für andere Menschen immer da, sie verschwindet nicht; sie ist ein Gefühl, dass sich in gemeinsamen Momenten bildet und sich nicht kontrollieren lässt. Liebe ist „frei“; sie bewerten oder einordnen zu wollen, zwängt sie nur ein.

Lasst uns die Liebe nicht erklären oder bewerten, sondern, „frei“ wie sie ist, wahrnehmen und fühlen; ohne Widerstand in uns oder einen exakten Plan.

Für den heutigen Abend wünsche ich uns allen Momente der Liebe wahrnehmen und fühlen zu können; mit sich selbst oder den „liebsten Menschen“, die einen umgeben.

Das Ende der Liebe

Wir schreiben, dichten und philosophieren über die Liebe.

Wir denken oder grübeln über die Liebe nach und analysieren sie.

Wir haben gelernt, uns selbst Probleme mit der Liebe zu schaffen;

weil wir zu enge Vorstellungen von „Muss“ und „Soll“ im Kopf haben,

weil wir wegen eigener Verletzungen und Unsicherheiten nicht mutig genug sind, Gefühle zu zeigen und daher lieber weglaufen oder „einfach“ gar nichts tun,

weil wir oft zu stolz sind, den ersten Schritt zu machen,

weil wir zu bequem geworden sind, uns auf andere Menschen wirklich einzulassen.

Viel wichtiger als all das philosophieren, dichten oder grübeln ist es, die Liebe im Moment zu fühlen; in sich, mit anderen oder „seinem besonderen Menschen“.

Wir sollten mutig sein, indem wir anderen sagen und zeigen, dass wir sie mögen; dies ist nur möglich, wenn wir unseren Ängsten entgegen treten, Verletzungen aufarbeiten, unseren Stolz beiseite legen und unsere „Komfortzone“ verlassen;

auf diese Weise lernen wir, Liebe zu geben und zu empfangen.

Ein „Ich mag dich“ oder „Du bist mir wichtig“, zu Menschen, die man durch gemeinsame Momente schätzen oder lieben gelernt hat, kann immer ein Anfang sein; Grübeleien, Analysen und das Verlieren in eigene Verletzungen oder Bequemlichkeiten – weglaufen, gar nichts tun oder abwarten – verhindern Liebe oder beenden sie gar.

Es kann nichts ohne „Arbeit“ an sich oder „Mühen“ in Form von Taten wachsen oder gedeihen; auch die Liebe nicht.

Groß

Es bedarf weder großer Gesten, noch großer Worte, damit etwas „Großes“ zwischen zwei Menschen beginnt. Es sind die leisen Töne und die kleinen Gesten – Dinge zwischen den Zeilen – die, wenn du sie „liest“, zu etwas wirklich „Großem“ führen können.