Liebe und andere Desaster

Wie ihr wisst, lebe ich zurzeit weitestgehend analog. Die daraus resoltierenden Freiräume nutze ich für „Aufräumarbeiten“ in meinem Inneren; zurzeit beschäftigen mich vor allem meine „Liebeskatasstrophen“ – die ich leider, so reflektiert muss ich sein, oft selbst (un)bewusst herbeigeführt habe.

Meistens habe ich mir Männer ausgesucht, die mir nicht gut taten; dies mit voller Inbrunst und Regelmäßgikeit. Wenigstens war ich nicht auf einen „Typ“ Mann beschränkt. Vom Narzisten bis zum „Hilfefall“ war alles dabei. Breit aufgestellt war ich immerhin.

Nach jeder Liebeskatasstrophe habe ich mir dieselbe Frage gestellt: „Warum passiert mir so etwas immer. Habe ich so etwas verdient?“ – erst heute habe ich Antworten auf diese Fragen gefunden.

Wer sich selbst nicht genügend liebt, denkt, dass er die „wohlwollende“ Liebe nicht verdient hat. Er assoziiert liebloses Verhalten mit Liebe, da er „nur“ diese Form der Liebe kennt. Dementsprechend fällt die Partnerwahl aus. In dieser Aussage finde ich mich 1:1 wieder; es ist die Antwort auf meine Frage.

Paradoxerweise muss man sagen, dass ich in diesen Typ Mann nie richtig verliebt gewesen bin. Heute weiß ich, dass ich dies nur dachte; die Verhaltensweisen dieser Männer haben einfach mein negatives Selbstbild bestätigt. Denk- und Verhaltensmuster wirken wirklich tiefgehend, meistens unbewusst.

Meine Denk- und Verhaltensmuster, in Form von Glaubenssätzen, haben auch immer wunderbar gewirkt, wenn ich wirklich verliebt gewesen bin. Entweder bin ich abgehauen oder habe konträres Verhalten gezeigt.

Es griffen in solchen Situation dieselben Glaubensmuster, Grund war auch hier die mangelnde Selbstliebe. So oder so, das Ergebnis ist dasselbe; Selbstverletzung im Namen der Liebe und ein Verlieren in einen Gedankenkreislauf, der aus Glaubenssätzen wie: „Du hast die Liebe nicht verdient“, „Habe ich dir doch gleich gesagt, dass er an so jemanden wie dir kein Interesse hat“ etc. besteht. Manch einer von euch mag diese Glaubenssätze kennen. Lieber wäre mir, dass dies nicht der Fall ist.

Das letzte Mal, dass ich verliebt gewesen bin, ist drei Jahre her. Ich verliebe mich nicht schnell, insgesamt bin ich in meinem Leben dreimal verliebt gewesen; davon einmal „volle Kanone“, wie man umgangssprachlich sagen würde. In diesem Fall wirkten meine Glaubenssätze par excellence; immerhin konnte ich mich auf sie verlassen.

Damals machte es auf einmal „Peng“, eigentlich ein Klassiker. Dieses Gefühl kam zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt, aber das tut es meistens. Die Liebe kommt immer dann, wenn man nicht daran denkt. Zumindest hat mir dies mal jemand gesagt.

Ich kannte diesen Menschen schon länger, nicht intensiv, aber wir liefen uns regelmäßig in beruflicher Hinsicht über den Weg. Nach einem intensiveren Kontakt hatte es dann, wie bereits erwähnt, auf einmal „Peng“ gemacht.

Damals wehrte ich mich gegen dieses Gefühl, ich wollte es nicht. Die Schmetterlinge fühlten sich wie feuernde Maschinengewehre an und beinhalteten nur eine Botschaft: „Hau ab. Er tut dir sowieso weh“. Meine Glaubenssätze sprühten förmlich, es war sozusagen ihre Glanzstunde.

Ich hatte „höllische“ Angst, dass „er“ irgendetwas merken könnte, also tat ich alles, damit dieser Fall nicht eintrat. Ich verhielt mich mit aller Vehemenz konträr; ein Außenstehender, der von meinen Gefühlen gewusst hätte, hätte sich mit der Hand auf die Stirn geschlagen hätte. So, wie es in einer Szene aus der Filmreihe „Die nackte Kanone“ zu sehen ist.

