Drabble

Nagel, Hang, züchten

Melanie schlägt den Nagel in die Wand. Sie will ein Bild, dass seit Tagen im Flur steht, aufhängen. Während sie hämmert, fällt ihr Blick auf verdorrte Orchideen. Mit ihrem schwarzen Daumen kann sie höchstens Kakteen züchten. Sie legt den Hammer weg, um die Pflanzen zu entsorgen. Auf dem Weg zum Mülleimer stolpert sie über einen Wäscheberg. Ihr Hang, alles an ihrem freien Tag erledigen zu wollen, führt zu Chaos. Sie sehnt sich nach Erholung, trotz der anstehenden Arbeiten. Sie beschließt, sich selbst zur Priorität zu machen. Zehn Minuten später liegt sie auf ihrer Couch und genießt die Ruhe in sich.


Ypsilon, Auto, winken

Sie steht an der Ampel und erblickt ihn in seinem neuen Ypsilon. „Er fährt dieses Auto, als ob es ein Porsche wäre. Was der sich einbildet.“ Hannah verdreht genervt die Augen. Ein Hupen ertönt, Jan beginnt zu winken, bevor er das Fenster herunterkurbelt. „Na Hannah, alles gut. Lust auf eine Spritztour?“ „Mit dir, nein Danke.“ „Was hast du eigentlich gegen mich?“ „Was sollte Hannah Panna gegen dich haben?“ „Ach komm schon, das ist Jahre her. Ich war ein dummer Schuljunge. Es tut mir leid. Frieden?“ Seine Grübchen lachen einladend. Sie spürt, dass zwischen ihnen etwas neues entsteht und lächelt zurück.

Februar

Elfchen Januar: Was

Leben


Pause

Stille

Am Ende

Elfchen zum Elften

Wenn,

sagst du,

dann wird vielleicht,

wir könnten alles sein –

imkonjunktiv.

Weite

300 Worte: An das war war

Umhang, anbeten, verhuscht.

Isabelle betrat Bühne. Der Umhang ihres Kostüms raschelte mit ihren Schritten. Sie blickte in leere Zuschauerränge, die im Licht trübe schimmerten. Das Publikum war gegangen. Am Ende einer erfolgreichen Karriere als Theaterschauspielerin erinnerte sie sich an ihr eigenes Stück.

Nach ihrem Abitur besuchte Isabelle eine Schauspielschule. Sie arbeitete hart an sich, besuchte alle Kurse und ging zu zahlreichen Vorsprechen. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Schnell wurde sie für kleinere Rollen engagiert. Bei einem ihrer Auftritte entdeckte sie ein bekannter Produzent und besetzte sie in der Hauptrolle seines Stückes. Ihr gelang der Durchbruch. Isabelle wurde mit Preisen ausgezeichnet und mit Rollenangeboten übersät. Zufällig lernte sie Pierre kennen. Sie hatte nie nach Liebe gesucht. Er war ein talentierter Schauspieler mit einem Hang zur Romantik. Ihre Liebe war stürmisch und zärtlich zugleich. Isabelle hätte nicht glücklicher sein können. Doch Pierre wollte mehr. Er wollte sie heiraten und eine Familie gründen. Sie vertröstete ihn Jahr um Jahr. Eines Tages verließ Pierre sie. Er hinterließ nur ein paar Zeilen: „Isabelle. Du bist zum anbeten schön, klug und liebenswert. Ich liebe dich. Doch Zeit verhuscht und ich lebe jetzt. Irgendwann ist mir zu spät. Ich kann nicht darauf warten, dass du erkennst, was wirklich wichtig ist.“

Isabelle verstand Pierre nicht. Sie verdrängte ihren Schmerz. Stattdessen vergrub sie sich in ihre Arbeit und stürzte sich in Affären. Die Jahre vergingen und ihr Erfolg nahm ab. Jüngere Kolleginnen liefen ihr den Rang ab. Sie erhielt kaum noch Rollenangebote und es gab niemanden an ihrer Seite, der sie wirklich liebte. Sie dachte oft an Pierre und an seine Worte zurück. Jahre später begriff sie, um welches Glück sie sich betrogen hatte. Doch nun war es zu spät.

Das Licht ging aus. Isabelle ging von der Bühne. Allein. Mit nichts als ihrer Erinnerung, an das was war.