Drabble: Die Nachricht

Ein Poltern reißt sie aus dem Schlaf. „Wahrscheinlich nur der Holzboden.“ Anna kuschelt sich wieder in ihre Decke. Es poltert erneut. Sie steht auf, um den Geräuschen auf den Grund zu gehen.

Die Treppe knarrt, als Anna sie heruntergeht. „Fehlt nur noch, dass die weißen Fenstervorhänge schweben.“ Sie lacht, um sich zu beruhigen.

Als sie unten angekommen ist, erblickt Anna Scherben. Das Keramikherz, das ihre Mutter ihr kurz vor ihrem Tod geschenkt hatte, ist zerbrochen. Zwischen den Scherben entdeckt Anna überrascht einen Zettel. Sie hebt ihn auf und liest. „Ich werde dich immer lieben, mein Kind.“ „Ich dich auch Mama.“

Worte

Montagspoesie (Instagram) zum Begriff Worte.

Wer mag, macht gerne mit.

Die Worte zum Satz,

finden nach Hause, zu dir;

Du machst mich komplett.

Nachtmelodien

Herzen,

ganz versunken,

gebettet auf Sternen,

Träume decken sie zu –

Nachtmelodiensingen.

Schneckenhaus

Ein Schneckenhaus,

will weit hinaus,

gemeinsam fehlt,

das Herz erzählt,

strebt nach Glück,

Schritte vor, wieder zurück;

es zieht das Nest,

die Angst hält fest –

Morgen vielleicht,

falls der Mut reicht

Niemandsland

Niemandsland,

unbekannt,

nimm meine Hand,

zu erkunden,

all die Wunden,

mit Schmerz empfunden –

nichts, bleibt fremd,

wenn Liebe nennt

und uns erkennt.

Niemandsland Liebe

Schmetterling,

flieg und sing,

zum Himmel weit,

der Sonne entlang,

endlos ist Zeit,

für einen Sommerlang.

Piratentochter

Piratentochter,

die Welt in ihrem Herzen,

Abenteuerland –

mutig weht ihr Haar im Wind,

vor ihr weites Meer.

Drabble: Zweierlei

Dating ist Realsatire, denkt sie, während sie nach Hause geht.

Ralf, 40 Jahre alt, braune Haare, bereit für eine Beziehung auf Augenhöhe. Isabell swipt nach rechts, ein Match. Sie gibt sich nassforsch im Chat und fragt schnell nach einem Treffen.

Er steht vor ihr, sie erkennt ihn nicht, bis er ihren Namen nennt. „Die Fotos sind schon etwas älter, aber auf die inneren Werte kommt es an.“ Isabell verabschiedet sich enttäuscht. Unehrlichkeit lässt ihn in ihren Augen auf Zwergengröße schrumpfen und sie ist nicht dazu bereit, ihre Werte zu entweihen. Auch nicht für die Liebe. Vor allem nicht für sie.

Der Wecker klingelt, sie drückt auf snooze. Dann morgen Yoga. Bestimmt. Also vielleicht, wenn sie es schafft, abends früher ins Bett zu gehen. Typische Realsatire in ihrem Leben.

Nach endlosem Suchen und kleinen mentalen Zusammenbrüchen findet sie ihr Auto. Zeit zum krankmelden bliebe noch, denkt sie. Wäre da nicht ihr Pflichtbewusssein, das sie durch eine Lüge entweihen würde. Sie steigt ein, fährt los und schneidet nassforsch einen Fußgänger. Beim Runterkurbeln ihres Fensters überlegt sie sich wilde Beschimpfungen und holt Luft. Dann blickt sie in zwei blaue Augen und muss lächeln. Mit einem Hallo beginnt ihr Tag. Plötzlich ist alles anders.

Schatten

Gedanken zur Montagspoesie (Reihe Instagram).

Schattenweltenreich,

Asche auf unserem Herz,

zur Phönixgeburt.

Flüchtiger Schatten,

zerfällt im Tageslicht; Wir –

Nacht, ohne Ende.

Liebe

Horizont,

in Seelen,

liegen eigene Welten,

die zueinander finden wollen;

Liebe.

Regen

Regentänze,

wirbeln durch die Luft,

versprühen Lebensduft,

sanft erwacht der Lenze.

Regen fällt und küsst

die Erde zu neuem Grün,

Kreislauf des Lebens.

Regen,

verwischt Spuren,

auf verlaufenen Straßen,

verirrt sich das Leben;

Neubeginn.