In diesem wiederkehrenden Kreislauf, bestehend aus meinem konträren Verhalten aufgrund meiner Glaubenssätze einerseits und meinen eigentlichen, widersprüchlichen Bedürfnissen andererseits, habe ich mich viele Wochen gedreht. Grundsätzlich galt es, dieses Gefühl nicht zuzulassen, da es mich laut meinen Glaubenssätzen sowieso verletzen würde. Natürlich wollte ich etwas anderes, aber ich habe es mir nicht erlaubt. Verletzt wurde ich trotzdem, aber wenigstens durch mich selbst.

Ich habe es nie geschafft, ihm zu sagen, dass ich ihn mag. Irgendwann war der Zeitpunkt hierfür vorbei; Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen, so wie bei einem schlecht gewordenen Käse. Wie ihr euch vorstellen könnt, hat diese Geschichte kein Happy End, daher erzähle ich sie auch nicht weiter. Sie dient auch eher als Beispiel, als Möglichkeit meine Fragen noch einmal genauer beantworten zu können. Aus ihr habe ich auch am meisten gelernt.

Heute weiß ich, dass ich der Überzeugung war, dass ich diese Katasstrophen verdiene. Ich stand mir mit der Liebe selbst im Wege. Natürlich kam auch noch Pech hinzu, wie Wegmann sagte: „Zuerst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech hinzu“. Nun ist es aber so, dass man dieses Pech aktiv anzieht, ohne davon zu wissen.

Meine Zweifel an mir selbst, meine fehlende Selbstliebe in Verbindung mit meinen negativen Glaubenssätze, haben mich immer glauben lassen, dass ich keine wohlwollende Liebe verdiene, sondern nur die, die ich kenne; eine „Lieblose“. Heute, nachdem ich all dies reflektiert habe, weiß ich es besser.

Wir alle verdienen eine wohlwollende Liebe; für uns und andere. Eine, die uns gut tut, uns bereichert und „sieht“, wie wir sind.

Am wichtigsten ist es, sich selbst zu lieben und daran zu glauben, dass man es wert ist, zurück geliebt zu werden. Auf eine Art und Weise, die gut tut. Eine Liebe, in der Ecken und Kanten Eckpfeiler sind und keine Stolpersteine; eine, die auch im Dunklen leuchtet, zwar klein, aber immer bereit ist, neu entzündet zu werden.

Wenn wir uns selbst lieben, sind wir bereit andere Menschen zu lieben und zu dem zu stehen, was wir für sie fühlen. Wir verschmerzen eine Absage, aber zerbrechen nicht daran; denn wir wissen, dass dies nichts mit uns als Person zu tun hat, sondern daran, dass Liebe ein Gefühl ist, dass sich nicht kontrollieren lässt und frei entsteht, wenn man es lässt.

Ich wünsche uns allen Liebe; für uns selbst und andere Menschen.

Auch wünsche ich euch, dass ihr der Liebe schon begegnet seid oder es noch tut. Dies wünsche ich mir ebenfalls für mich. Die Schmetterlinge machen mir keine Angst mehr, im Gegenteil. Ich weiß, dass ich mich habe; demnach bin ich nie alleine und auch nicht „mehr“ ungeliebt. Das sind wir alle nicht.

Einen schönen Abend. Bis bald. Liebe Grüße, Madeleine

Veröffentlicht von Lene

Ich würde mich als emphatische und entspannte Person bezeichnen, die versucht, ihre Erlebnisse in Wort und Schrift darzustellen. Also alles was mein Herz in irgendeiner Art und Weise berührt, verarbeite ich schriftlich. Ich bin kein Meister der Poesie. Manches mag sich holprig anhören, aber so ist mein Schreibstil. Ich bin auch nicht festgelegt auf eine Art von Text, jedenfalls noch nicht. Ich probiere gerne mal aus, dass merkt man auch an meiner Website: Sie ist recht bunt. Ich denke gerne bunt, denn für mich ist es das Leben auch. Mich freut es einfach, wenn der ein oder andere etwas mit meinen Texten anfangen kann oder sich vielleicht sogar darin wiederfindet. Viel Spaß beim Lesen. Und danke für euren Abstecher in meine kleine, bunten Welt. Vielleicht bis bald. 🤗 Lene

