Gedankensalat

Nebenan wohnt meine ältere Nachbarin; sie wird von ihrer Familie unterstützt. Sie gehen für sie einkaufen, bringen ihr Blumen mit und kümmern sich um sie.

In letzter Zeit denke ich ab und an daran, was passiert, wenn ich einmal alt und gebrechlich bin. Oder nur gebrechlich. Irgendwie egoistisch, dabei an mich zu denken und nicht an meine Nachbarin, ich weiß; ich hoffe ihr verzeiht mir das. Normalerweise sollte ich überhaupt noch nicht über mein Rentenalter oder anstehende Gebrechlichkeiten nachdenken; den Grund für diese Gedanken kenne ich nicht. Vielleicht liegt es am trüben Wetter, an einer Midlife – Crisis; ich weiß es nicht. Wie auch immer, ich komme ab vom Text.

Ich habe weder Familie noch Kinder, die für mich einkaufen könnten; mir Blumen vor das Fenster stellen könnten oder sich um mich sorgen würden. Dann fällt mir aber ein, dass es noch Fleurop und Picnic (Achtung Markennennung) gibt; zumindest könnten mir diese Lieferdienste ein Gefühl des Umsorgtseins suggerieren.

Übrigens sind Tulpen meine Lieblingsblumen. Ich finde, weniger ist oft mehr; sowohl bei Worten als auch bei Gesten. Große Gesten hatte ich schon; bei meinem Ex-Freund. Zwar hatte ich Blumen auf dem Tisch stehen oder schöne Ketten am Hals hängen, doch am Ende des Monats war das Geld oft weg. Ich habe dann alles bezahlt; genauer betrachtet, habe ich mir meine Geschenke letztendlich selbst gekauft. Irgendwie auch nicht so schön. Dann lieber kleine Gesten, Zuverlässigkeit, Nähe in warmen Armen und das Genießen mit seinem Menschen im Moment; kleine Dinge sind es eben, die glücklich machen. Zurück zum Rentenalter und den Gebrechlichkeiten.

Ich glaube, dass im Alter niemand gerne alleine sein möchte. Zwar könnte man sich einen Hund kaufen, doch ich bin, glaube ich, kein Hundemensch, was mich hoffentlich jetzt nicht unsympathisch für euch macht. Ein Mensch an meiner Seite wäre mir einfach lieber, als ein Hund.

Mir geht übrigens immer das Herz auf, wenn ich ältere Pärchen Hand in Hand spazieren gehen sehe; zusammen gezeichnet von den Jahren und trotzdem noch beisammen. Das wäre etwas, was ich mir auch für mich wünschen würde. Wer weiß, vielleicht treffe ich meinen Menschen auch im Rentenalter, man weiß nie. Ich glaube sowieso, dass ich eine rüstige Rentnerin sein werde; eine, die mit Vollgas und lauter Musik (natürlich noch fahrtüchtig) Auto fährt.

Ansonsten könnte ich im Rentenalter mit meinen Single Rentnerinnen-Freundinnen eine WG gründen; dann bräuchten wir nicht einmal einen Hund, wir hätten uns. Spaß hätten wir bestimmt. Insgeheim wünsche ich uns natürlich allen, dass wir dann auch mit unserem Gegenüber Hand und Hand spazieren gehen; ein Gegenüber, das sich um uns sorgt bzw. kümmert – natürlich auch umgekehrt.

Genug von meinen Gedanken zum Rentenalter und Gebrechlichkeiten; bis dahin ist noch viel Zeit.

Doch beim Schreiben dieses Beitrags wird mir klar, warum ich überhaupt an Alter und Gebrechlichkeiten denke; ich sollte mal wieder raus gehen und andere Menschen, als meine ältere Nachbarin sehen.

Übrigens sollte dies kein Beitrag werden, der nach Liebe schreit oder verzweifelt klingt; höchstens sarkastisch und zynisch. Irgendwie kann ich nicht immer poetisch sein oder Geschichten zaubern; manchmal fasse ich einfach gerne meinen Gedankensalat zusammen.

Letztlich haben wir alle mit zunehmenden Alter diese Gedanken; sie gehören wohl zum älter werden dazu. Wie unsere Sehnsüchte; wir alle möchten zu jemanden gehören (nicht gehören, das ist ein Unterschied) und fühlen, dass wir anderen Menschen wichtig sind. Bindung, zu anderen Menschen, ist ein Bedürfnis; egal, ob es den Wunsch nach Zweisamkeit betrifft oder nach Geselligkeit. Doch alleine sind wir nie; Freunde sind auch Familie. Auch mit ihnen kann man zusammen alt werden; ansonsten gibt es immer noch Fleurop oder Picnic – für alle Fälle, man weiß ja nie.

Veröffentlicht von Lene

Ich würde mich als emphatische und entspannte Person bezeichnen, die versucht, ihre Erlebnisse in Wort und Schrift darzustellen. Also alles was mein Herz in irgendeiner Art und Weise berührt, verarbeite ich schriftlich. Ich bin kein Meister der Poesie. Manches mag sich holprig anhören, aber so ist mein Schreibstil. Ich bin auch nicht festgelegt auf eine Art von Text, jedenfalls noch nicht. Ich probiere gerne mal aus, dass merkt man auch an meiner Website: Sie ist recht bunt. Ich denke gerne bunt, denn für mich ist es das Leben auch. Mich freut es einfach, wenn der ein oder andere etwas mit meinen Texten anfangen kann oder sich vielleicht sogar darin wiederfindet. Viel Spaß beim Lesen. Und danke für euren Abstecher in meine kleine, bunten Welt. Vielleicht bis bald. 🤗 Lene

8 Kommentare zu „Gedankensalat

  1. »Ich wollte Dir nicht viel sagen, nur dass ich
    Heute ein altes Paar sah
    Sie lachten über sich und hielten ihre Hände
    Und er küsste ihr Haar

    Etwas ließ mich erschaudern, etwas machte mich stolz
    Sie zu sehen da ganz allein
    Glücklich am Ende eines langen Lebens
    Und alles ist aus Gold

    Und wenn man nur wüsste, woher man kommt
    Wenn man nur wüsste, wohin
    Es einen unweigerlich führt«
    – Tomte, Geigen bei Wonderful World, https://youtu.be/fCs3xOome94

    Und es bietet sich an, bei Fleurop, Picnic und Amazon Fresh Abos abzuschließen, da der Konsum im Alter schön übersichtlich und planbar ist. Und man wird relativ schnell gefunden, wenn man die Lieferung nicht mehr annehmen kann (es muss dann nicht die Weihnachtsbeleuchtung im Juli sein). Ich bin ganz bei deinen Gedanken. Liebe Grüße, Bernd

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    1. Hallo Bernd, danke für die schönen Worte und das Video. 🤗 Kannte ich gar nicht.
      Stimmt, Hello fresh gibt es auch noch. Alles gerettet. 😂😂 Ja, schräge Gedanken hat man manchmal; aber, die hat wohl jeder mal. Liebe Grüße!

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  2. Ich denke auch öfters darüber nach und finde die Zukunft, die du dir für dich im Rentenalter wünschst, eine schöne 😄
    Ich hole mich dann immer zurück ins Hier und Jetzt, so wie du dann festgestellt hast, dass es mal wieder schön wäre andere Menschen zu treffen.

    Alles Liebe, Rox

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    1. Hallo Rox
      Ja, das wäre eine schöne Vorstellung, stimmt. 😊
      Solange man im Hier und Jetzt bleibt, ist das Abdriften ab und an OK. Liebe Grüße an dich.

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