Drabble: Neues Leben

Ein erster Lichtstrahl der aufgehenden Sonne streift über Wiesen und Felder. Vogelgezwitscher begrüßt in seinem Gesang den aufkommenden Morgen, der Dunkelreste langsam verschluckt und hell bemalt. Der Tag beginnt, Menschen erwachen. Gedankenvoll öffnen sie ihre Augen, während sich ihre Herzen leeren, weil sie Nachtträume von Feenschlössern und Elfentänzen vergessen. Funktionieren.

Alltäglich das Wunder Wiedergeburt erleben; Dankbarkeit verliert sich, befangen in für die Seele blind gewordene Gewohnheiten, die den ersten Atemzug hektisch herunterschlucken anstatt den Rhythmus des Herzschlags in Stille zu spüren. Alles beginnt von vorne und auch wieder nicht, wenn der Mensch vergisst, dass jeder Tag ein neues Leben ist.

Tausendschön

Tausendschön –

Winter taut,

Frühling flüstert Erwachen,

in grün weißen Wiesen;

Gänseblümchenmeer.

Mondscheinlicht

Spurenlesen

Spurenlesen,

wo ist die Liebe hin?

Du und ich, vom Winde verweht,

kalte Nachtluft für mein Herz,

ich hebe die Arme, lass mich tragen;

wer fällt, weiß wie nah er den Sternen gewesen ist.

Jetzt und Hier

Auf dunklen Sohlen,

schreien Parolen,

weil rechts marschiert,

den Sinn verliert,

für Menschenleben,

gottgegeben,

wird sich verloren,

der Hass erkoren,

laut zu sprechen,

von Verbrechen,

an uns, am wir

Jetzt und Hier,

wird es Zeit,

für Einigkeit,

im Zusammenstehen

zum Frieden säen.

Vergissmeinnicht

Vergissmeinnicht, ein Abschiedswort,

schlägt dein Herz am andren Ort,

längst gegangen, vor langer Zeit,

haucht das Wir leis‘ Einsamkeit,

bevor es spricht, im letzten Blick,

du schaust nach vorn und ich zurück.

Heldenreise

Dort, am Ende der Zeit, wo alles schwerelos still steht und Seelen atmen, entdeckten wir, wer wir wirklich sind. Alles, was uns von unseren Versuchen zu fliegen abhielt, starb, weil wir es hinter uns ließen; die Wut über unsere Umstände, unsere Missgunst gegenüber anderen, die Angst zu scheitern, verletzt zu werden, nicht genug zu sein, um geliebt zu werden. Wir begannen zu leben, weil wir zum allerersten Mal die Stimme unsere Herzen vernahmen, erkannten, was uns glücklich macht: Zu lieben, uns, das Leben und davon zu träumen, eines Tages fliegen zu können – unsere Heldenreise begann.

Lorbeerkranz

Der Lorbeerkranz welkt,

keine Sieger in Kriegen,

verliert die Liebe.

Nachhauseweg

Auf dem Weg nach Hause verlaufen wir uns in Gedanken und fallen über uns selbst. Ängste, Zweifel und Unsicherheiten lassen uns Abkürzungen nehmen, ziellose Pfade, die zum Ausgangspunkt zurückführen.

Wir beginnen von vorn, lassen unsere Gedankenmonster zurück oder laufen neben ihnen her, bleiben suchend, orientieren uns an Wegweisern im Außen, die uns Gabelungen aufzeigen, in die wir uns verlieren. Wir straucheln im Sturm, taumeln im Regen, laufen in der Sonne, kommen nicht voran, stecken im Treibsand fest; drei Schritte nach vor, fünf zurück. Unsere innere Stimme wird lauter, während das Außen zunehmend verstummt. Wir nähern uns unserem Zuhause, langsam und beständig, selbst wenn die Route von Zeit zu Zeit neu berechnet wird.

Auf unserem Nachhauseweg treffen wir auf andere Suchende, verirren uns in kurzweilige Wegbegleiter, von denen wir glauben, dass sie unsere Zuhause sind. Bis wir unsere Wegmonster erkennen und begreifen, dass wir nicht lieben, vor allem uns nicht genug. Wir gehen weiter, allein, durch all die Stürme, den Regen, blicken in unser Inneres und laufen der Sonne entgegen. Wir lernen, ein beständiger Gefährte für uns selbst zu sein, unserer inneren Stimme zu folgen, die uns nach Hause führt; ein Zuhause, das in uns liegt, dass wir selbst für uns sind, bis unser Weg endet und von neuem in einem anderen Leben beginnt.

Traumfänger

Geborgen,

mein Herz,

wiegt sich behutsam,

in deinen sanften Atemwellen;

Traumfänger.