Leben

Juniverse 8-11

Lichtung

Freie Sicht auf Grün,

das Herz geht auf und Weite

erzählt von Freiheit.


Still

Die Stille flüstert

vom Leben, das einmal war;

Waldgeheimnisse.


Still

Mit den Schritten schlägt

das Herz in Stille hinein,

nur der Wald und ich.


Still

Still ruht der See und

legt sich in die Sonne zum

Licht- und Schattenspiel.


Zaunkönig

Erhaben im Baum,

sitzt ein Zaunkönig und singt,

Gute Nachtmusik.


Zaunkönig

Der Zaunkönig singt,

in die Nacht hinein, Lieder

vom Märchenwalde.


Wandern

Die Füße wandern,

über Stock und Stein, bis zur

Lichtung – freies Land.


Wandern

Wandern in Wäldern,

das Grün duftet und raschelt,

in unseren Lungen – still

atmet kleines Glück.

Allerlei

Wie eine Feder

streift Liebe über die Haut –

das Herz öffnet sich.


Sausewind,

ein kleines Kind,

mit nackten Füßen laufen,

an Fensterscheiben hauchen,

fallen, weitergehen,

staunend vor dem Leben stehen;

das Herz schlägt, atmet, denkt,

Leben ist, in diesem Moment.

Juniverse 5-7

Rascheln

Ein Rascheln im Wind,

Bäume und Gräser wiegen,

zum Tanz des Waldes.


Mondnacht

Elfenlauf

und Feengesang,

der Wald zaubert,

im weißen Mondlicht Märchen

fürsherz.


Mondnacht

Feengesang

zum Nachtanfang,

die Schritte rauschen,

die Herzen lauschen,

der Mond geht auf,

beim Waldenlauf.


Eichhörnchen

Ein Eichhörnchen huscht,

über mein Gesicht – Lächeln,

das Leben wird leicht.


Eichhörnchen

Ein Eichhörnchen spielt

voller Freude in Büschen –

Glück liegt im Moment.

Juniverse: 1-4

Wipfel

In den Baumwipfeln,

flüstern Windgeschichten vom

Leben und Sterben.


Schwarzspecht

Der Schwarzspecht klopft an:

„Tok, Tok.“ Gedankenpause,

das Herz spricht zu uns.


Spuren

Spuren des Waldes,

Orte voller Leben wispern

Erinnerungen .


Moosbett

Der grüne Teppich

bettet Herzen, wir atmen,

das Leben holt Luft.

Fernweh

Orte,

in dir,

die Sehnsucht schlägt,

Träume in deine Brust –

lebe.


Träume rufen uns,

Wellenreiten weit hinaus,

Fernweh schlägt in uns.


Endlos flüstert die

Sehnsucht nach mehr im Leben;

Fernweh nach Glück.

Liebe

Leben

Gedanken

Nach Hause

Nach einer durchzechten Partynacht verlasse ich den Club. Menschenverlassene Straßen flüstern und Leere breitet sich in mir aus. Mit zu viel Alkohol im Blut stolpere ich Richtung Taxistand, bemerke aber, dass ich zu unruhig bin, um nach Hause zu fahren. Schlafen kann ich sowieso nicht. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass 04:30 Uhr zu früh ist, um meine beste Freundin anzurufen. Ich weiß nicht, wohin mit mir. Also lasse ich mich treiben. Der Weg ist das Ziel. Wenn man ihn findet.

Mein Alkoholpegel sinkt. Mit jedem Schritt denke ich klarer und realisiere, was passiert ist. Tobias hat mit mir Schluss gemacht. Die nächste Beziehung, die gegen die Wand gefahren ist. Auf der Suche nach dem nächsten Betäubungsmittel kaufe ich im Kiosk Bier und Zigaretten. Ich trinke eine Schluck und ziehe am Glimmstengel. Das Bier schmeckt bitter und vom Rauch wird mir schlecht. Es klappt nicht. Der Rausch bleibt aus. Stattdessen kämpft sich der Schmerz ins Herz und fühlt tief. Ich nehme meine Beine in die Hand und laufe davon. Vor mir selbst und alldem, was ich nicht fühlen will. Wenn das nur so einfach wäre. Ohne Ablenkung von Außen, bemerke ich, wie verloren ich bin. Die Stadt wirkt riesengroß und ich ameisenklein. In diesem Moment, der mir meine Endlichkeit bewusst macht, verstehe ich, dass ich fühlen muss, um meinen Weg nach Hause zu finden. Es geht nicht um Tobias oder meine gescheiterten Beziehungen, sondern um mich.

Trotz der Jahre, die an mir vorüberziehen, weiß ich weder wer ich bin noch was ich will. Ich spreche mit falscher Stimme, die sagt, dass alles gut ist. Doch nichts ist gut. Nicht mal ansatzweise. Ich bin eine Schauspielerin und reinszeniere mein Drama in Dauerschleife, mit wechselnden Statisten, die ich benutze, um meine eigene Unzulänglichkeit zu kaschieren. „Applaus, Applaus“, vom Publikum, das aus mir selbst besteht; Glaubenssätzen, die mir jubelnd entgegenrufen: „Wir haben dir gesagt, dass du nicht liebenswert bist.“ Das Ende ist vorhersehbar. Ich schreibe es immer wieder, um mich spüren zu können. Den Schmerz, den ich aus meiner Kindheit kenne und den ich nicht loslassen kann, weil ich ihn verdränge, bis er mich in den Hintern beißt. Der abwesende Vater, in den Männern, die ich mir unbewusst als Partner aussuche und um deren Liebe ich bettele, bis sie sich mir komplett entziehen, weil sie mich als Wolf im Schafspelz erkennen.

Die Sonne kitzelt den Horizont. Ein neuer Tag bricht an, mit tausend Möglichkeiten, neu anzufangen. Wie poetisch, wie hoffnungsvoll das klingt. Als sei es so einfach, neu anzufangen; aufzuräumen, zwischen Schutt und Asche, dem Dreck in der man steht. Wie packe ich es an? Ich weiß es nicht.

Mein Schmerz gehört zu mir, wie mein Name an der Tür. Wer bin ich ohne ihn?

Die Sonne steht am Himmel und beleuchtet den See, der vor mir liegt. Das Licht, das gebrochen wird, spiegelt sich, als sei es ein Heiligenschein. Ich sehe klar. Ich will fühlen. Ich will nach Hause kommen.

Meine Beinen, die nicht mehr weglaufen wollen, geben nach. Ich gehe auf die Knie, um mich an der Oberfläche zu spiegeln. Ohne Betäubungsmittel, schutzlos und verletzlich. Das hässliche Entlein in mir schreit, um den Schwan, der ich sein könnte, wenn ich mich nur lieben würde. Die Staudämme brechen, all der aufgestaute Schmerz bricht aus und löst sich in Tränen auf.

Ich stehe auf und gehe erste Schritte. Alles fühlt sich wackelig an. Ein langer Weg liegt vor mir. Noch bin ich kein weißer Schwan. Eher ein Phönix, der sich aus seiner Asche erhebt. Für den Flug fehlt es noch an den Mut. Es ist ein Anfang. Ich gehe nach Hause und irgendwann, werde ich ankommen.