1 Jahr WordPress Teil 2 – Von der Opferrolle und Kartons im Seelenkeller –

In meinem ersten Teil „1 Jahr WordPress“ habe ich versucht, meine neue Situation zu reflektieren und ein Resümee zu ziehen; ich bin der Ansicht, dass mir dies nur zum Teil gelingen ist. Aus diesem Grund ergänze ich meinen Beitrag um einen zweiten Teil.

Mittlerweile weiß ich, dass meine Entscheidung nicht falsch gewesen ist, sondern ihre Intension dahinter; ich dachte, dass eine äußere, örtliche Veränderung reicht, um glücklich zu sein. Dass nur eine innere Veränderung dazu führt, habe ich wohl ausgeblendet; vielleicht auch, um weiter in meiner Opferrolle verharren zu können. Opferrolle insofern, dass ich wieder einmal sagen kann „wusste ich doch, ich habe eben kein Glück, egal was ich anfange“.

Wie ich bereits geschrieben habe, wollte ich mich neu ausrichten bzw. orientieren, um eine erneute Entscheidung treffen zu können; das habe ich auch. Ich habe mich dazu entschieden, nicht weiter an meiner erlernten Opferrolle festzuhalten, indem ich Verantwortung für mich und mein Handeln übernehme. Dies bedeutet konkret, dass ich nicht mehr vor einer Situation weglaufe, nur weil sie mich aufgrund meines geringen Selbstwertes emotional aus der Bahn wirft. Vielmehr betrachte ich sie als Möglichkeit, Selbstbewusstsein zu erlernen und Selbstwirksamkeit zu erfahren; zum allerersten Mal in meinem Leben möchte ich Grenzen setzen und Dinge, die mich belasten bzw. verletzen, ansprechen. Es wird kein einfaches Unterfangen, doch ich glaube an mich, da ich weiß, dass ich es schaffen werde; an diesem Ort, der mich zum wachsen auffordert.

Meine Neuausrichtung hat auch dazu geführt, noch einmal einen Blick in die Kartons meines Seelenkellers zu werfen; Kartons, mit Erinnerungen an einen Menschen, der lange Zeit auf irgendeine Art und Weise wichtig für mich gewesen ist. Wahrscheinlich ist er es noch; ehrlich gesagt, weiß ich es nicht. Doch ich denke noch an ihn.

Beim Betrachten dieser Erinnerungen aus meinen Kartons, wurde mir meine eigene Unzulänglichkeit bewusst; ein Gefühl, das wohl dazu führte, dass ich die Beiträge, die ich zu diesem Thema verfasst und veröffentlicht hatte, gelöscht habe – ich wollte nicht weiter mit meiner eigenen Unzulänglichkeit konfrontiert werden. Daher habe ich sie in Kartons gepackt, die ich nie wieder öffnen wollte.

Meine Beiträge selbst, waren nicht unzulänglich; sie waren alle schön geschrieben und klangen sicherlich auch poetisch. Jedoch hätte ich die Worte, die ich für diese Beiträge verwendet habe, lieber an den Menschen richten sollen, für den sie eigentlich bestimmt waren; etwas, was ich drei Jahre lang nicht geschafft habe. Und genau an dieser Stelle schreit mich meine Unzulänglichkeit regelrecht an.

Ich erinnere mich immer noch daran, wie verliebt ich in diesen Menschen gewesen bin; so sehr, dass ich meine Beziehung damals beendet habe. Und ich weiß noch, dass dieses Gefühl, wenn auch weniger intensiv, immer wieder reaktiviert wurde; dann, wenn zwischen uns Kontakt bestand.

Dass ich etwas für ihn fühle, habe ich diesem Menschen nie gesagt; bis zum Schluss habe ich mich selbst sabotiert. Ich habe es nicht über mein Herz gebracht, ihm ein schlichtes „ich mag dich“ entgegen zu bringen; ein Satz, der an und für sich nicht schwer zu sagen ist und nichts Verfängliches mit sich bringt. Doch für jemanden wie mich, der sich lange Zeit selbst nicht mochte, stellte dieser Satz eine nicht zu überwindene Hürde da; einfach, weil ich lange der Ansicht war, dass mich dieser Mensch sowieso niemals auf dieselbe Weise mögen wird bzw. kann.

Heute weiß ich, dass ich mich damals permanent selbst sabotiert habe; nicht zum allerersten Mal in meinem Leben. Wer sich selbst nicht mag, voller negativer Glaubenssätze steckt, der erlaubt auch niemand anderem, einen zu mögen; vor allem Menschen nicht, die starke Gefühle in einem hervorrufen. Selbst der Gedanke daran, dass es „einmal“ anders sein könnte, wird unterbewusst blockiert; so stark waren meine Glaubenssätze, über all die Jahre hinweg.

Ich habe nun beschlossen, auch in diesem Bereich aus meiner Opferrolle herauszutreten und Verantwortung für mich bzw. mein Handeln zu übernehmen; was das genau bedeutet, wird sich zeigen. Erst einmal habe ich mich dazu entschieden, glücklich und dankbar zu sein, da ich der Ansicht bin, dass nur diese Einstellung Gutes mit sich zieht – was man denkt, strahlt man aus und genau das, zieht man an.

