Von Aliens und Einhörnern

Ich habe es mal wieder gewagt und mich in die Dating Szene gestürzt; eine Szene, in die ich ab und an eintauche, um dann schnell erneut festzustellen, dass diese Szene einfach nichts für mich ist.

Wieso melde ich mich dann trotzdem immer wieder auf Dating-Portalen an? Diese Frage habe ich mir oft gestellt, mittlerweile habe ich eine Antwort gefunden.

Zum einen habe ich die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, dass mir mit viel Glück und Ausdauer ein passendes Gegenstück begegnet. Zum anderen betrachte ich es als Übungssache. Damit meine ich nicht, dass ich wahllos Männer date. Mir geht es eher darum „in Übung“ zu bleiben, denn ich möchte auf keinen Fall irgendwann verbittert denken „Alle Männer sind gleich“. Mittlerweile stelle fest, dass ich zwar nichts über Männer lerne, dafür aber über mich; meine Wünsche an eine Partnerschaft bzw. an den Weg dahin.

Schnelles, oberflächliches Kennenlernen liegt mir nicht. Mir ist es wichtig, den Menschen „richtig“ kennenzulernen. Dafür brauche ich ein paar Treffen; zumindest mehr als zwei oder drei. Doch heutzutage wird die Kennenlernphase eher übersprungen.

Entweder wird erwartet, dass es schnell zu Nähe kommt oder es findet gar keine Kennenlernphase statt. Dazwischen gibt es wenig Variationen.

Daten scheint aus der Mode gekommen zu sein; aber nicht für mich. Ich mag es, den Menschen langsam zu entdecken und zu bemerken, wie das Vertrauen wächst. Zu beobachten, wie man sich zusammen fühlt und ob etwas Gemeinsames entsteht, dass einen verbindet. Das sind Dinge, die für mich eine Partnerschaft ausmachen; Freundschaft und Liebe, gewachsen durch Zeit, die man sich gegenseitig gibt. Und dafür braucht es nun mal auch eine längere Kennenlernphase.

Manchmal glaube ich, dass ich nie mein Gegenstück nie finde, da ich falsche Vorstellungen von ihm habe. In solchen Momenten fühle ich mich wie ein Einhorn oder ein Alien. Ein anderes Mal komme ich zu dem Entschluss, dass meine Erwartungen zu hoch sind und, dass es solch ein Kennenlernen – so, wie ich es mir vorstelle – gar nicht gibt. Optimistisch zu bleiben fällt dann schwer, doch es bleibt einem nichts anderes übrig.

Das Daten auf den Portalen nehme ich mittlerweile nicht mehr wirklich ernst, sondern nutze es, um mehr über meine Wünsche zu lernen bzw. auf den Moment des Zusammensein zu achten. Damit meine ich, dass ich neben meinen Wünschen/Bedürfnissen lerne, den Moment des Zusammenseins zu fühlen. Ich kann nur da bleiben, wo ich mich wohl fühle; sicher und geborgen. So lange ich diese Dinge nur bei mir fühle, in meinem Zuhause, bleibe ich alleine. Ich möchte keine Beziehung eingehen, um eine zu haben oder, weil ich muss; das habe ich schon versucht, es hat nicht funktioniert.

Selbst, wenn ich ein Alien oder ein Einhorn bleiben sollte, werde ich dazu stehen. Lieber bin ich ein Alien/Einhorn, dass sich mit sich selbst wohl fühlt, als jemand der sich mit seinem Gegenüber unwohl fühlt, aber sagen kann: „Ich bin in einer Beziehung“.

Vielleicht treffe ich irgendwann ein anderes Alien oder Einhorn. Ich wünsche es mir; dieser Wunsch treibt mich an, meine Hoffnung nicht aufzugeben.

Veröffentlicht von Lene

Ich würde mich als emphatische und entspannte Person bezeichnen, die versucht, ihre Erlebnisse in Wort und Schrift darzustellen. Also alles was mein Herz in irgendeiner Art und Weise berührt, verarbeite ich schriftlich. Ich bin kein Meister der Poesie. Manches mag sich holprig anhören, aber so ist mein Schreibstil. Ich bin auch nicht festgelegt auf eine Art von Text, jedenfalls noch nicht. Ich probiere gerne mal aus, dass merkt man auch an meiner Website: Sie ist recht bunt. Ich denke gerne bunt, denn für mich ist es das Leben auch. Mich freut es einfach, wenn der ein oder andere etwas mit meinen Texten anfangen kann oder sich vielleicht sogar darin wiederfindet. Viel Spaß beim Lesen. Und danke für euren Abstecher in meine kleine, bunten Welt. Vielleicht bis bald. 🤗 Lene

8 Kommentare zu „Von Aliens und Einhörnern

  1. Hallo Madeleine, nur was langsam wächst hat die Chance nachhaltig zu sein.

    Der Philosoph Wilhelm Schmid hat vor neun Jahren in der DIE ZEIT darüber philosophiert, ob der Spatz in der Hand besser ist als die Taube auf dem Dach. Anfangs gab ich ihm Recht, dass es gut ist, sich mit dem Spatzen zu arrangieren. Je länger ich darüber sinnierte: der Spatz wird (fast) immer ein Spatz bleiben und es wird sich mit ihm immer wieder ein Phantom-Schmerz zeigen. Nein, es soll die Taube sein; Taube oder allein.

