Abc.Etüde: Innerer Schmerz

Infos zum Projekt findet ihr hier: https://365tageasatzaday.wordpress.com/2022/02/06/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-06-07-22-wortspende-von-kain-schreiber/

Danke an alle Organisatoren, Mitschreiber und die Möglichkeit, mitschreiben zu dürfen.

Diese Geschichte handelt über Essstörungen und inneren Schmerz. Menschen, die von diesen Themen nicht berührt werden möchte, sollten meinen Beitrag nicht lesen.

Nichts läge mir ferner, als Leser und/oder Betroffene zu verärgern oder zu verletzen; was ich will, ist eine Enttabuisierung dieser Themen. Auch möchte ich zeigen, dass innerer Schmerz aufgelöst werden kann, wenn man ihn erkennt und behandeln lässt. Es ist ein langer Weg, aber es ist möglich. Und ich bin der Beweis dafür.

Es dauerte nicht lange, bis eine Situation quer bei ihr verlief, das Fass zum überlaufen brachte und sie sich in ihrem Gefühl „nicht gut genug zu sein“ verlor. Heute war so ein Tag.

Ihre Gedankenspiralen hatten sie mal wieder zu einem Zwerg gemacht; Worte von anderen, die sie verletzten, ließen sie fühlen, wie ungenügend sie war. Dabei versuchte sie ständig, perfekt zu sein, keine Fehler zu machen und Bedürfnisse anderer zu erfüllen; ihre eigenen schluckte sie herunter. Solange, bis sie sich innerlich an ihnen erbrach.

Nun saß sie vor dem Spiegel. Vor ihr lag eine Tüte mit Erbrochenem; all den Schmerz, den sie versuchte mit Essen zu kompensieren, hatte sie ausgekotzt. Sie schämte sich. Erneut hatte sie die Kontrolle über sich und ihre Gefühle verloren. Sie weinte bitterlich. Der Gedanke, nichts wert zu sein, schrie förmlich in ihr.

Nach einer Weile betrachtete sie ihr Spiegelbild. Ihre Augen waren rot und ihre Mundwinkel angerissen. Der Hals tat ihr weh und sie fühlte sich erschöpft.

Ihr wurde klar, dass ihr das Essen nicht half, ihr eigentliches Problem zu lösen; ihre mangelnde Selbstliebe und ihr Hass auf sich selbst, den sie seit Kindheitstagen in sich verspürte, weil ihr zu wenig Liebe entgegengebracht worden war. Im Gegenteil; ihr ging es von Jahr zu Jahr schlechter. Ohne professionelle Hilfe würde sie es nicht schaffen, ihren inneren Schmerz zu lösen. Das wusste sie. Auch, dass es an der Zeit war, aufzuwachen, um endlich leben zu können.

Sie war sicher, dass sie es schaffte; wie lange es dauern würde, wusste sie sie nicht. Vielleicht musste sie das auch nicht. Manchmal muss man sich zuerst wahrnehmen, sein wahres Inneres fühlen, um den Weg seines Herzens gehen zu können; ohne zu wissen, wie weit er war und wie lange er dauern würde.

Veröffentlicht von Lene

Ich würde mich als emphatische und entspannte Person bezeichnen, die versucht, ihre Erlebnisse in Wort und Schrift darzustellen. Also alles was mein Herz in irgendeiner Art und Weise berührt, verarbeite ich schriftlich. Ich bin kein Meister der Poesie. Manches mag sich holprig anhören, aber so ist mein Schreibstil. Ich bin auch nicht festgelegt auf eine Art von Text, jedenfalls noch nicht. Ich probiere gerne mal aus, dass merkt man auch an meiner Website: Sie ist recht bunt. Ich denke gerne bunt, denn für mich ist es das Leben auch. Mich freut es einfach, wenn der ein oder andere etwas mit meinen Texten anfangen kann oder sich vielleicht sogar darin wiederfindet. Viel Spaß beim Lesen. Und danke für euren Abstecher in meine kleine, bunten Welt. Vielleicht bis bald. 🤗 Lene

