Wärme

Das Leben kann manchmal kalt und grausam sein; ich weiß. Doch, dass ist nicht das Problem. So ist es nun mal. Schade ist, dass viele Menschen diese Kälte verinnerlicht haben. Sie haben vergessen, dass es ihre Wärme ist, die ihr Leben und das von anderen ein wenig heller machen könnte.

Der Corona Blues

Ende Oktober dachte ich noch, dass ich den Lockdown in seiner „light-Version“ genauso gut überstehe wie den vorherigen. Nun stelle ich fest, dem es nicht so: Der Corona Blues hat mich erwischt und spielt ein Lied für mich.

Der zweite Lockdown trifft mich einfach härter als der erste; selbst in seiner „light-Version“. Tatsächlich bin ich den letzten Tagen ein wenig in Selbstmitleid versunken. Der ständig wiederkehrende, monotone Tagesablauf – „Aufstehen-Arbeiten gehen-Fernsehen-Essen-schlafen – schlägt mir auf die Psyche. Die trüben Tage tun ihr übriges.

Gedankenmonster, die vorher still waren, werden wieder gefüttert. Unermüdlich, mit Gedanken, die sie größer werden lassen. Die Motivation etwas dagegen zu tun nimmt stetig ab; zurzeit bin ich quasi auf der Suche nach meiner Motivation für meine Motivation. Ehrlich gesagt muss ich mich derzeit dazu zwingen, Yoga zu machen oder zu meditieren. Natürlich werde ich diese Rituale weiterhin pflegen – alleine schon, weil sie Abwechslung in den Tagesablauf bringen -, um die „Gedankenmonster“ nicht weiter zu füttern. Nur so werden sie leiser, das ist mir bewusst.

Zusätzlich, zu meinem Selbstmitleid, war ich auch noch wütend auf mich. Ich fühlte mich undankbar aufgrund meines Selbstmitleides und meinen negativen Gedanken. Mir geht es gut, sicherlich besser als anderen. Ich bin gesund, kann arbeiten gehen und habe genügend zu essen und zu trinken. „Ich sollte ausschließlich Dankbarkeit empfinden und grundlegend positiv denken“, dachte ich.

Eins habe ich außer acht gelassen: Grundsätzlich empinde ich Dankbarkeit, vor allem für die „kleinen Momente; Materielles war mir noch nie so wichtig. Auch jetzt bin ich für die kleinen Lichtblicke, bestehend aus Arbeit oder Yoga, dankbar. In schwierigen Zeiten bemerkt man einfach nur, was man vermisst oder denkt über Vergangenes nach, was hätte besser laufen können. Viel freie Zeit, die sonst mit Aktivitäten verplant waren, fordert automatisch zum Nachdenken auf; zumindest bei mir.

Ich habe beschlossen, dass ich wegen dieser Gefühle nicht länger wütend auf mich bin. Stattdessen akzeptiere ich sie einfach und nehme sie an; bis sie wieder gehen. Das werden sie, wenn ich sie akzeptiere. Man kann nicht immer positiv denken, ab und an „erwischt“ es einen und man verliert sich in seinen Gedankenstrudeln; solange man dies bemerkt, verhindert man, dass die Gedankenmonster einen komplett auffressen können.

Letztlich ist es doch auch so: Nach jedem Tanz zu einem Blues, dreht man sich irgendwann wieder zu einem Takt anderer Musik; die ersten Klänge höre ich schon.

Tanz

Ich tanze zwischen Irgendwo und Nirgendwo meinen kreisenden Tanz;

bin wechselnd irgendwer und irgendwas‘, aber nie vollkommen ganz.

Sleep

Most of the people find peace in their sleep; I only find my dreams of yesterday and my sorrows of the future.

Scar

You – one more scar, that marked my heart.

Fliegen

Ich bin oft zu hoch geflogen und wieder abgestürzt; es hat mich jedes Mal fast zerschmettert, als ich auf den Boden „aufgeknallt“ bin.

Nach jedem Fall hat es mich immens viel Kraft gekostet, wieder aufzusteigen; aber, ich habe es immer wieder versucht und letztlich auch geschafft.

Egal wie hart der Aufprall auch sein mag, ich werde es weiter versuchen, wieder in die Luft zu steigen; denn zu fliegen ist eines der schönsten Gefühle der Welt

Sondern

In deinen Augen sehe ich alles, was ich wissen muss; ich sehe kein ich oder du, sondern ein uns.

Vergessen

Es war bereits dunkel, als sie nach Hause kam; so wie es an diesen trüben Tagen oft gewesen ist. Sie war müde und sie fühlte sie ausgelaugt. Sie war nicht sie selbst; nur das Selbst, dass sie heute Morgen erschaffen hat. Sie wollte sich wieder als ihr Selbst fühlen.

Sie begann, ihr zweites Gesicht abzuwischen; seine kläglichen Reste klebten nun an einem Abschminktuch. Sie schaute in den Spiegel und betrachtete ihr Gesicht. Ihr gefiel nicht, was sie sah, ihr eigentliches Gesicht. Das Zweite hatte ihr von jeher besser gefallen. Sie seufzte.

Sie begann, ihr Kostüm auszuziehen und in den Schrank zu hängen. Sie hatte so viele davon; eins für jeden, den sie kannte. Kostüme, die nicht zeigen, wer sie wirklich ist.

Danach betrachtete sie sich erneut im Spiegel. Das war sie. Ohne zweites Gesicht und ohne Kostüm. Einfach nur sie. Und sie fragte sich, warum es ihr so schwer fiel, sich an dieses Bild zu gewöhnen. Sie wandte sich vom Spiegel ab und dachte nach.

Sie hatte versucht, anderen ihr Selbst zu zeigen. Oft sogar. Doch jedes Mal, wenn sie ihr Selbst jemand anderem gezeigt hatte, wurde dieses verletzt. Ihr Selbst hatte Risse bekommen, die sie nun mit ihrem zweiten Gesicht und ihren Kostümen kaschierte. Niemand soll diese Risse sehen; niemand außer sie selbst.

Ihr wurde klar, dass ihr zweites Gesicht und ihre Kostüme Abstand zwischen den anderen und ihrem wahrem Selbst schaffen.

Es ist anstrengend zwischen den unterschiedlichen Kostümen das „Richtige“ zu wählen und ihr Gesicht zu verstecken. Genau deswegen fühlt sie sich müde und ausgelaugt. Manchmal fühlt es sich sogar so an, als ob ihr Selbst immer weniger wird; bis es irgendwann ganz verschwindet. Sie resümierte, dass sie vergessen hatte, wer sie ist.

„Ich will mich weder vergessen noch will ich mich verlieren“, dachte sie. „Nicht an ein Selbst, dass es gar nicht gibt. Auch nicht an Menschen, die mich eigentlich gar nicht kennen“.

Sie beschloss es noch einmal zu versuchen, sie selbst zu sein; vor sich und den anderen. „Ich weiß, was ich als erstes tun muss“, dachte sie. Zu allererst ging sie zu ihrem Schrank, um ihre Kostüme auszusortieren.

Nur

Ich bin nicht nur das, was du siehst; fange an zu fühlen, erst dann erfasst du mich ganz.

Erkennen

Du hast mich gefragt: „Weißt du, wer du bist. Erkennst du noch dein Gesicht oder auch dich?“

Ich antwortete dir: „Ich kenne meinen Namen; doch im Spiegel erblicke ich weder mein Gesicht noch erkenne ich mich“.