    In dem Buch „Du bist mein Augenstern. Was die Zeit aus Ehen macht.“, ein Buch, das Paar-Geschichten in einem Abstand von 30 Jahren verfolgt, in den 1970er Jahren berichtete die Mutter für den STERN, dreißig Jahre später spürte der Sohn einige Paare wieder auf, also, in diesem Buch gibt es die Geschichte eines Mannes, der durch den Krieg von seiner Jugendliebe getrennt wurde. Er lebte im Westen, wo sie lebte, wusste er nicht. Er heiratete, hatte Kinder und ein normales Leben. Im Rentenalter fuhr eines Tages mit der Straßenbahn und begegnete einer gleichaltrigen Frau und erkannte in ihr seine Jugendliebe. Sofort verließ er seine Ehefrau und Familie und lebte fortan für den letzten Rest seines Lebens die Liebe seines Lebens.

    Der Spatz bleibt ein Spatz und es lohnt sich auf die Taube zu warten. Und wenn die Taube nicht kommt, dann hatte man sich; vorausgesetzt man war fähig, sich selbst zu lieben. Doch sich selbst zu lieben, ist die Voraussetzung, sich auf einen Anderen wahrhaftig einlassen zu können. Liebe Grüße, Bernd

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    1. Hallo Bernd. Das ist auch meine Philosophie. Ich denke, dass man sich sonst mit allem anderen selbst belügt. Wie es in dem Buch dargestellt wird: Man ist nicht mit vollem Herzen dabei, sondern irgendwo anders.
      Manchmal frage ich mich nur, ob es noch Tauben gibt oder nur Spatzen. Es ist sehr schwer geworden, etwas Wahrhaftes zu finden. Die Taube nie zu treffen, fände ich sehr schade… Manchmal nehme ich aber auch diese Perspektive in Kauf. Liebe Grüße Madeleine

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      1. Es hat ja einen Grund, warum die Taube auf dem Dach sitzt. Sie wird erst kommen, wenn wir sie nicht beachten und unser Leben leben, nicht mit suchenden Augen durchs Leben gehen. Wie oft suchen wir etwas, einen Gegenstand, den wir verlegt haben und finden ihn nicht. Und just in dem Moment, in dem wir die Suche aufgaben und uns etwas anderem zugewandt haben, springt uns dieser Gegenstand ins Auge und er lag ganz offensichtlich herum. Oder wir suchen krampfhaft etwas in unserer Erinnerung und es will partout nicht ins Bewusstsein dringen. Kurz nachdem wir die Suche aufgeben, kommt die Erinnerung blitzartig.
        Ich kann mich an Berichte von Menschen erinnern, die sich als Tauben gefunden haben und die durchweg erzählten, dass sie sich schon immer in der Nähe befanden.
        Oftmals lenken auch die grellen und hellen und (hyper)aktiven Menschen den Blick auf sich und verstellen uns den Blick auf das Wahrhafte, das gerne unscheinbar, still und leise ist.
        Ich glaube, dass es wichtig ist, den einen oder anderen Spatz zum/zur Freund* zu haben. Viele sichtbare Spatzen trösten ein wenig über die unsichtbare Taube hinweg.
        Anregende Bücher für die Zwischenzeit gibt es von dem oben genannten Wilhelm Schmid, „Selbst-Freundschaft“ und „Vom Glück der Freundschaft“. LG, Bernd

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      2. Danke für die Buchempfehlung. 😊
        Auch da ist viel Wahres dran. Ich denke aber auch, dass Glück dazu gehört. Oder Zufall. Manche suchen nicht und treffen trotzdem keine Taube. Wobei dann andere Mechanismen, wie Selbstliebe und Ängste greifen. Von daher passt es dann doch wieder. 😊
        Freundschaft ist definitiv Glück. Ich habe nur wenige, dafür aber gute. Liebe Grüße

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      3. Nicht zu suchen, ist ja kein Lippenbekenntnis, sondern eine tiefgehende Bewusstseinsveränderung. Sich sein Leben so einzurichten, dass man mit sich und seinem Leben zufrieden ist, dass es ausgefüllt ist mit Aktivitäten aber auch mit Nichtstun (und das Nichtstun-Können ist die Herausforderung). Achtsam sein und die kleinen, unscheinbaren Dinge wahrnehmen und sich an ihnen zu erfreuen. Viele kleine Glücksmomente kreieren.

        Ich behaupte nicht, wer nicht sucht, der wird gefunden oder der findet. Manchmal spielt einem der Zufall oder das Glück in die Hände, ja. Es ist aber auch kein Pech, wenn sich die Taube nicht zeigt.

        Und es ist alles individuell verschieden.
        Es gibt Menschen, die können auch mit Spatzen zufrieden leben, ein erfüllendes Leben haben. Es gibt so viel Raum zwischen Freundschaft und Traum-Partner. Wichtig ist m.E., dass man zum Anderen ehrlich ist und er es akzeptieren kann, ein Spatz zu sein. Und ein respektvoller und aufrichtiger Umgang miteinander kann dann zu einer echten Lebensgemeinschaft führen.

        Nicht die Zahl der Freunde zählt, sondern die Qualität, dass man verbunden bleibt, auch wenn man lange keinen Kontakt hatte oder sich nicht begegnen konnte.
        Ich zähle da meinerseits zwei bis drei Menschen. LG, Bernd

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      4. Der Spatz kann sich auch in eine Taube verwandeln und umgekehrt. Oder beide sind zufrieden mit dem, was es ist.

        Ohne Taube kann man sicherlich glücklich werden oder ohne Spatz auch; also Partner.

        Ich würde dann nicht vollends glücklich werden. Es würde mir etwas fehlen. Grundsätzlich mag ich mein Leben und mich, daher würde ich es gerne mit jemanden teilen. Aber wie du sagtest, es kommt wie es kommt.

        Liebe existiert in vielen unterschiedlichen Formen. Freundschaft ist auch eine Form von Liebe, und doch ist die Liebe zum Partner eine andere. Aber geliebt wird man immer. Das ist klar. Daher auch lieber wenige Menschen, anstatt viele. Liebe Grüße

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