Toxische Beziehungen oder das langsame vergiften der Seele

Das Wort toxisch wird meist in Verbindung mit menschlichen Beziehungen genannt – toxische Beziehungen heisst es oft. Viele Artikel oder Aufsätze beschäftigen sich damit. In manchen werden sogar unterschiedliche toxische Menschen mit ihren Eigenschaften beschrieben.

Beim Durchlesen der benannten Eigenschaften schreit der gesunde Menschenverstand förmlich und schnell kommt man zu der Auffassung: „Wer sich an solche Menschen bindet, ist selbst schuld. Mir würde so etwas nicht passieren“. So „einfach“ wie man denkt, ist es aber nicht. Toxische Menschen sind nicht nur toxisch. Sie haben auch eine äußerst charmante Seite, die sie gezielt einsetzen und mit der sie lange vieles überdecken.

Zunächst muss klargestellt werden, dass toxische Menschen keine bösen oder schlechte Menschen sind. Sie wollen lieben und sich geliebt fühlen, so wie jeder andere auch. Und sie wollen sich binden. Jedoch ist die Form ihrer Liebe toxisch. Dir Anwendung von Strategien wie Liebesentzug oder Schuldzuweisung haben sie früh von zu Hause aus gelernt. Es ist ihr Modell von Liebe – ein Modell, dass ihre Partner lange nicht verstehen oder begreifen.

Am Anfang stellen sich toxische Menschen oft stark und selbstbewusst da. Sie sind der strahlende Held, der Ritter in der Rüstung, der sich bemüht und aufmerksam ist. Doch dieses Bild hält nicht lange, der Held fällt irgendwann in sich zusammen.

Irgendwann verliert sich der Charme und der wahre Mensch kommt zum Vorschein; oft ein unsicherer mit wenig Selbstbewusstsein bzw. keinen gesunden Strategien für Konflikte oder Kommunikationsfähigkeiten.

Sie haben andere Strategien, um ihr Selbstbewusstsein zu stärken und Kommunikation auszuführen; Manipulation, Druck, Liebesentzug etc. Meistens geschieht dies auf der psychischen Ebene und schleicht sich ganz langsam ein – wie ein Gift, dass langsam die Seele betäubt.

Statt der charmanten Seite wird immer öfter die toxische gezeigt. Dramen, oft um Kleinigkeiten, nehmen zu. Kommunikation ist meistens nicht möglich oder schwierig. Schwierigkeiten können nicht angesprochen werden – entweder ist der andere Schuld oder die vorherigen schlimmen Erfahrungen des toxischen Menschen. So oder so, es ist nicht seine Schuld. Er übernimmt keine Verantwortung. Mehr noch, du übernimmst sie; vielleicht auch mit der Idee den anderen helfen oder retten zu wollen. Retten sollten wir aber lieber uns selbst. Irgendwann brennt man aus, nichts ist gut genug. Man ist als Person ungenügend und liebt nicht genügend – zumindest für den anderen.

Je mehr Zeit voranschreitet, um so mehr betäubt die Seele. Sie schluckt einfach zu viel Gift. Man wird klein gemacht und wird klein. Die ständige Schuld, die man vom anderen (un)bewusst vorgehalten bekommt, vermittelt einem mit der Zeit, dass man auch Schuld hat. Und zwar alleine. Das Selbstbild entspricht immer mehr dem Bild, welches der andere einem vermittelt. Man wird eine andere Person, Schritt für Schritt. Irgendwann kommt man zu dem Entschluss, dass irgendetwas mit einem nicht stimmen muss.

Es geht immer um Macht; Liebe und Bindung zu erreichen durch Ausübung von Macht über den anderen. Es hört sich subtil an, leicht durchschaubar auch. Da es aber schleichend geschieht, sind diese Prozesse schwierig zu durchschauen. Man darf auch nicht vergessen, dass es immer wieder gute Phasen gibt. Phasen in denen der andere so charmant wie am Anfang ist, alles verspricht, um doch nichts davon einzuhalten. Da man „liebt“ glaubt man, auch weil eine Ablösung aus Macht Strukturen generell schwierig ist. Doch die guten Phasen werden immer weniger, während die Kämpfe zunehmen. Meistens erzählt man Freunden oder der Familie nichts davon. Sie würden es kaum glauben. Fatal ist nämlich, dass sich toxische Partner gegenüber der Familie und Freunden oft anders verhalten. Das Bild des charmanten Ritters wird dort aufrechterhalten.

Es dauert lange sich aus solchen Beziehungen zu lösen und es kostet viel Kraft. Selbst danach, ist die Seele noch vergiftet. Man fühlt sich klein und ungenügend. Die Seele muss heilen, wachsen und das dauert. Es ist wichtig, sich Zeit zu nehmen, um nicht an den nächsten toxischen Menschen zu geraten oder andere Menschen dafür zu benutzen, zu heilen. Erst, wenn man selbst einen Heilprozess angestoßen hat, ist man fähig eine neue Partnerschaft einzugehen, ohne ständig an alte Bilder erinnert zu werden bzw. ohne selbst toxisch zu handeln – aufgrund nicht verarbeiteter Erfahrungen.

Veröffentlicht von Lene

Ich würde mich als emphatische und entspannte Person bezeichnen, die versucht, ihre Erlebnisse in Wort und Schrift darzustellen. Also alles was mein Herz in irgendeiner Art und Weise berührt, verarbeite ich schriftlich. Ich bin kein Meister der Poesie. Manches mag sich holprig anhören, aber so ist mein Schreibstil. Ich bin auch nicht festgelegt auf eine Art von Text, jedenfalls noch nicht. Ich probiere gerne mal aus, dass merkt man auch an meiner Website: Sie ist recht bunt. Ich denke gerne bunt, denn für mich ist es das Leben auch. Mich freut es einfach, wenn der ein oder andere etwas mit meinen Texten anfangen kann oder sich vielleicht sogar darin wiederfindet. Viel Spaß beim Lesen. Und danke für euren Abstecher in meine kleine, bunten Welt. Vielleicht bis bald. 🤗 Lene

2 Kommentare zu „Toxische Beziehungen oder das langsame vergiften der Seele

  1. Ja, man kann ganz schön mit sich selbst gestraft sein. Die Frage ist dann bloß, ob man sich dessen dann tatsächlich auch bewußt ist. Und ob sofalls die Selbsterkenntnis auch der erste Schritt zur Besserung ist. Den betroffenen Mitmenschen, die sich dadurch offenbar selbst in einer Abwärtsspirale verfangen, wäre es jedenfalls zu wünschen. Sehr anschaulich, Dein Beitrag, leider Gottes. Was mir nur ziemlich widerstrebt ist, einen Menschen als toxisch zu bezeichnen. Auch wenn das wohl gang und gebe ist. Hat so was Verunglimpfendes …

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    1. Toxische Beziehungen trifft es wohl eher, das stimmt. Aber manchmal gibt es vielleicht auch einfach Menschen, die gegenseitig aufeinander toxisch wirken.

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