Natürlich weiß ich, dass ich mich täglich neu fürs glücklich sein entscheiden muss und meine Entscheidung Zeit bzw. Energie kosten wird; ohne Arbeit an sich selbst, findet keine Weiterentwicklung statt.

Aus diesem Grund werde ich auf meinem Blog kürzer treten; ich möchte mich mehr ins Ist begeben, andere Erfahrungen sammeln, Zeit entschleunigen und an mir selbst bzw. an meinen Träumen arbeiten. Sicherlich nehme ich euch auf diese Reise mit, nur eben mit weniger Beiträgen als zuvor.

Abschließen möchte ich meinen Beitrag, mit einer Erzählung aus meiner Mediation: Mammutbäume bilden um ihre erlittenen Verletzungen bzw. Traumata schwarze Stellen, wachsen aber weiter; sie integrieren ihre Verletzungen und heilen durch das Leben selbst. Dies können wir Menschen auch, doch nur, wenn wir uns in das Leben begeben. Und Leben findet im Ist statt, fernab virtueller Welten.

In diesem Sinne, lasst uns leben und wachsen, um unsere schwarzen Stellen herum.

Bis bald, bei HerzPoeten.

Veröffentlicht von Lene

Ich würde mich als emphatische und entspannte Person bezeichnen, die versucht, ihre Erlebnisse in Wort und Schrift darzustellen. Also alles was mein Herz in irgendeiner Art und Weise berührt, verarbeite ich schriftlich. Ich bin kein Meister der Poesie. Manches mag sich holprig anhören, aber so ist mein Schreibstil. Ich bin auch nicht festgelegt auf eine Art von Text, jedenfalls noch nicht. Ich probiere gerne mal aus, dass merkt man auch an meiner Website: Sie ist recht bunt. Ich denke gerne bunt, denn für mich ist es das Leben auch. Mich freut es einfach, wenn der ein oder andere etwas mit meinen Texten anfangen kann oder sich vielleicht sogar darin wiederfindet. Viel Spaß beim Lesen. Und danke für euren Abstecher in meine kleine, bunten Welt. Vielleicht bis bald. 🤗 Lene

19 Kommentare zu „1 Jahr WordPress Teil 2 – Von der Opferrolle und Kartons im Seelenkeller –

  1. Liebe Lene, wie viele Menschen es wohl gibt, die sich unzulänglich fühlen … sich selbst nicht ausreichen. Es ist das Ergebnis von vielschichtigen Mitteln Menschen zu beeinflußen, zu formen, zu schwächen und zu manipulieren. Sie gesellschaftsfähig zu machen, im Sinne eines Funktionierens innerhalb dieses Systems. Und zu verhindern, daß sie ausbrechen. Menschen n i c h t in ihre Kraft, Selbstannahme, sich selbst verzeihen und Eigenliebe kommen. Und ihren individuellen Weg und Berufung gehen. Es ist nie zu spät, ohne daß eine konkrete Erwartung damit verbunden ist, dasjenige auszusprechen … niederzuschreiben, das man sich nicht getraut hat vor längerer Zeit. Auch wenn es heute keinen Bestand mehr hat. Es wäre mutig, das zu tun, wenn es dein Weg ist ! Ich lebe in der Ausrichtung: Die Energie folgt der Aufmerksamkeit und ich habe zu jedem Zeitpunkt, das Beste getan, was mir möglich war. Und wir haben, gerade in dieser Zeit, viel „göttliche“ Unterstützung dabei. Ich wünsche dir das Allerbeste auf deinem Weg, Herzensgruß Elli

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    1. Liebe Elli
      Vielen Dank für deine kraftspendenen Worte an mich. Ja, und unsere erlernten Glaubenssätze lassen uns nicht ausbrechen; oft nehmen wir nicht das war, was ist, sondern driften in ein Gefühl ab, was gewesen ist. Dies zu erkennen, ist wohl der erste Schritt; alles weitere folgt dann.
      Ich glaube, dass mir dieser Beitrag reicht und es an der Zeit ist, diese Erfahrung ziehen zu lassen. Vielleicht auch daraus zu lernen, um, wenn ich der Liebe wieder begegne, nicht wieder in den Mechanismus zu verfallen. Ja, und wir entscheiden immer aus den besten Gründen; so gut wie wir es in der Situation eben konnten. Herzensgrüße zurück. Madeleine

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  2. Wir hören nicht auf, uns immer wieder zu häuten, und während dieser Häutungsprozesse sind wir sehr angreifbar, verletzlich. Aber immer auch sehr lebendig. Alles erdenklich Gute für die deinen, es braucht Zeit, alte Lieben so gehen zu lassen, dass die Liebe zwar weiter bleibt, aber unsere Enttäuschung sich in Offenheit für Neues verwandelt. Ganz liebe Grüße, Silvia

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    1. Hallo liebe Silvia
      Absolut, Zeit ist ein wichtiger Faktor und der Wunsch, etwas ändern zu wollen, indem wir uns immer wieder häuten. Dankeschön für deine Worte und für deine Wünsche. 🥰🌷 Ganz liebe Grüße zurück an dich! Madeleine

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  3. Was für ein wunderschöner und berührender Beitrag, den ich in so vielen Punkten nachempfinden kann.

    Ich wünsche dir von ❤ alles Gute und hoffe sehr,.dass du hier nicht komplett von der Bildfläche verschwindest!

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