6 Kommentare zu „Liebe und andere Desaster

  1. “ Ich weiß, dass ich mich habe; demnach bin ich nie alleine …“
    Das ist ein wunderschöner Satz, dem ein langer Weg voranging. Ich bin (endlich) auch auf dem Weg dahin.
    Das hat für mich etwas tröstliches aber auch etwas trauriges. Denn mir wird zugleich bewusst, in welchem Maße ich mich im Sinne von LIEBE tatsächlich nur noch bei mir selbst finden kann.
    Ich weiß, dass ich von einigen Menschen gemocht, von einigen sogar sehr gemocht und im Sinne von freundschaftlicher Liebe geliebt werde. Ja, ich habe da sogar gerade in den letzten Jahren sehr schönes erleben dürfen. Und ich bin unendlich froh darum, ja, glücklich, dass ich das finden durfte. Und das ich es habe, haben darf.
    DIE Liebe aber, damit ist es eine andere, viel kompliziertere Geschichte und sie IST GESCHICHTE für mich. Ich muss das verstehen und annehmen lernen und dabei danach streben, mich dennoch selbst zu mögen, wenn es geht, immer noch ein bisschen mehr als ich das gegenwärtig immerhin schon ein bisschen vermag.
    Du, liebe Lene, gehörst zu jenen Menschen, die ganz viel, ganz reine und aufrichtige Liebe „verdient“ haben. Wenn es nur mehr Menschen gäbe, die Dich einfach nur lesen, WIRKLICH lesen würden. In und zwischen Deinen Zeilen steht so unendlich viel geschrieben über Dich. So vieles auch, was Dich selbst erklärt, obwohl Du es gar nicht direkt thematisierst – jedenfalls nehme ich das irgendwie so wahr.
    Das heißt nicht, dass Du durchsichtig oder „durchschaubar“ bist. Um Deine Einzigartigkeit tatsächlich zu ergründen, braucht es mehr als den Eindruck Deiner Zeilen. Aber der zeigt eine Richtung an, ist ein Hinweis: auf einen schönen Charakter.
    Ich wünsche Dir von Herzen, dass dies noch einmal von einem Menschen erkannt wird, der Dich aufrichtig lieben mag, der Dich lieben darf, dem Du Dein Herz öffnen magst. Auch, weil DU Dich magst.
    Ganz liebe Grüße und eine friedlich gute Nacht für Dich❣✨😴

    Gefällt 3 Personen

    1. Diesen lieben Worte rühren mein Herz, in vielerlei Hinsicht.
      Es war ein harter Weg, ist es noch. An manchen Tagen funktioniert es auch bei mir nicht; bin ich mir nicht genug.

      Es macht mich auch traurig, was du zu Liebe sagtest. Ich wünsche dir sehr, dass du entdeckst wie liebenswert du bist. Schön wäre, wenn du irgendwann sagen könntest, dass die Liebe noch ein Teil deiner Geschichte werden kann. Aber ich kann mir vorstellen, dass das alles einfacher gesagt, als gefühlt ist.

      Lieben Dank. Manchmal weiss ich auch nicht, ob ich die Liebe noch mal treffe. Ich versuche daran zu glauben, klappt auch nicht jeden Tag. Die Geschichte hängt mir auch noch was nach, keine Ahnung wieso. Aber manches ist nun mal so, wie es ist. Man kann nur nach vorne schauen, weiter machen und versuchen positiv zu denken.

      Dankeschön, ich lese bei dir auch immer so viel mehr. Ich mag so was total gerne. 😊
      Schlaf gut! 💞

      Gefällt 2 Personen

    1. Huhu Lisa
      Weitestgehend und über lange Strecken ja. Aber es gibt immer wieder Momente, an denen sie mich einholen. Ich merke dies dann aber später und lasse den Gedanken wieder ziehen.

      Ich habe viel mit dem Körper, auch mit dem Geist gearbeitet. Yoga finde ich super, um Wahrnehmung und Bewusstsein erleben zu können.

      Meditieren ist auch super. Da kannst du wunderbar die Glaubensatze umformulieren und dir in der Meditation innerlich sagen.

      Letztlich ist es harte Arbeit und auch mit viel Schmerz, also dem Erleben davon, verbunden. Würde gerne was anderes sagen, aber dies würde nicht der Wahrheit entsprechen. Zeit und Geduld mit sich sind auch wichtig. Liebe Grüße an dich!

      Gefällt 2 Personen

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