9 Kommentare zu „Abc.Etüde: Innerer Schmerz

  1. Ich glaube, wenn du/mensch es geschafft hast zu begreifen, dass nichts mit dir falsch ist, dass du von anderen nicht gut/korrekt behandelt worden bist, dass du, dein Kinder-Ich, keine Schuld hast, dann ist der größte Schritt gemacht. Aber leicht ist das nicht … 😏
    Danke für diesen Text, er schneidet ins Herz. 🧡
    Abendgrüße 😁🌔🍷🍪👍

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    1. Vielen Dank für deinen lieben Kommentar. Ja, die Sache mit der Schuld. Letztlich hat sie niemand, auch die Eltern nicht. Sie können nun auch einmal nur das weitergeben, was sie gelernt haben. Und für Vieles bin ich auch dankbar, weil sonst nicht der Mensch wäre, der ich heute wäre. 😊 Ja, es ist nicht leicht, weil man es als Kind nicht weiß, dass man auch keine Schuld hat und sich bis ins Alter damit quält. Aufzuwachen und den Weg zu gehen sind große Herausforderungen. Einen schönen Tag für dich. ❤️

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  2. hallo Lene!
    sehr schwieriges Thema. Danke, dass du versuchst es darzustellen und zu enttabuisieren. Ich glaube, für nicht selbst betroffene ist es schwer, nachzuvollziehen und/oder sich hinein zu versetzen.

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    1. Hallo Kain. Vielen Dank für deinen Kommentar.
      Ja, das kann ich mir vorstellen. Ich kann auch nicht alles nachvollziehen. Aber das würde ich auch nicht erwarten. Mir war es eher gelegen, das Thema aufzugreifen und Betroffenen die Schuld zu nehmen. Es geht meiner Ansicht nach niemals um die Frage von Schuld. 🤷🏻‍♀️ Frieden findet man dadurch auch nicht. Nur, sich dem zu stellen und es anzugehen.

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  3. Ich bitte die Schreiberin in Ich Form
    den Beitrag das Bekenntnis
    so aus der zweiten Person hierin
    in das Mitmenschsein übeführend
    Angst fressen Seele auf
    Kanibalen der Liebe
    Holen wir uns die abgespaltenen
    Seelenanteile wieder zurück
    durch vergeben ihnen
    uns verzeihen denn
    Täter und Opfer
    unterhielten ein sehr intimes
    kränkendes Verhältnis
    von Choabhängigkeit
    Freisein ist auf Rache
    und Selbstbestrafung
    verzichtend freilassend
    was uns zwang uns
    verletzten zu lassen
    aus abhängiger „Liebe“
    die denn angstgenährt
    nur Gift sein kann…
    verzeih lächelnd
    „Zum Kotzen“
    Der vergiftete Apfelbiß ist raus
    liebendes Schneewittchen
    Glückwunsch
    Dank Segen Mut und Freude
    Alle Heiler und alle Heiligen von Herzen

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  4. Schuldzuweisungen sind ja seit jeher ein probates Mittel der Erziehung, verbunden mit der Drohung des Wegsperrens, des Butzemannes oder der Hölle. Je mehr wir uns davon befreien, desto „schwereloser“ wird unser Leben. Und gut, dass es heute Ansprechstellen und professionelle Hilfe gibt!

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    1. Absolut, nur leider führen sie nirgends hin; außer sich ein lebenlang in Ketten zu legen. Sprengen wir die Ketten, leben wir ein freies Leben. Und ja, dass ist gut. Viele Menschen denken, Hilfe anzunehmen, sei schwach. Ich denke, dass es genau andersherum ist. Wobei dies auch nur mein Gedanke ist. Ich danke dir für deinen Kommentar und, dass du meine Geschichte gelesen hast!

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